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Die Stadtwerke München erlebten 2015 das schlechteste Jahr seit Gründung 1998. 

Ergebnis vorgestellt 

Stadtwerke unter Druck - so schlecht wie 2015 war noch kein Jahr

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München - Die Stadtwerke München (SWM) blicken auf das schlechteste Jahr seit ihrer Gründung im Jahr 1998 zurück – zumindest aus kaufmännischer Sicht. Das sind die Details der Bilanz.

Verantwortlich für den negativen Abschluss sind nach Angaben der SWM außergewöhnliche Sonderbelastungen vor allem aufgrund der niedrigen Energiepreise, die zu bilanziellen Wertberichtigungen geführt hätten. Dass sich das Marktumfeld im Jahr 2016 positiver darstellt, ist unwahrscheinlich. „Wenn die Energiepreise so niedrig bleiben wie derzeit, könnten unter Umständen weitere Wertberichtigungen notwendig werden“, sagte SWM-Sprecher Christian Miehling.

Hierbei schlägt vor allem die 25-prozentige Beteiligung der Stadtwerke am Kernkraftwerk Isar II negativ zu Buche. Für den Rückbau des Meilers, der spätestens im Jahr 2022 abgeschaltet wird, müssen die SWM horrende Rückstellungen bilden. Dies schreibt der Gesetzgeber vor. Ende 2015 waren es bereits 633,6 Millionen Euro. Und dabei wird es nicht bleiben. „Wir gehen davon aus, dass wir diese Summe im zweistelligen Millionen-Bereich für 2016 erhöhen werden müssen, abhängig natürlich von der Zinsentwicklung“, sagt Miehling.

Doch nicht nur das Atomkraftwerk belastet das Ergebnis. Die Preise für Strom, Rohöl und Erdgas sinken seit Jahren und damit die Margen für die Versorger. Mit dieser Entwicklung haben alle Energiekonzerne zu kämpfen. Am deutlichsten zu sehen ist dies bei den Branchengrößen: Die Aktie von RWE hat in den letzten fünf Jahren rund drei Viertel ihres Wertes verloren. Eon weist für das Geschäftsjahr 2015 mit sieben Milliarden Euro einen Rekord-Verlust aus. Die Stadtwerke stehen da verhältnismäßig gut da, denn sie haben sich frühzeitig auf den Ausbau der erneuerbaren Energien konzentriert. Sie sind heute tragende Säule des operativen Geschäfts. 2015 lag der Gewinn bei 472 Millionen. Das operative Ergebnis erwirtschaften Unternehmen durch ihre regelmäßige Geschäftstätigkeit. Im Fall der SWM handelt es sich um die Versorgung der Bürger mit Gas, Strom und Wasser oder den öffentlichen Nahverkehr, also die klassische Daseinsvorsorge.

Im vorigen Jahr investierte der Konzern 1,1 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung der ÖPNV-Infrastruktur, der Fahrzeugflotte sowie in die Erneuerbaren. Die übliche Gewinnausschüttung von 100 Millionen Euro an den städtischen Haushalt entfiel 2015 – so wie 2016 wohl ebenfalls.

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