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Fast alles bleibt so, wie es ist: Das Tal wird erst einmal nicht umgestaltet, nur das Tempolimit wird wohl von 50 auf 30 Stundenkilometer gesenkt werden.

Städtische Finanznot: Umbau des Tals wird verschoben

München - Die Finanzkrise hat erneut ein Opfer gefunden - die Umgestaltung des Tals. Um Jahre soll die verschoben werden. Darauf verständigten sich SPD und Grüne im Rathaus.

Es steht nicht gut um die Finanzen der Stadt München. Nach Jahren, in denen die Kommune eifrig investierte und zugleich Schulden abbaute, muss nun der Gürtel wieder enger geschnallt werden. Denn die Einnahmen bröckeln, vor allem die der Gewerbesteuer. Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD) hat deshalb ein Problem, das auch eines der Fraktionen im Rathaus ist: Alle müssen überlegen, wo neue Geldquellen erschlossen werden können - und wo gespart werden kann.

Bei der Suche nach Projekten, die aus ihrer Sicht nicht beziehungsweise nicht gleich erforderlich sind, haben SPD und Grüne im Rathaus eines entdeckt, dessen Vertagung nicht nur sparen hilft, sondern zugleich dem Koalitionsfrieden dienlich ist: Es ist der Umbau des Tals, der die Einkaufsstraße für Fußgänger attraktiver machen soll. „Das wird wahrscheinlich verschoben“, bestätigte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl gegenüber unserer Zeitung. Zuletzt hieß es, die Arbeiten sollten im nächsten Jahr starten.

Der Streit um die Bordsteine

Seit Jahren beschäftigt sich die Stadtverwaltung damit, wie das Tal in Zukunft aussehen soll. Eines ist klar: Die Straße soll schmaler werden, die Bürgersteige breiter, und ein paar Bäumchen täten der Optik auch nicht schlecht. Das war’s dann aber schon mit der Übereinstimmung in der rot-grünen Rathaus-Koalition. Die Grünen hätten gerne weniger Parkplätze. Anwohner sollten stattdessen ihr Auto in einem der umliegenden und noch zu bauenden Parkhäuser abstellen können, meint Paul Bickelbacher, Verkehrsexperte der Rathaus-Grünen. Und um Autofahrer sowie Fußgänger zum friedlichen Miteinander zu bewegen, wie es auch im sogenannten Konzept der „Begegnungszonen“ beabsichtigt ist, wollen die Grünen noch eines: niedrige Bordsteine.

SPD-Fraktionschef Reissl hält die aber für falsch. Denn dann würden, wie einmal in der Prälat-Zistl-Straße, Autos auf den Gehweg hochfahren, warnt Reissl. „Wenn’s nicht funktioniert, dann baut man sowas nicht.“ Trotz langen Ringens konnten sich SPD und Grüne nicht auf eine Lösung verständigen. Da kam die Finanzkrise wie gerufen.

Viel lässt sich mit dem Verschieben des Tal-Umbaus jedoch nicht sparen. Mit gerade mal 1,35 Millionen Euro ist das Projekt derzeit veranschlagt. Innerhalb der nächsten fünf Jahre müsse man das Mehrjahresinvestitionsprogramm um einen „gut zweistelligen Millionenbetrag“ abspecken, sagt Reissl. „Das ist blutig schwer.“ Es werde aber nichts gestrichen, die Projekte würden nur verschoben.

Áuch an anderen Stellen wird gespart

Auch andere Vorhaben müssen warten - die Generalsanierung des Gasteigs etwa. Zwischen 200 und 300 Millionen Euro hätte die gekostet. Doch darauf zu verzichten, macht die Probleme der städtischen Finanzplanung kaum geringer. Denn das Projekt war noch gar nicht im Investitionsprogramm verankert.

Deswegen verfahren SPD und Grüne nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“. Der Umbau des Tals wird verschoben - wie lange ist unklar. Geplant ist bisher nur: „Er soll nicht auf unendlich geschoben werden“, erklärt Grünen-Stadtrat Bickelbacher. „Wir hoffen, dass die Zeit für uns spielt und in ein paar Jahren wieder Geld da ist.“

Matthias Kristlbauer

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