Blick ins Gesundheitshaus: Am Gründonnerstag bestand letztmals die Möglichkeit, beim städtischen Blutspendedienst zur Ader gelassen zu werden. ms

Mitarbeiter wollen nicht zum BRK wechseln

Blutspendedienst: Gewerkschaft erhebt Vorwürfe gegen die Stadt

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München - Der Verkauf des Städtischen Blutspendedienstes an das BRK ist besiegelt. Das Bundeskartellamt gab jetzt grünes Licht. Betriebsrat und Gewerkschaft machen der Stadt schwere Vorwürfe.

Der Blutspendedienst des Städtischen Klinikums München (StKM) ist Geschichte. Am Gründonnerstag kamen nochmal einige Münchner ins Gesundheitshaus an der Dachauer Straße 90 zum Spenden, ehe um 15 Uhr die Türen für immer geschlossen wurden. 73 Jahre lang hatte der Dienst die Blutversorgung Münchens sichergestellt, rund 6,2 Millionen Konserven von einer Million Spendern sind seit 1943 gesammelt worden. Aus wirtschaftlichen Gründen stieß der Stadtrat das defizitäre Unternehmen im vorigen Jahr für einen symbolischen Kaufpreis ab. Jetzt hat das Bundeskartellamt dem Geschäft zugestimmt. Damit kann der Übergang vom Städtischen Klinikum an den Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes zum 1. April vollzogen werden.

Unter den rund 100 Beschäftigten ist die Stimmung am Boden. Zwar vereinbarte die Geschäftsführung des StKM in Abstimmung mit dem Stadtrat eine fünfjährige Beschäftigungsgarantie für die Belegschaft des Blutspendedienstes. Etwa 85 Kollegen hätten das Angebot des BRK aber bereits abgelehnt, berichtet Martin Wolf, Betriebsrat des Städtischen Blutspendedienstes. Zwar erklärte sich das BRK bereit, über fünf Jahre hinweg Tariflöhne zu bezahlen, allerdings wären wohl die wenigsten Mitarbeiter in München eingesetzt worden. „Es gab keine Planungssicherheit für die Kollegen. Der neue Job hätte irgendwo in Bayern sein können, das BRK wollte sich vorab nicht festlegen“, sagt Betriebsrat Wolf.

Einen Tag vor Weihnachten seien die Beschäftigten über die Modalitäten informiert worden. „Innerhalb von vier Wochen hätten sie sich über die Feiertage und den Jahreswechsel hinweg entscheiden müssen, ob sie annehmen oder nicht“, kritisiert Heinrich Birner das Vorgehen des BRK. „Kein Wunder“, dass ein Großteil der Beschäftigten dem Betriebsübergang zum Blutspendedienst des BRK widersprochen habe, so der Geschäftsführer von Verdi München. Lediglich eine Handvoll Beschäftigte sei auf das Angebot des BRK eingegangen. Der Rest der Belegschaft wird wohl in einer Qualifizierungseinheit der Stadt untergebracht oder sucht selbstständig nach einem neuen Job. „Wenn man 30, 40 Jahre beim städtischen Blutspendedienst gearbeitet hat, ist es schwierig, eine Alternative zu finden“, sagt Betriebsrat Wolf. Auch er wäre bereit gewesen, beim BRK neu anzufangen, doch habe man ihm nach einem dreistündigen Bewerbungsgespräch erklärt, keine passende Stelle zu haben. Wolf glaubt, dass das BRK froh ist, die meisten Kollegen des städtischen Blutspendedienstes nicht übernehmen zu müssen. „Ich habe gehört, dass es dort nur 25 freie Stellen gibt.“

Beim Roten Kreuz widerspricht man dieser Aussage. Es gebe freie Stellen für alle Beschäftigten des Städtischen Blutspendedienstes, betont BRK-Sprecherin Stefanie Sklarzik. Sie bestätigt aber Wolfs Darstellung, dass die Einsatzmöglichkeiten über ganz Bayern verstreut möglich wären. Das hängt mit dem System des Blutpsendedienstes des BRK zusammen, der keine festen Niederlassungen hat, an die sich Spender wenden können, sondern mit mobilen Teams unterwegs ist. Wer spenden möchte, muss sich deshalb im Internet informieren, wo die mobilen BRK-Teams Station machen. Der nächste Termin in München ist am 22. April in der Grundschule in Trudering. Eine feste Anlaufstelle zum Blutspenden in München gibt es weiterhin in der Dachauer Straße 70, wo seit August 2014 der private Haema-Blutspendedienst sitzt. Eine Thrombozytenspende (Blutplättchen) ist zudem im Klinikum Großhadern möglich.

Der Ärger der Beschäftigten des städtischen Blutspendedienstes richtet sich indes nicht nur gegen den Stadtrat, sondern auch gegen den Chef der städtischen Kliniken, Axel Fischer. Dieser hatte in einer aktuellen Stellungnahme geschrieben, dass ihm „die Weiterbeschäftigung der übergehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein besonderes Anliegen“ sei. Für Verdi ist diese Aussage „Augenauswischerei“. Heinrich Birner: „Die Beschäftigten, die dem Betriebsübergang widersprochen haben, wissen bis heute nicht, was aus ihnen wird.“ Verdi fordert deshalb die Stadt auf, den internen Stellenmarkt für die betroffenen Beschäftigen des Blutspendedienstes zu öffnen.

Im Sommer soll das Gesundheitshaus an der Dachauer Straße 90 abgerissen werden und einem schicken Neubau weichen. Das Referat für Gesundheit und Umwelt wird dort eine Verwaltungszentrale beziehen.

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