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Roland B. (46) ist wegen Mordes angeklagt.

Vor Gericht

Stalking-Mord: Gutachter erklärt die kranke Welt im Kopf von Roland B.

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Er steht als Angeklagter in einem Prozess zu einem Stalking-Mord vor Gericht: Ein Gutachter hat nun die kranke Welt im Kopf von Roland B. erklärt.

Zwanghaft, narzisstisch, rigide. Und mit befremdlicher Nachhaltigkeit in seinem Handeln: Das ist der Charakter-Mix eines mutmaßlichen Mörders. Vor dem Landgericht stellte Professor Henning Saß (72) gestern sein psychiatrisches Gutachten über Roland B. (46) vor.

Der hatte im August 2016 seiner Ex-Freundin im Hausflur aufgelauert – laut Anklage stach er blitzschnell zu und ermordete Tsin-Ieh L. kaltblütig mit einem Messer. Warum? Das ist noch nicht geklärt. Vor Gericht schweigt der Angeklagte. Aber der Psychiater gab tiefe Einblicke in eine dunkle Seele …

Roland B. habe eine belastende und traumatisierende Kindheit erlebt, dennoch schloss er später ein Architekturstudium ab. 2006 lernte er Tsin-Ieh L. kennen, im September 2008 wurden beide ein Paar. Anfangs, so der Psychi­ater, sei die Beziehung von Überschwang und Freude geprägt gewesen, es traten aber früh auch Krisen auf. Auf Streit folgte Versöhnung und neue, immer heftigere Auseinandersetzungen. Im August 2009 trennte sich Tsin-Ieh L. schließlich. Ein Grund dafür sei auch das aggressive Verhalten von Roland B. gewesen.

Er habe die Trennung nie verwinden können – und bat seine Ex-Freundin trotz ihrer schriftlichen Erklärungen zum Beziehungs-Aus immer wieder um ein klärendes Gespräch. Dazu kam es 2010 tatsächlich: Zwei Stunden lang sprach Tsin-Ieh L. mit Roland B., der daraus aber ableitete, dass sie wieder an ihm interessiert sei. „Eine klare Fehlinterpretation“, so der Gutachter. „Hier zeigt sich die klassische Asymmetrie einer Stalking-Beziehung.“

Gutachter nennt möglichen Grund für die Tat

Denn während sich Tsin-Ieh L. gelöst hatte und nur noch ihre Ruhe wollte, drängte Roland B. immer stärker auf Klärung, bis er sich zwanghaft darin verstieg. Dass sie ihm per Gericht den Kontakt verbot, verletzte B. in seinem Narzissmus noch tiefer. Seit 2012 musste er wegen Depressionen behandelt werden und bekam Medikamente. Diagnose damals: Anpassungsstörung mit starken Zwängen. Laut Saß noch kein Grund, zum Mörder zu werden, denn unter Depressionen leiden Millionen Deutsche. Zur Tat habe eher die Kombination mit seiner Hartnäckigkeit und Aggressivität geführt. Vor Gericht zeigt sich das in B.s wochenlangem Hungerstreik. Er wirkt mittlerweile bedrohlich dünn.

Bis heute halte B. aber das Opfer für die eigentlich Schuldige! Tatsächlich droht ihm nun lebenslange Haft, wie Staatsanwalt Laurent Lafleur forderte.

A. Thieme

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