+
Sie wollen, aber können sie auch? Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt suchen nach einem Finanzierungskonzept für die S-Bahn.

Kommt die zweite Röhre wirklich?

Die unendliche Geschichte von der Stammstrecke

  • schließen

München - Bundesverkehrsminister und Staatsregierung geben sich nach einem Treffen optimistisch zur zweiten S-Bahn-Röhre – allerdings gab es das schon öfter.

Angeblich ist es der Durchbruch: Der bayerische Ministerpräsident und sein Verkehrsminister verkünden eine Einigung mit dem Bund über den Bau der zweiten Stammstrecke für die Münchner S-Bahn. Der Freistaat sagt mehr Geld zu. Und auch der Bundesverkehrsminister aus Oberbayern macht zusätzliche Millionen locker. Die Sache ist quasi in trockenen Tüchern. Es kann bald losgehen – dachte man damals.

Die Geschichte vom vermeintlichen Meilenstein stammt aus dem Jahr 2012. Die Protagonisten vor drei Jahren: Horst Seehofer, Martin Zeil (FDP) und Peter Ramsauer (CSU). Mit einem raschen Bau wurde es dann wieder nichts. Das Projekt, auf das Pendler in und um München nunmehr seit Jahrzehnten warten, lag weiter beim Bund auf Eis.

Bayerisches Kabinett diskutierte mit Alexander Dobrindt

Angebliche Durchbrüche gab es schon mehrere. Am Dienstag war nun Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), auch er Oberbayer, in München. Mit Bayerns Kabinett diskutierte er über das Projekt. Und wieder einmal sind alle zuversichtlich. Zum einen, was den Zeitplan angeht: Im kommenden Jahr sollen „vorbereitende Maßnahmen“ beginnen. 2025 könne die Strecke fertig sein, meint Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU). Auch bei der Finanzierung gibt sich Dobrindt zuversichtlich. Der Bund wolle mehr Geld zur Verfügung stellen: „Ich kenne zur Zeit kein Limit.“ Ähnlich hatte er es schon bei einem Berlin-Besuch von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) formuliert. Darüber gibt es in der Staatsregierung leisen Ärger. Das habe Reiters „Betriebsausflug nach Berlin“ unnötig aufgewertet, knurrt ein Minister.

Den Rathauschef versucht Dobrindt nun unter Druck zu setzen. „Ich erwarte, dass der Oberbürgermeister auch zusagt, sich an möglichen Mehrkosten zu beteiligen.“ Reiter ist dazu aber bisher nicht bereit. Er habe immer wieder betont, „dass wir selbstverständlich zu unserer Zusage stehen, einen nicht unerheblichen freiwilligen Anteil von 113 Millionen Euro zur 2. Stammstrecke beizutragen“, bekräftigt er gestern. Dabei handelt es sich um den Anteil Münchens aus einem Darlehen an den Flughafen, das in die Stammstrecke fließen soll. Die Stadt sieht das schon als Zugeständnis. Eigentlich ist der S-Bahn-Bau die Aufgabe von Land und Bund.

Die Aufteilung der Kosten ist damit weiter strittig. Dass sie weit über den ursprünglich veranschlagten gut zwei Milliarden Euro liegen dürften, ist klar. Wie teuer die Stammstrecke genau wird, stellt sich wohl erst im kommenden April heraus – wenn der Bahn die Angebote auf ihre Ausschreibung vorliegen. Die Bahn rechnet inzwischen mit knapp drei Milliarden Euro. Da die Preise ständig steigen, dürfte es am Ende noch einmal mehr werden.

Dobrindt hat "höchstes Interesse" am Bau der Stammstrecke

Unklarheit gibt es auch aus einem anderen Grund: Dobrindt hat die Vorlage seines lang erwarteten Bundesverkehrswegeplans – das zentrale Konzept, was wo wie gebaut wird – erneut verschoben. Von „einigen Wochen“ ist in einem Brief an Abgeordnete die Rede, Februar 2016 dürfte es werden. Dobrindt will zwei Drittel seiner Gelder in den Erhalt, ein Drittel in Neubauten stecken. Jedes Projekt soll eine strategische Umweltprüfung durchlaufen. Als Rückschlag für die Stammstrecke mögen zumindest ihre Befürworter das nicht sehen. „Wir schieben die Stammstrecke seit Jahrzehnten vor uns her, dann kann man auch nochmal vier Wochen zugeben“, sagt SPD-Haushälter Ewald Schurer. Die Umweltprüfung spreche eher für ein System im öffentlichen Nahverkehr.

Dobrindt bemüht sich, Zweifel zu zerstreuen. Er habe „höchstes Interesse“ am Bau der Stammstrecke, betont er. Im April lautet die große Frage aber wieder: Wer zahlt was? Auf den Durchbruch müssen die Pendler weiter warten.

Til Huber, Christian Deutschländer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

60 Mio. Euro! Anlageberater sollen 5830 Kunden geprellt haben
Sie hatten ihnen vertraut – und wurden bitter enttäuscht. Das investierte Geld: verloren. Und die Kunden waren am Ende die Dummen... Doch nun werden vier Anlageberater …
60 Mio. Euro! Anlageberater sollen 5830 Kunden geprellt haben
„Andere machen das doch auch“: Elf Ausreden, die die Münchner Polizei ständig hört
Wir haben die Münchner Polizei gefragt, welche Ausreden sie fast jeden Tag hört. Die Liste der Sprüche, die wir zurückbekommen haben, ist an Witzigkeit und Dreistigkeit …
„Andere machen das doch auch“: Elf Ausreden, die die Münchner Polizei ständig hört
Veranstaltungen in München: Das ist heute Abend los
Kultur, Konzerte und Partys: In München ist jeden Abend etwas geboten. Da bleibt keine Zeit für Langeweile. Wir verraten Ihnen was heute Abend in der Stadt los ist. 
Veranstaltungen in München: Das ist heute Abend los
Berichte über Hunde, die Menschen in den Kopf beißen, zeigen: Wir brauchen den Hundeführerschein
In den vergangenen Monaten gab es mehrere Berichte über Hunde, die Menschen gebissen und schwer verletzt oder sogar getötet haben. Die Münchner Hundetrainerin Nathalie …
Berichte über Hunde, die Menschen in den Kopf beißen, zeigen: Wir brauchen den Hundeführerschein

Kommentare