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„Stammstrecke muss bis 2019 kommen“

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München - Eigentlich war Martin Zeil ganz weit weg, als das IOC seine Entscheidung gegen die Münchner Olympia-Bewerbung fällte. Bayerns Verkehrsminister war mit einer Wirtschaftsdelegation nach Russland gereist. Doch flüchten wollte er nicht vor der unangenehmen Frage, wie es nun mit der zweiten Stammstrecke weitergeht. Im Gegenteil: Am Telefon in Moskau stand Zeil unserer Zeitung ausführlich Rede und Antwort.

-Wie haben Sie die Olympia-Entscheidung gestern erlebt?

Wir haben vor dem Fernseher in unserem Hotel in Moskau mitgefiebert - gemeinsam mit unseren russischen Partnern. Über das Ergebnis war ich natürlich sehr enttäuscht. München hatte eine Super-Bewerbung! Deshalb denke ich auch, wir sollten uns die Begeisterung für die olympische Idee erhalten.

-Das heißt, München sollte sich für 2022 erneut bewerben?

Darüber sollte man auf jeden Fall sprechen. Das wäre doch ein rundes Datum, genau 50 Jahre nach den Spielen 1972! Aber die Entscheidung muss natürlich in Ruhe mit allen Beteiligten getroffen werden.

-Als Verkehrsminister leiden Sie ganz besonders unter der Niederlage - schließlich hingen so viele Verkehrsprojekte an dieser Bewerbung...

Natürlich hatten wir uns von Olympia für viele Projekte zusätzliche Impulse erhofft - gerade auch für den Bahnknoten München mit der zweiten Stammstrecke. Aber diese Projekte sind ja längst nicht nur für Olympia von Bedeutung, sondern für die Zukunft der gesamten Metropolregion. Es ist schließlich nicht so, dass das IOC über Lösungen für die Probleme Münchner S-Bahn-Nutzer entscheidet. Die Projekte bleiben oben auf der Agenda. Dafür gibt es klare Beschlüsse von Stadt und Land.

-Um wie viele Jahre wird sich der Bau des zweiten Stammstrecken-Tunnels für die S-Bahn nun verzögern? Bis 2025?

Ich halte grundsätzlich nichts davon, über Jahreszahlen zu spekulieren. Klar ist: Wir können dieses Projekt nicht beliebig verschieben. Dazu ist es zu wichtig. Wir müssen das S-Bahn-System vor dem Kollaps bewahren. Deshalb muss der Ausbau noch in diesem Jahrzehnt bis spätestens 2019 realisiert werden. Abgesehen davon können wir den Bürgern keine Dauerbaustelle über zehn Jahre und mehr zumuten. Die Bahn wird nun wie geplant den entsprechenden Förderantrag an den Bund stellen.

-Aber wie sollen diese Fördermittel denn jemals kommen? Es ist doch bekannt, dass im Bundes-Fördertopf für solche Projekte zu wenig Geld ist - zumal andere Regionen ja auch auf Mittel hoffen.

Unser Vorteil ist, dass wir mit dem Projekt zweite Stammstrecke schon sehr weit sind. Bahn und Freistaat haben ihren Anteil an der Finanzierung bereits sichergestellt. Deshalb erwarte ich, dass auch der Bund seinen Anteil an dem Stammstreckenprojekt leistet.

-Hat es auch Vorteile, dass der extreme Zeitdruck nun weg ist, den Tunnel bis Ende 2017 fertigzustellen?

Durchaus. Ein Zeitplan, der so auf Kante genäht ist, beinhaltet immer auch kostenintensive Maßnahmen. Wird der Zeitplan leicht gestreckt, könnte uns das Projekt etwas günstiger kommen. Ich warne da aber vor allzu großen Erwartungen.

-Die archäologischen Vorarbeiten für die zweite Stammstrecke am Marienhof gehen nun aber in jedem Fall weiter?

Selbstverständlich. Die sind für jedwede Baumaßnahme notwendig. Und erfreulicherweise herrscht bei den Münchnern großes Interesse an den Arbeiten der Archäologen.

- Was geschieht eigentlich mit dem Marienhof, wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind - aber der Bau des Tunnels noch nicht beginnen kann?

In diesem Fall würden wir gemeinsam mit der Landeshauptstadt eine Lösung finden. Eine Umgestaltung des Marienhofs ist ja sowieso geplant.

-Zum Schluss ein Ausblick: Wenn München tatsächlich die Spiele 2022 austragen würde - wäre der Stammstrecken-Tunnel bis dahin fertig?

Wir dürfen wichtige Verkehrsprojekte nicht auf die lange Bank schieben. Natürlich ist es sinnvoll und notwendig, den Tunnel vor etwaigen Spielen 2022 fertigzustellen.

Interview: Johannes Patzig

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