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250 Arbeiter haben die Stammstrecke am Wochenende wieder auf Vordermann gebracht.

Eine Million nicht befördert

Stammstrecke tagelang gesperrt: Nur eines werden Fahrgäste am Montag bemerken

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Am Wochenende ist die S-Bahn-Stammstrecke zur Großbaustelle geworden – und war für insgesamt 54 Stunden gesperrt. Fahrgäste werden wenig Veränderungen bemerken - mit einer Ausnahme.

München - So ein Instandhaltungswochenende bei der Stammstrecke sei ein wenig mit dem regelmäßigen Besuch beim Zahnarzt zu vergleichen, meint Kai Kruschinski, seit April Chef des Münchner Schienennetzes bei der DB Netz. Damit die Zähne länger halten, müssten sie ein wenig geschliffen und gesäubert werden. Bei der Stammstrecke sei das kaum anders. „Wenn wir die Schienen nicht regelmäßig fräsen und schleifen, sind sie nach zwei Jahren kaputtgefahren“, erklärt Kruschinski. Bei regelmäßiger Pflege halten die Gleise dagegen gut 20 Jahre.

Seit diesem Jahr versucht die Bahn möglichst viele dieser regelmäßig wiederkehrenden Arbeiten an zwei Wochenenden im Jahr zu erledigen, jeweils im Mai und im Oktober. Der Hauptgrund: Bislang wurden diese Arbeiten jeweils in der Nacht erledigt, das war allerdings wenig effizient. Material und Arbeiter mussten in einem engen Zeitfenster von vier Stunden immer wieder neu an den Einsatzort und herausgebracht werden, für die Arbeiten blieb dann nur wenig Zeit.

250 Menschen waren an den Sanierungsarbeiten beteiligt

Auch das Wehrkammertor, das vor Überflutungen schützen soll, musste geprüft werden. 

Ein besonders spektakuläres Beispiel dafür, wieso die Wartung des Tunnels am Stück effektiver ist als an mehreren Abenden, führt die Bahn am Isartor vor. Hier befindet sich mit 18 Metern die tiefste Stelle der S-Bahnröhre - schließlich müssen die Züge zwischen Isartor und Rosenheimer Platz die Isar unterqueren. Der Strom fließt nur zweieinhalb Meter über der Tunneldecke, bei einem Loch in der Röhre könnten weite Teile des S-Bahnnetzes, aber auch der U-Bahn, voll Wasser laufen. Vor einer Überflutung sollen hier die gewaltigen „Wehrkammertore“ schützen. 50 Tonnen schwer sind diese Stahlungetüme. Der Fahrdienstleiter kann sie binnen zwei Minuten schließen und damit das Schlimmste verhindern. Bisher mussten die Tore noch nie zum Einsatz kommen.

Damit der Schutzmechanismus im Ernstfall funktioniert, müssen die Tore einmal jährlich geprüft werden. Das ist eine relativ komplizierte Prozedur. Damit die Wehrkammertore freie Bahn haben, müssen Arbeiter zunächst die Stromschienen ausbauen, die an der Tunneldecke angebracht sind. Dafür fahren sie mit einem komplett ausgestatteten Werkstattzug in den Tunnel. Bisher musste die Röhre dafür an zwei Abenden im Jahr gesperrt werden, das Fahrzeug und die Arbeiter mussten jedes Mal aufs Neue an den Arbeitsort gebracht werden. Das kostete Zeit, am Sperrwochenende können dagegen beide Wehrkammertore an einem Tag geprüft werden.

Insgesamt waren an diesem Wochenende 250 Menschen damit beschäftigt, die Stammstrecke auf Vordermann zu bringen. An 63 Baustellen waren die Arbeiter rund um die Uhr beschäftigt, 14 Arbeitszüge waren im Einsatz. Es wurden Schienen geschliffen, Rissfugen abgedichtet und insgesamt 24 neue Weichenantriebe installiert.

Veränderungen an der Stammstrecke? Kaum sichtbar

Nach dem die Schienen geschliffen wurden mussten die Stationen gereinigt werden

Für die Bahn ist ein solches Wochenende eine logistische Herausforderung, jeder Einsatz ist minutiös geplant. Für die Fahrgäste kann die Stammstreckensperrung dagegen auch mal zur Geduldsprobe werden. „Wir schätzen, dass wir eine Millionen Fahrgäste nicht befördern konnten“, sagt Kruschinski. Entlang der Stammstrecke ersetzen Busse die ausfallenden S-Bahnen. 50 Minuten sind diese von Pasing bis zum Ostbahnhof unterwegs. „Unsere Erfahrung zeigt, dass kaum ein Fahrgast die komplette Strecke mit dem Bus zurücklegt“, so Kruschinski. Ein Vorteil des Sperrwochenendes sei, dass die Kunden sich vorbereiten können und rechtzeitig nach Alternativen Ausschau halten könnten.

Wer morgen nach Veränderungen auf der Stammstrecken sucht, wird meist enttäuscht werden. So wichtig die Arbeiten für den Erhalt der Röhre, durch die täglich 1000 Züge rattern, sind, für den Laien sind die Veränderungen kaum sichtbar. 

Nur am Hauptbahnhof hat sich etwas sichtbar verändert

Eine Ausnahme ist der Bahnsteig am Hauptbahnhof. „Dort wurde die Decke komplett geschwärzt“, erklärt Kruschinski. Der Grund ist ein psychologischer. Eine dunkle Decke vermittelt ein aufgeräumtes und sauberes Raumgefühl. „Dadurch erhöht sich auch das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste“, weiß Kruschinski. Und der Kabelverhau an der Decken Haltestelle fällt nicht mehr so auf.

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