Wir erklären die Bauabschnitte

Zweite Röhre: Noch ist nichts baureif

München - Zehn Kilometer Strecke, davon sieben Kilometer in Tunnelröhren, drei Bahnhöfe: Die zweite Stammstrecke ist ein Mammutprojekt. Zur besseren Handhabung wurde es in vier Abschnitte unterteilt. Ein Überblick.

Planfeststellungsverfahren folgen einem festen Muster: Die Pläne werden öffentlich ausgelegt, Betroffene können Einwände vorbringen. Die Regierung von Oberbayern als Anhörungsbehörde entscheidet, ob ein mündlicher Erörterungstermin festgelegt wird. Dann fasst sie die Ergebnisse der Anhörung zusammen, bewertet sie und leitet sie an das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) weiter. Dieses wägt zwischen den widerstreitenden Interessen ab und fasst einen Planfeststellungsbeschluss, der Baurecht schafft. Gegen diesen Beschluss können Betroffene, die Einwände geltend gemacht haben, vor den Verwaltungsgerichten klagen. Planänderungen lösen neue Verfahren aus.

Wenn in einem Planfeststellungsabschnitt Baurecht vorliegt, sollen dort laut Minister Martin Zeil (FDP) die Arbeiten beginnen, auch wenn die anderen Abschnitte noch nicht rechtlich gesichert sind.

Abschnitt 1

Lage: München West, von Laim bis zum Stachus. Verfahrensstand: Die Einwendungsfrist für die zweite Planänderung endete im Oktober. Die Regierung hat noch nicht entschieden, ob Erörterungstermine stattfinden.

Baumaßnahmen: Der Bahnhof Laim wird komplett umgebaut und auf vier S-Bahn-Gleise erweitert. Auf Wunsch der Stadt wird die Laimer Unterführung ausgebaut. Westlich der Donnersbergerbrücke taucht die Trasse in den Untergrund ab. Der Bau des Startschachtes und dreier Rettungsschächte wird laut Bahn nur wenig nach außen wirken.

41 Meter unter dem Hauptbahnhof-Empfangsgebäude und dem Bahnhofsplatz wird die neue S-Bahn-Station gebaut. Dazu entstehen zwei große Bau-Schächte östlich und südlich des Bahnhofs. Erhebliche Einschränkungen für Fahrgäste und Anlieger sind zu erwarten. Der Baustellenverkehr wird über Bayer-, Arnulf- und Luisenstraße abgewickelt.

Abschnitt 2

Lage: München Mitte, vom Stachus bis zum Isarufer.

Verfahrensstand: Der erste Planfeststellungsbeschluss liegt vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig, wo das EBA gegen Lärmschutz-Auflagen des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs klagt. Entscheidung voraussichtlich frühestens Mitte 2013. Gleichzeitig läuft ein Planänderungsverfahren, dessen Einwendungsfrist morgen endet. Baumaßnahmen: Auf dem Marienhof nördlich des Rathauses entsteht in offener Baugrube ein S-Bahnhof. Die Baustelle wird nahezu die gesamte Fläche des Marienhofs beanspruchen. Aushub und Baumaterialien werden ausnahmslos mit Lkw transportiert, und zwar vorwiegend über Hofgraben – Maximilianstraße Richtung A 94, alternativ über Maffeistraße – Promenadenplatz – Pacellistraße.

Die Anschlussröhren von Westen und Osten werden in bergmännischer Bauweise gebohrt. Das heißt, die Oberfläche bleibt unberührt.

Abschnitt 3 neu

Lage: Isar bis Leuchtenbergring.

Verfahrensstand: Planungsänderungen als Ergebnis des im April 2012 abgeschlossenen Anhörungsverfahrens müssen laut EBA noch überarbeitet werden. Das neue Anhörungsverfahren hat noch nicht begonnen. Baumaßnahmen: Nach der Isarquerung wird die Baustelle des Rettungsschachtes 7 an der Kellerstraße wegen der besonderen Tiefe größer ausfallen als bei den anderen Schächten. „Mehrere Monate, aber nicht Jahre“ Bauzeit sind kalkuliert.

Der Orleansplatz soll den Planungen zufolge für mehrere Jahre zur Großbaustelle werden. Hier entstehen in offener Bauweise zwei Zugangsgebäude für den Bahnhof, der 35 Meter unter Geländeniveau liegt. Die Baustelle wird über mehrere Jahre fast den gesamten Platz einnehmen, wobei Verkehrsströme und Baustellen-Schwerpunkte in mehreren Phasen verlagert werden.

Abschnitt 3 A

Lage: Leuchtenbergring

Verfahrensstand: Die Regierung hat im Oktober zur jüngsten Planänderung Stellung genommen. Das EBA wertet die Stellungnahme aus.

Baumaßnahmen: Am Bahnhof Leuchtenbergring kommt die zweite Stammstrecke wieder an die Oberfläche. Dazu wird der Bahnhof umgebaut, barrierefrei erschlossen und um zwei neue Gleise erweitert. Im Westen wird ein neuer Fußgängersteg über die Bahntrasse gebaut.

Peter T. Schmidt

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