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Rosenblätter schmücken den Boden der Aussegnungshalle, in der ein Bild Kuchenreuthers und sein Sarg stehen.

Steffen Kuchenreuther: Abschied vom Kino-König

München - Der langjährige Organisator des Deutschen Filmballs ist am Freitag auf dem Waldfriedhof von Angehörigen, Freunden und Weggefährten zu Grabe getragen worden.

Soo Leng geht vor dem Grab ihres Mannes in die Knie. Nach einer kurzen Andacht lässt sie einen Strauß roter Rosen ins Erdreich fallen. Sie erhebt sich und schaufelt Erde ins Grab. Ganz behutsam macht sie das - als ob sie einen lieben Menschen im Krankenbett zudecken würde. Anschließend nimmt sie den Bemsel und segnet das Grab mit Weihwasser. Sie lässt sich Zeit dabei, als ob sie so den Moment des Abschieds hinauszögern könnte. Tapfer und gefasst tritt sie schließlich zur Seite - und ihr Sohn Jeremy geht ans Grab.

Etwa 300 Trauergäste sind am Freitagmittag auf den verschneiten Waldfriedhof gekommen, um sich von Steffen Kuchenreuther zu verabschieden, dem langjährigen Präsidenten der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), Jurymitglied des Bayerischen Filmpreises und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Darunter sind Politiker wie Edmund Stoiber (CSU) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Aber auch Filmschaffende, wie die Schauspieler Veronica Ferres und Heino Ferch. Auch TV-Moderatorin Antje-Kathrin Kühnemann und Musikproduzent Ralph Siegel mit Gattin Kriemhild sind unter den Gästen.

Wie berichtet war Kuchenreuther, der in München auch mehrere Kinos betrieben hatte, am vergangenen Sonntag im Alter von 65 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Nur einen Tag nach dem 40. Deutschen Filmball, den er trotz schwerer Krankheit noch organisiert hatte. Und den er gerne noch einmal besucht hätte, wie Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber in seiner Rede in der Aussegnungshalle sagt.

„Am Donnerstag vergangener Woche hat er mich noch angerufen und wichtige Fragen erörtert“, sagt Stoiber. „Auch der künftige Trainer des FC Bayern war Thema unseres Gesprächs, das hat ihn bewegt.“ Bis zuletzt habe Kuchenreuther all seine Energie in die Organisation des Balles gesteckt. „Er gab nie auf und war belastbar“, sagt Stoiber und erzählt vom Ursprung Kuchenreuthers Kino-Leidenschaft: „Er wurde im ersten Stock des elterlichen Kinos in Erlangen geboren. Der Lüftungsschacht des Kinos führte an seinem Kinderzimmer vorbei, so dass er sämtliche Filmdialoge auswendig kannte.“ Stoiber würdigt Kuchenreuther als politischen Menschen, der sich für Bayern engagiert habe. „Aus der Pflicht, mit ihm zusammenzuarbeiten, wurde Kür, aus einer politischen Beziehung Freundschaft.“

Stoiber ist nur einer von sechs Rednern. Vor ihm spricht Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der auch im Namen der Bundesregierung kondoliert. Kuchenreuther habe sich zum Anwalt seiner Branche gemacht: „Ohne sein Wirken wäre das Kino nicht, was es ist.“ Zwar sei Kuchenreuther kein bequemer Gesprächspartner gewesen: „Ich erinnere mich an manche Kontroverse, die wir ausgetragen haben. Aber seine versöhnliche, nie verletzende Art machte einvernehmliche Lösungen möglich. Er sprach immer mit offenem Visier.“ Neumann erzählt von Kuchenreuthers Begeisterung für das Akkordeonspiel, für Fußball - und für Weißbier. „Für mich als Norddeutschen verkörperte er den bayerischen Lebensstil. Er pflegte die Gewohnheit, vor Präsidiumssitzungen ein Weißbier zu trinken.“ Auch die Wiesn habe Kuchenreuther geliebt: „Es hieß, dass er während des Oktoberfestes im Augustinerzelt anzutreffen ist. Wie gern hätte ich noch so manches Weißbier mit ihm getrunken und über Fußball diskutiert!“

Auch Staatskanzlei-Leiter Thomas Kreuzer, Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und der Geschäftsführer des Film-Fernseh-Fonds Bayern, Klaus Schaefer, sprechen. Würdigen den Kaufmann und Unternehmer Kuchenreuther, aber auch den Familienmenschen: „Soo Leng war ihm das Wichtigste. Was man aus dem Kino kennt, haben die beiden vorgelebt. Der eine war für den anderen da“, sagt Schaefer.

Doch Schaefer spricht nicht nur - zusammen mit den „Filmfonikern“, einem Orchester der Filmschaffenden, in dem Kuchenreuther Akkordeon spielte, musiziert er für seinen toten Freund am Cello. Die Musiker intonieren Musik aus den Filmen Schindlers Liste, War Child - und zum Schluss die fröhliche Suite aus Forrest Gump. Schließlich hat Kuchenreuther das Leben geliebt und gern gefeiert, wie Moderatorin Antje-Kathrin Kühnemann weiß, bei der Kuchenreuther und Soo Leng oft zu Gast waren.

Dann erheben sich die Trauernden und schreiten schweigend hinter Kuchenreuthers Sarg zum Grab. „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staube“, sagt die Pastorin - und schaufelt Erde ins Grab.

Von Bettina Stuhlweissenburg

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