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OB Ude mit dem Imam Benjamin Idriz in der Penzberger Moschee.

Ude stellt sich hinter Imam Idriz

München - Bei einem Besuch der Moschee in Penzberg hat sich OB Ude vorbehaltlos hinter Imam Benjamin Idriz gestellt. Ude lobte den Imam und dessen Plan, in München ein Islam-Zentrum zu errichten.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass OB Ude sich sofort zuhause fühlt in der Moschee in Penzberg. Wie er sich strumpfsockert auf dem Teppichboden des Gebetsraumes niederlässt, um dem Vortrag der Moschee-Vizedirektorin zu lauschen. Wie er mit Imam Idriz scherzend durchs nächtliche Penzberg schlendert, und sich von ihm das schlanke Minarett der Moschee erklären lässt. Und wie der OB keine Gelegenheit auslässt, Idriz zu loben und zu verteidigen.

Mit dem „Kulturforum der Sozialdemokratie“ war Ude am Freitag nach Penzberg gereist, um der dortigen muslimischen Gemeinde und ihrem Imam Idriz einen mehrstündigen Besuch abzustatten. Ein bemerkenswertes politisches Signal - schließlich will Idriz in München ein großes Islam-Zentrum errichten. Doch um den Imam ist eine heftige Kontroverse entbrannt. Viele Politiker loben seine moderne Haltung zum Islam und seine sehr gut integrierte Gemeinde. Zugleich aber wirft ihm der Verfassungsschutz Kontakte zu islamischen Extremisten vor.

Strumpfsockert lauscht OB Christian Ude (SPD, ganz links) im Gebetsraum der Penzberger Moschee den Ausführungen von Gönül Yerli.

Ude lässt jedoch keinen Zweifel daran, auf welcher Seite er steht. Idriz sei für ihn die „Speerspitze der kritischen Auseinandersetzung mit fundamentalistischen Positionen“, so der OB. Es sei „absurd, den Mann ausgrenzen zu wollen, statt sich darüber zu freuen, dass endlich einer nicht an Parallelinstitutionen bastelt“. Auf die Frage, ob Idriz für München ein Wunschpartner bei der Planung eines Islam-Zentrums sei, sagte Ude: „Selbstverständlich.“ Er kenne keinen Imam, der derart geeignet wäre, „den Dialog zu pflegen und die Vereinbarkeit von Islam und Grundgesetz herauszuarbeiten“.

Ude berichtet, er habe sich detailliert mit den Indizien auseinandergesetzt, die der Verfassungsschutz gegen Idriz ins Feld führt - darunter die Protokolle abgehörter Gespräche zwischen Idriz und Muslimen, die als radikal-islamisch gelten. „Ich kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen“, so Ude. Idriz habe zwar mit bedenklichen Personen Kontakt gehabt, selbst aber klare Grenzen zum Extremismus gezogen.

Die muslimischen Gastgeber zeigen sich denn auch von ihrer besten Seite, als die Gruppe um den OB das islamische Forum unter die Lupe nimmt. Vize-Direktorin Gönül Yerli übernimmt die Führung in akzentfreiem Deutsch, weist den Imam gerne mal flapsig zurecht und übt auch Kritik an Traditionen der islamischen Welt - etwa an der, dass Frauen und Männer getrennt beten. Man müsse Muslimen etwas Zeit geben, dann würden sie es hoffentlich schaffen, dies zu überwinden, so Yerli.

Yerli ist auch Mitglied im Vorstand von Idriz’ Verein „Ziem“, der in München ein Zentrum mit Moschee und islamischer Akademie errichten will. Ude lobte das Ziem-Konzept als „inhaltlich sehr überzeugend“. Zugleich gibt er sich noch vorsichtig, was die Realisierungschancen betrifft. Seit dem Scheitern des Moschee-Projekts in Sendling sei klar, wie schwierig die Finanzierung eines solchen Baus sein könne. Ob Idriz genug Geld auftreiben werde, könne er nicht beurteilen, sagte Ude. Zwar gebe es „Signale, dass vermögende Personen dem Projekt wohlgesonnen seien“. Bekannt ist, dass der Herrscher des Emirats Sharjah als Finanzier im Gespräch ist. Ude sagte aber, die Stadt werde erst dann administrative Schritte für den Bau einleiten, wenn sich die Finanzierung klar abzeichne.

Wirbel um neue Vorwürfe gegen Benjamin Idriz

Kein Imam in Bayern steht so sehr in der Öffentlichkeit wie Benjamin Idriz – und keiner steht stärker im Kreuzfeuer. Nun brachte das Magazin „Focus“ neue Vorwürfe gegen Idriz auf den Tisch: Er berufe sich auf einen Muslim mit SS-Vergangenheit. Idriz weist die Kritik vehement zurück. Der Hintergrund: Idriz entwirft in verschiedenen Schriften, etwa in seinem neuen Buch „Grüß Gott, Herr Imam“, ein Konzept für einen zeitgemäßen europäischen Islam. Dabei beruft er sich auf eine Reihe von Theologen, die er als fortschrittlich einstuft – unter anderem auf den Bosnier Husein Djozo (1912-1982), den Idriz als „Pionier islamischer Reformen“ lobt. Der „Focus“ legt nun dar, dass Djozo eine dunkle Vergangenheit habe. Djozo habe während des Zweiten Weltkriegs eng mit den Nazis und der SS kollaboriert und judenfeindliche Hass-Parolen verbreitet.

Imam Idriz antwortet mit einer umfangreichen Stellungnahme: Ihm zufolge habe Djozo in seinen Arbeiten aus den 60er- und 70er-Jahren seinen Irrweg korrigiert, die Verbrechen etwa von Dachau verurteilt und das Verhalten von Muslimen gewürdigt, die sich schützend vor Juden gestellt haben. Das theologische Werk Djozos stehe für Kritik an Fehlentwicklungen der islamischen Geschichte und für eine zeitgemäße Auslegung religiöser Quellen. Laut Idriz befassten sich auch kompetente christliche Theologen an den Universitäten München und Tübingen mit Djozos theologischen Schriften. Auch OB Ude bezeichnete den Vorwurf gegen Idriz als „infam“. Es könne nicht angehen, dass man den Imam, der für einen zeitgemäßen Islam eintrete, nun für die Verfehlungen eines von ihm zitierten Theologen in den frühen 40er-Jahren verantwortlich mache.

jop

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