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Boris H. stellte Bombenanleitungen ins Netz.

Er bereut seine Tat

Er stellte Bombenpläne ins Netz: 16 Monate Haft für IS-Sympathisanten

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München - Boris H. stellte Pläne für eine Bombe ins Internet, die tausende Menschen töten könnte. Nun wurde er am Landgericht verurteilt.

Seine Mütze hat er ordentlich neben sich gelegt, die braunen Haare zum Zopf gebunden. Dann sagt Boris H. (46) einen unfassbaren Satz: „Ich finde es gut, was der Islamische Staat macht. Solange es in Syrien bleibt.“

Es sind heftige Worte des Schweißers. Er hatte Mitte Oktober 2014 eine Bombenbau-Anleitung ins Internet gestellt – auf 88 Seiten wird darin detailliert erklärt, wie man eine Spreng- und Brandvorrichtung handwerklich umsetzt. Und damit potenziell Tausende Menschen töten kann!

„Wie es dazu gekommen ist, weiß ich auch nicht mehr genau“, sagte Boris H. gestern vor Gericht. Wegen der Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat wurde ihm der Prozess gemacht.

„Mein Mandant räumt die Anklage vollumfänglich ein und entschuldigt sich dafür“, sagte Verteidiger Michael Adams. „Ich hatte eine mentale Auszeit, stand unter starken Medikamenten“, erklärte Boris H.

"Hinreichender Sympathisant des IS"

Aber das war längst nicht alles. Denn er hatte über mehr als anderthalb Jahre hinweg im Internet offen mit dem radikalen Islamismus sympathisiert – und posierte auch selbst auf einschlägigen Fotos, die ihn in Militärkleidung zeigen. Mehrfach hatte er dort auch Bilder und Symbole der Muslimbruderschaft Deutschland eingestellt – eine Organisation, die der Verfassungsschutz beobachtet. Auch das Logo vom Islamischen Staat hatte er gepostet. „Es hat mir gefallen“, begründete Boris H. Auf dem Computer in seiner Wohnung im Münchner Zentrum fanden Ermittler auch 69 Terror-Videos, die teilweise Hinrichtungen zeigen.

Im Prozess sitzt er ruhig da und redet kaum. Nach der Bombenanleitung habe er nur aus Neugier geschaut. „Es war der erste Treffer bei meiner Suche im Internet.“ Trotzig schaut er zum Richter. Dann sagt er: „Diejenigen, die sowas machen, brauchen so eine Anleitung wahrscheinlich gar nicht.“

Wieder so ein Satz. Eigentlich unfassbar. Aber Boris H. spricht ihn einfach dahin. „Auch, wenn hier keine harte ideologische Prägung vorliegt. Er ist ein hinreichender Sympathisant des IS“, sagte Richter Nunner. Verteidiger Adams hielt dagegen: „Er gehört sicher nicht zum harten Kern. Und ist bislang auch nicht durch Gewalttaten aufgefallen.“ Die Liste der Vorstrafen spricht aber für sich: 25 Eintragungen hat Boris H. zwischen 1984 und 2010 – und saß bereits Jahre im Gefängnis.

Dorthin muss er nun zurück! Denn die Anleitung zum Bombenbau sei „kein Dummer-Jungen-Streich“ gewesen, sagte Richter Nunner – sondern „ein Aufruf zum Mitmachen und Weiterführen. Dadurch entstand Gefahr.“ Deshalb verurteilte er H. zu einem Jahr und vier Monaten Haft – ohne Bewährung.

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