Nach der Verhandlung sind Wolfgang Putz (li.) und seine Mandantin Elke G. erleichtert, doch der Anwalt hofft vor allem auf ein klärendes Urteil der Richter. Foto: dpa

Sterbehilfe: Staatsanwalt plädiert auf Freispruch

München - Der Münchner Anwalt Wolfgang Putz steht wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags vor dem Bundesgerichtshof. Warum selbst die Staatsanwaltschaft auf Freispruch plädiert:

Wie berichtet war der Anwalt im April 2009 vom Landgericht Fulda wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die Fuldaer Staatsanwaltschaft ging in die Revision und forderte eine härtere Strafe gegen den 60-jährigen Münchner. Doch die Bundesanwälte schlugen sich am Mittwoch auf die Seite des Angeklagten.

Putz hatte einer Mandantin geraten, den Schlauch der Magensonde ihrer 76-jährigen Mutter zu zerschneiden. Diese lag nach einem Hirnschlag im Wachkoma, hatte jedoch zuvor ihrer Tochter erklärt, sie wünsche keine künstliche Lebensverlängerung. Nachdem der Hausarzt keine Chance auf eine Genesung der Patientin gesehen hatte, wollte die Tochter den Willen der Mutter umsetzen und die künstliche Ernährung beenden. Doch das Pflegeheim hatte sich geweigert. Daraufhin riet Putz seiner Mandantin, selbst zu handeln. Die Mutter war zwei Wochen später, jedoch aus einem anderen Grund, verstorben. Der Fall landete vor Gericht. Gegen das Urteil hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Putz - der einen Freispruch erwirken will - Revision eingelegt.

Putz‘ Anwalt erklärte vor dem Bundesgericht, bei der Magensonde habe es sich um eine „aufgedrängte technische Behandlung“ gehandelt. Die Tochter habe entsprechend dem Willen ihrer Mutter das Recht gehabt, diese Behandlung zu beenden. Das Durchschneiden des Schlauchs sei zwar eine aktive Handlung gewesen, dennoch liege keine strafbare Sterbehilfe vor, denn die Tochter habe nur den natürlichen Sterbevorgang wiederhergestellt.

„Eine Zwangsbehandlung ist unzulässig“, sagte auch Oberstaatsanwalt Lothar Maur. Die Pfleger hätten die Pflicht gehabt, selbst die Sonde zu entfernen. Das Vorgehen der Tochter und der entsprechende Rat des Anwalts seien gerechtfertigt gewesen. Die Tochter, die als rechtliche Betreuerin der Mutter eingesetzt war, habe deren Willen umsetzen müssen.

Am 25. Juni soll das Urteil verkündet werden. Wie die Richter entscheiden, ist noch nicht absehbar. Die Vorsitzende Richterin meinte, einerseits sei die Tötung auf Verlangen strafbar, andererseits müsse der vorab geäußerte Wille von Wachkoma-Patienten beachtet werden.

Wolfgang Putz geht es nicht in erster Linie um seinen Freispruch. „Ich hoffe auf eine klare Entscheidung, um Ärzten die belastende strafrechtliche Unsicherheit zu nehmen.“ Er möchte, dass die Richter im Entfernen der Magensonde keine Tötung sehen. Es gehe darum, „dem Sterben seinen Lauf zu lassen“.

Doris Richter

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