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Die Stimme der S-Bahn

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Regina Wallner aus München © Schlaf

München - „Nächster Halt: Hirschgarten“ – mit dem Fahrplanwechsel an diesem Sonntag hat die S-Bahn München nicht nur eine neue Station, sondern auch eine neue Stimme

Hier hören Sie eine Kostprobe der neuen S-Bahn-Ansage

Die Journalistin Regina Wallner (31) hat die Ansagetexte gesprochen – mit einem oberbayerischen, aber keineswegs derben „boarischen“ Zungenschlag. Die Stimme kenne ich doch – so wird es vielleicht dem ein oder anderen S-Bahn-Nutzer ab Sonntag gehen. In der Tat: Regina Wallner ist akustisch keine Unbekannte. Die Journalistin arbeitet im Brotberuf als Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk und sagt beispielsweise für Bayern 1 und Bayern 3 die Verkehrsnachrichten durch. Auch Heimatabende und Brauchtumssendungen hat sie für den BR schon moderiert.

Für die S-Bahn musste die 31-Jährige in einem Studio in Berlin 235 Ansagen einsprechen. Eineinhalb Tage hat das gedauert, „am Abend hat dann die Stimme etwas nachgelassen“. Zu dem Job kam sie über einen Zeitungsaufruf der S-Bahn – ausgewählt unter 220 Mitbewerbern.

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Die Bahn wollte weg vom Konservenslang, etwas näher an die Leute. Vorbild war vielleicht die Bayerische Oberlandbahn, deren Ansagerin (aus Holzkirchen) durch sattes Oberboarisch – nun ja – etwas heraussticht. Regina Wallner hielt sich im Vergleich dazu etwas zurück – was nicht heißt, dass die gebürtige Prienerin, großgeworden auf einem Bauernhof, nicht auch anders kann. „Ich bin grundsätzlich schon stark bayerisch eingefärbt“, bekennt sie. Am Beispiel des Begriffs „nächster Halt“ wurden die Klangfärbungen bahn-intern einmal durchdekliniert, erzählt sie. Soll es nun „nexter Hoit“ heißen, oder „nächster Haalt“? Man entschied sich für letzteres.

“dänk ju weri matsch” - Englischwörterbuch für Bahnmitarbeiter

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„Was soll daran jetzt bayerischer sein als bei den alten Ansagen“, wunderte sich prompt ein Internet-User auf unserer Internet-Seite, wo einige Klang-Kostproben schon online zu hören sind. „Das R rrrolllt, sonst nix“, lästerte ein anderer anonymer Kommentator. Vielleicht tut man der S-Bahn hier unrecht: Bairisch im Massenverkehrsmittel, das ist eine Gratwanderung. Die S-Bahnstationen sollten ja auch für Zuagroaste verständlich bleiben.

Wie wird das sein, wenn die Neu-Münchnerin Regina Wallner, selbst täglich Pendlerin, ab jetzt in der S-Bahn sitzt und sich selbst hört? Vielleicht wird sie unwillkürlich denken, dass sich alle Blicke der Fahrgäste auf sie heften.

Aber wahrscheinlich werden nur die wenigsten zur Stimme ein Bild im Kopf gespeichert haben. „Und für alle Fälle habe ich ja die Möglichkeit, auszusteigen."

Dirk Walter

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