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Stolperstein-Befürworter beim Streetlife-Festival im Sommer 2014.

Nach Entscheidung der Stadt

Stolperstein-Streit geht weiter: Angehörige von NS-Opfern klagen

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München - Stolpersteine ja oder nein? Lange haben Befürworter für eine Aufhebung des Verbots in München gekämpft - ohne Erfolg.  Jetzt ziehen sie vor Gericht, Ende Mai wird verhandelt.

Politisch haben sie gekämpft – und lange sah es so aus, als könnten sie Erfolg haben. Die Aktivisten um Terry Swartzberg konnten Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD, 2014 überzeugen, über eine Aufhebung des städtischen Stolperstein-Verbots zu diskutieren. Letztlich aber hatten sie keinen Erfolg: Der Stadtrat blieb bei dem Verbot. Die kleinen Erinnerungstafeln an von den Nazis ermordete Münchner dürfen weiterhin nicht auf Gehwegen verlegt werden. Doch die Anhänger der Stolpersteine gehen vor Gericht, um die Gedenksteine durchzusetzen. Jetzt steht der Gerichtstermin fest.

Attackiert die Stadt: Terry Swartzberg, Stolperstein-Aktivist.

Am Dienstag, 31. Mai, um 9 Uhr findet vor dem Verwaltungsgericht die öffentliche Verhandlung statt. Die Familien mehrerer NS-Opfer klagen gegen die Stadt. Das Baureferat hatte Ende Oktober 2015 mehrere Anträge auf die Verlegung von Stolpersteinen in München abgelehnt. Unter anderem wird der hochbetagte Peter Jordan aus dem englischen Manchester anreisen. Jordan war in einem Haus an der Mauerkirchnerstraße in Bogenhausen aufgewachsen und schließlich bei Verwandten in England untergekommen. Seine Eltern wurden 1941 im litauischen Kaunas ermordet. Jordan hatte 2004 an der Mauerkirchnerstraße einen Stolperstein verlegen lassen, um an seine Eltern Siegfried und Paula zu erinnern. Doch am 16. Juni 2004 ließ die Stadt die Platten wieder herausreißen und auf den jüdischen Friedhof bringen.

Nun also hofft Jordan, dass das Verwaltungsgericht ihm doch noch die Möglichkeit gibt, mit einem Stolperstein auf der Mauerkirchner Straße an seine Eltern zu erinnern. Unterstützt wird er von Stolperstein-Aktivist Swartzberg. Der griff die Stadt am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung scharf an. Im Juli 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, dass Stolpersteine verboten bleiben und dafür Stelen vor ehemaligen Wohnhäusern und ein zentrales Denkmal errichtet werden sollen. „Seitdem haben 300 Gemeinden in Europa Ja gesagt zu den Stolpersteinen“, sagte Jordan. „Darunter Augsburg.“ Die Stadt München habe in dieser Zeit „überhaupt nichts gemacht“.

Im Kulturreferat weist man diesen Vorwurf zurück. Man habe eine Jury gebildet, die nun Wettbewerbe für die Stelen und das zentrale Denkmal mit Opfer-Namen vorbereite, heißt es. Jetzt werden gezielt Künstler angeschrieben, die dann bis zum September Vorschläge einreichen sollen. Noch im Herbst könnte der Stadtrat konkret entscheiden, wie München künftig gedenkt. Und die Zeit drängt: Viele, die individuell erinnern wollen, sind schon hoch betagt.

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