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Große Kriminalstatistik veröffentlicht

Straftaten in München: Wo am meisten passiert

München - Im Hasenbergl geht’s kriminell zu und im Lehel ganz gediegen: Solche Klischees über die Sicherheit unserer Stadtteile sind längst überholt. Eine Analyse der Polizei zeigt: Die Zahl der Straftaten allein sagt kaum etwas aus.

Die Statistik wirkt auf den ersten Blick sehr eindeutig. Schwarz auf weiß kann man dort lesen, wo die meisten Straftaten pro Jahr passieren - nämlich im Bezirk Ludwigs-/Isarvorstadt (siehe Grafik). 12 546 Taten hat die Polizei dort 2011 registriert, gefolgt von Altstadt-Lehel mit 9230 Fällen. Am unteren Ende der Liste steht Allach-Untermenzing mit 929 Straftaten. Ist es nun also in der Innenstadt besonders gefährlich? „So einfach ist das nicht“, sagt der Leitende Kriminaldirektor Harald Pickert, Chef der Verbrechensbekämpfung in München. „Wenn man die Zahlen undifferenziert betrachtet, kommt man schnell zu falschen Schlüssen.“ Um die Kriminalität in einem Viertel zu verstehen, müsse man seine Struktur kennen. Dazu gehören Faktoren wie Einwohnerzahl, Sozialstruktur, Bebauung und kriminologische Aspekte wie Tat- und Fluchtgelegenheiten.

Wichtig: Die Relation zur Einwohnerzahl

Um die Straftaten in Relation zur Einwohnerzahl zu setzen, ermitteln die Beamten für jedes Viertel die „Häufigkeitszahl“. Sie besagt, wie viele Taten pro 100 000 Einwohner (EW) passieren. Die Bandbreite reicht von 3186 bis 48 055. „Allach bis Altstadt - das sind die entgegengesetzten Enden der Skala“, sagt Pickert. Der städtische Durchschnitt lag bei 7564.

Das Nachtleben und die Wiesn

Herr über die Zahlen in Pickerts Team ist Kriminalhauptkommissar Jörg Kirchgäßner. Am Beispiel der Rohheitsdelikte (dazu gehört etwa Körperverletzung) erklärt er, welche Stadtteile besonders auffällig sind - und warum. „Bezogen auf das gesamte Stadtgebiet hatten Rohheitsdelikte im Jahr 2011 einen Anteil von 15,4 Prozent an allen Straftaten“, sagt er. „In Berg am Laim liegt dieser Anteil beinahe doppelt so hoch bei 31,1 Prozent.“ Die Begründung: Das Optimolgelände und die Kultfabrik gehören zu Berg am Laim - zwei Schwergewichte im Münchner Nachtleben. Feldmoching-Hasenbergl liegt mit 21,4 Prozent ebenfalls über dem städtischen Niveau, genau wie die Schwanthalerhöhe (20 Prozent) und die Ludwigs-/Isarvorstadt (16,3 Prozent). An den beiden letzten Vierteln ist der Einfluss der Wiesn zu erkennen: „Dort sind während des Oktoberfests sieben Millionen Menschen unterwegs, da passiert natürlich mehr“, sagt Pickert. In der Ludwigs-/Isarvorstadt spielt außerdem die Sonnenstraße eine Rolle. Vom Sendlinger Tor bis zum Maximiliansplatz haben sich an der „Feierbanane“ etliche Clubs angesiedelt - „ein Gebiet, das für die Polizei vor sechs oder sieben Jahren noch überhaupt keine Rolle spielte“, so Pickert.

Gelegenheit macht Diebe

Was will der Täter - und wo bekommt er es? Diese Fragen sind entscheidend für die Wahl seines Tatorts. Das zeigt sich vor allem bei den Ladendiebstählen. Sie machten 2011 einen Anteil von 7,6 Prozent an der Gesamtkriminalität im Stadtgebiet aus - im Bezirk Altstadt-Lehel liegt der Anteil fast drei Mal so hoch bei 21,3 Prozent. „Hier sind die hochpreisigen Geschäfte, hier findet der Täter die meisten Gelegenheiten“, sagt Pickert. Insgesamt passieren in der Altstadt nur neun Prozent aller Münchner Straftaten. Dennoch kommt in Relation zur Einwohnerzahl die hohe Häufigkeitszahl von fast 50 000 Straftaten pro 100 000 Einwohner heraus - in der Altstadt wohnen viel weniger Menschen als hier täglich verkehren. Logisch also, dass auch bei den Taschendiebstählen die Innenstadtbezirke oben stehen - „da spielt zum Beispiel der Christkindlmarkt eine Rolle“, so Pickert. Die ansonsten eher unauffälligen Viertel Moosach und Ramersdorf-Perlach sind von dieser Straftat ebenfalls überdurchschnittlich betroffen: „In Moosach haben wir das OEZ, in Perlach das PEP“, sagt Kirchgäßner.

Schnell weg vom Tatort

Verschwinden ohne aufzufallen - vor allem für Einbrecher ist das entscheidend. 3,8 Prozent aller Straftaten im Stadtgebiet sind Einbrüche. Überraschend höher ist der Anteil mit 8,5 Prozent in Aubing-Lochhausen-Langwied - das ländliche Viertel schlägt sogar Bogenhausen (7,4 Prozent), wo sich die Täter wegen der Sozialstruktur die fetteste Beute erhoffen. „In Aubing spielt ganz klar die Nähe zur Autobahn eine Rolle“, erklärt Harald Pickert. „Die Täter können schnell flüchten.“ Auch Bahnhöfe beeinflussen demnach die Statistik einzelner Viertel.

Das falsche Klischee vom Hasenbergl

„Würde man die Leute auf der Straße fragen, wo sie sich in München am unsichersten fühlen, würden die meisten wohl Hasenbergl oder Neuperlach sagen“, meint Harald Pickert. „Manche denken, man könne da im Dunkeln nicht durchgehen. Dieser Ruf ist aber völlig unberechtigt.“ Im Hasenbergl liegt die Häufigkeitszahl der Straftaten bei 3544 pro 100 000 Einwohner - weniger als die Hälfte des städtischen Durchschnitts. „Andere, größenmäßig vergleichbare Stadtteile weisen eine höhere Kriminalitätsbelastung auf“ - insbesondere bei den Gewaltdelikten seien die Ausgehviertel deutlich stärker belastet.

Jörg Kirchgäßner hat sich mit dem Ruf des Hasenbergls beschäftigt - er glaubt, dass die Vorbehalte vieler Münchner historisch gewachsen sind. „Das Hasenbergl ging Anfang der 50er-Jahre aus Teilen eines Lagerkomplexes hervor, der als Notunterkunft und Flüchtlingslager genutzt wurde.“ In der Folgezeit entstanden in erster Linie Sozial- und Eigentumswohnungen für sozial Schwache - „das dürfte dem Stadtteil sein negatives Image verliehen haben“.

Ann-Kathrin Gerke

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