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Einen ungewohnten Anblick bot der Rathausturm kurzzeitig am Mittwoch: Die Gruppe „Plane Stupid Germany“ hängte Banner gegen die dritte Startbahn auf.

Ein Streich gegen die Startbahn

München - Der Kampf um die dritte Startbahn wird frecher: Wütende Attachinger entrollten Protestbanner am Münchner Rathausturm. Die Aktion ist der Anfang einer neuen, wilderen Strategie - schließlich ist Endspurt vor der Abstimmung am 17. Juni.

Das hat mehrere Gründe: Erstens sind sie direkt betroffen von einer möglichen dritten Startbahn - die würde nach derzeitigen Planungen nah an Attaching im Landkreis Freising und damit an ihren Wohnungen vorbei führen.

Zum Zweiten können die Bewohner bei der Abstimmung am 17. Juni ihre Stimme nicht abgeben. Das dürfen nur Münchner. Und drittens fühlen sie sich benachteiligt. Die Flughafen München GmbH wirbt mit einer Million Euro für ihr Projekt. Zum Vergleich: Das Aktionsbündnis gegen die dritte Startbahn verfügt über 70 000 Euro Etat. Deshalb sind an diesem Mittwoch Attachinger mit „Plane Stupid Germany“ in die Stadt gekommen - um bei aller Machtlosigkeit ihren Unmut so prominent wie möglich kund zu tun.

Das Ungewöhnliche an der unangemeldeten und damit illegalen Aktion ist der Altersdurchschnitt. Die meisten Protestierenden sind über 50 Jahre alt, Menschen wie Anna Brückl. Die 57-Jährige schaut ihren Mitstreitern von der Rosenstraße aus zu. „Ich habe nicht mal ein Verkehrsdelikt begangen in meinem Leben“, sagt sie.

Die als „ziviler Ungehorsam“ angekündigte Aktion haben die Aktivisten wochenlang vorbereitet. Sie ist auch Gründungsaktion für „Plane Stupid Germany“. Die Gruppe hat ihr Vorbild in Großbritannien, der Name ist ein Wortspiel, kann als „Dummes Flugzeug“ übersetzt werden und ist angelehnt an den Ausdruck „plain stupid“ (dt.: saudumm). In England führt „Plane Stupid“ seit 2005 spektakuläre Aktionen gegen Flugverkehr durch und hat Anteil daran, dass im Mai 2010 eine dritte Startbahn für London Heathrow verhindert wurde. Im Februar waren Vertreter der Briten nach Attaching gereist, um die hiesigen Aktivisten zu beraten. Bei der örtlichen Gruppe und ihren Münchner Helfern gibt es wiederum personelle Überschneidungen mit bestehenden Gruppen, die sich gegen die Startbahn einsetzen: Vertreter vom Bund Naturschutz sind dabei, Grüne, Mitglieder von „Aufgemuckt“ und „Robin Wood“. „Wir haben das bewusst ausgelagert“, sagt Sprecher Florian Sperk, „weil man manche Dinge in dem breiten Bündnis nicht machen will.“

Denn: Die Aktion hätte gefährlich werden können, eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch wäre möglich gewesen, als die Polizei nach über 20 Minuten die Versammlung auflöste. Davon sieht das Stadtdirektorium ab. „Der Stadt ist nicht an einer Eskalation gelegen“, sagte Oberbürgermeister Christian Ude. „Plane Stupid“ plant derweil die nächsten Aktionen. „Dieses war der erste Streich“, sagt eine Aktivistin und schaut hinab auf den Marienplatz.

Lea Hampel

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