Tram in München
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Keine Tram, keine U-Bahn, kein Bus: Wie soll das in München funktionieren.

U-Bahn, Bus und Tram

Streik im Nahverkehr: München droht Chaos

  • vonTobias Lill
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München - Sie fühlen sich schlecht bezahlt: U-Bahn-, Tram- und Busfahrer wollen in der kommenden Woche streiken - unter anderem in München. Der Stadt könnte ein Verkehrschaos drohen.

Update vom 17. Oktober 2014: Zum zweiten Mal innerhalb von nur einer Woche ruft die GDL zum Streik bei der Bahn auf - und das erneut bundesweit. Das ganze Wochenende über sollen die Züge im Regional- und Fernverkehr sowie bei der S-Bahn stillstehen. Auch der Güterverkehr ist davon betroffen. Alle News und Infos rund um den Bahn-Streik lesen Sie bei uns im Ticker.

Update vom 15. Oktober 2014: Eine Woche nach dem bundesweiten Streik bei der Bahn wiederholt die GDL am Mittwoch ab 14 Uhr den Ausstand. Der Regional- und Fernverkehr sowie die S-Bahnen in Deutschland sollen erneut komplett lahmgelegt werden. In München hat der drohende Streik bereits am Morgen zu erheblichen Behinderungen auf den Schienen und den Straßen geführt. Über alle News und Entwicklungen informieren wir Sie den ganzen Tag über in unserem Streik-Ticker.

Update vom 7. Oktober 2014: Der Fern- und Regionalverkehr sowie die S-Bahn in München werden ab Dienstagabend, 21 Uhr, lahmgelegt. Hintergrund ist ein Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Über alle aktuellen News und Infos zum Bahn-Streik halten wir Sie in unserem Ticker auf dem Laufenden.

Update 2: Am Mittwoch hat der Streik der MVG begonnen. Die Trambahnfahrer haben die Arbeit niedergelegt. Alle aktuellen Infos gibt's in unserem Ticker zum MVG-Streik.

Update 1: Inzwischen steht fest, dass die MVG ab Mittwoch, 25. Juni 2014, in München streikt. Betroffen sind U-Bahn, Bus und Tram. Auch das Deutschland-Spiel bei der WM am Donnerstag könnte durch den Streik beeinflusst werden. Was Sie zum Streik der MVG in München wissen müssen. 

Die Tarifauseinandersetzung im bayerischen Nahverkehr spitzt sich zu. Nach Informationen unserer Zeitung wollen die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die aus der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) hervorgegangene Verkehrsgewerkschaft NahVG in der kommenden Woche erstmals auch Busse, Trambahnen und U-Bahnen in der Landeshaupstadt bestreiken. „Wir werden in München kommende Woche an mindestens zwei Werktagen streiken“, sagt Manfred Weidenfelder, der bei Verdi Bayern den Bereich Verkehr leitet.

An welchen Tagen man weite Teile des öffentlichen Verkehrs lahmlegen will, wird die Dienstleistungsgewerkschaft 24 Stunden vor dem Beginn der jeweiligen Ausstände bekannt geben. So sollten die Fahrgäste die Möglichkeit bekommen, sich rechtzeitig auf drohende Ausfälle und Verspätungen einzustellen. Zugleich soll verhindert werden, dass die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) den Streik mithilfe privater Busunternehmen oder neuer Dienstpläne aushebeln kann.

Ob von den Warnstreiks vor allem Fahrgäste von U-Bahnen, Trambahnen oder Bussen betroffen sein werden, ließ Weidenfelder offen. Er versicherte aber: „Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr nicht komplett lahmlegen.“ Es werde an den Streiktagen jeweils nur ein Teil der diensthabenden MVG-Belegschaft aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Damit die Warnstreiks auch für die MVG und die Fahrgäste „spürbar“ seien, stimme man sich eng mit der NahVG ab. Deren München-Boss Hans-Jörg Tweraser bestätigt, dass an der Isar kommende Woche Streiks anstünden. Als wahrscheinlich gilt, dass nicht am Freitag oder Samstag gestreikt wird. Ein Sprecher der MVG sagt, man werde in jedem Fall versuchen, „ein gewisses Angebot an Verbindungen aufrecht zu erhalten.“

 Verdi erwägt nächste Woche zudem in Garmisch-Partenkirchen, Dachau und Berchtesgaden zu streiken. Nicht betroffen von den Arbeitsniederlegungen ist der S-Bahnverkehr – da dieser von der DB betrieben wird. Hintergrund der Streiks sind die stockenden Tarifverhandlungen. Die von den Arbeitgebern angebotene Lohnsteigerung um 3 Prozent für 2014 reicht den Gewerkschaften nicht aus.  

Angebot der Arbeitgeber kann sich eigentlich sehen lassen

Im Vergleich zu manchen anderen Branchen kann sich das Angebot, das der Kommunale Arbeitgeberverband den Gewerkschaften Verdi und NahVG zuletzt gemacht hat, durchaus sehen lassen: 3 Prozent mehr Gehalt noch in diesem Jahr und 2,4 Prozent für 2015 hatten die Bosse der bayerischen Verkehrsbetriebe ihren Bus-, Tram- und U-Bahnfahrern Ende Mai in Aussicht gestellt. Vor allem die in den niedrigen Lohnbereichen eingruppierten Mitarbeiter sollten profitieren, da die Gehälter in jedem Fall um mindestens 90 Euro monatlich steigen sollten.

Doch die Gewerkschaften wiesen das Angebot brüsk zurück und brachen die Tarifgespräche kurz vor Pfingsten ab. Verdi und die NahVG lehnen eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwei Jahren ab. Verdi will für 2014 ein Lohnplus von 120 Euro sowie zusätzlich noch einmal einen Nachschlag von 4 Prozent erreichen. Die Nahverkehrsgewerkschaft fordert mit 3,5 Prozent sowie fix noch einmal 100 Euro mehr Gehalt derweil etwas weniger.

„De facto mussten viele langjährige Mitarbeiter in den vergangenen Jahren ja deutliche Verluste der Realeinkommen hinnehmen“, begründet Manfred Weidenfelder, Verhandlungsführer für die Tarifgespräche bei Verdi Bayern, die seit dieser Woche laufenden Warnstreiks in einigen bayerischen Städten.

Der Grund seien deutliche Kürzungen seit 2007. Bis dahin hätten Verheiratete und Familienväter zusätzliche Sonderzahlungen von durchschnittlich 280 Euro im Monat bekommen. Diese würden seither sukzessive abgeschmolzen.

„Zudem wird der Beruf des Trambahn- oder Busfahrers immer anspruchsvoller“, sagt Weidenfelder. So würden beispielsweise in München zum Teil sogenannte Anhänger-Busse mit über 200 Fahrgästen eingesetzt. Auch seien die Pausen zwischen den Fahrten heute weit kürzer als noch in den 1990er Jahren. Zugleich nehme die verbale und tätliche Gewalt von seiten der Fahrgäste zu.

Die Löhne seien dagegen gering. „Etwas mehr als 2000 Euro brutto bekommen Busfahrer zu Beginn ihrer Laufbahn. Fast kein Fahrzeugführer empfiehlt seinem Sohn ruhigen Gewissens, noch Busfahrer zu werden“, erzählt der Verdi-Mann. Die Hälfte aller Fahrer bundesweit sei bereits älter als 50. Bis 2020 sollen 20 000 Buslenker fehlen.

In dasselbe Horn bläst auch der Vorsitzende der Münchner Ortsgruppe der Gewerkschaft NahVG Hans-Jörg Tweraser. „Der Druck ist enorm.“ Ein Hauptanliegen der aus der GDL hervorgegangenen Nahverkehrsgewerkschaft ist die Bezahlung der Fahrzeiten von Trambahnfahrern von einem Dienstort zum anderen. Bereits 2010 hatte die Gewerkschaft – damals ohne Verdi-Unterstützung – in München für dieses Ziel gestreikt.

Diesmal wollen beide Gewerkschaften zumindest in der Landeshauptstadt bei den anstehenden Streiks eng zusammenarbeiten. „Gewerkschaften sollten an einem Strang ziehen, um bessere Löhne herauszuholen“, sagt Tweraser. In der kommenden Woche wollen Verdi und die NahVG in der Landeshaupstadt an mindestens zwei Tagen streiken. An welchen genau man weite Teile des öffentlichen Verkehrs lahmlegen werde, wollen die Gewerkschaften 24 Stunden vor dem Beginn der jeweiligen Ausstände bekannt geben. Nach Ende der Ferien könnte dies die Landeshauptstadt empfindlich treffen. Die MVG würde möglicherweise nur einen Notdienst aufrecht erhalten.

In Augsburg hatten beide Gewerkschaften am gestrigen Freitag bereits einen Vorgeschmack gegeben, was passiert, wenn sie gemeinsam zuschlagen. Wegen der Arbeitsniederlegung kam es zu massiven Behinderungen im Nahverkehr. Verdi spricht von einer neuen „Eskalationsstufe, die nun erreicht ist“.

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Armin Augat, Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands, macht dagegen wenig Hoffnung auf eine baldige Einigung mit den Gewerkschaften. Man sei mit dem jüngsten Angebot bereits an den „Rand des Vertretbaren gegangen“.

Eine noch stärkere Lohnerhöhung hätte für die Fahrgäste „deutliche Preiserhöhungen zur Folge.“

Tobias Lill

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