+
Schee – findet die SPD beispielsweise die Gestaltung des Agfa-Geländes. 

Disput zwischen SPD und CSU

Streit um neue Gebäude in München: Schiach oder schee?

  • schließen

Die SPD steigt in die Debatte um Münchens Architektur ein. Die CSU hatte die Diskussion anhand von Negativbeispielen angestoßen. Was sagen die Bürger?

München - Die Genossen derweil kehren nun die positiven Ansätze heraus. Die Verwaltung soll nun ein Konzept erarbeiten, um diese Qualität zu sichern.

München baut – und zwar rekordverdächtig. In der bayerischen Landeshauptstadt sind 2017 exakt 13.475 Baugenehmigungen erteilt worden, erstmalig seit über 30 Jahren ist die Zahl damit wieder fünfstellig. Dabei stellt sich München gegen den Bundestrend. In der Republik sind im Vorjahr 348.100 Wohnungen genehmigt worden, das sind 27.300 weniger als im Jahr 2016. Davon entfielen auf Hamburg 13 411 Wohnungen, auf Berlin 24.700. Und: In München steigt auch die Zahl der fertiggestellten Wohnungen; 2017 waren es 8272 und damit gleichfalls ein Rekordwert.

Ist das schön?

Dass die Stadt bauen muss, ist klar und lange schon erklärter politischer Wille. Doch über das Wie gibt es durchaus diametrale Auffassungen. Zuletzt hatte CSU-Chef Manuel Pretzl eine Debatte rund um die Architektur in der Landeshauptstadt angestoßen. Unter anderem forderte der 42-Jährige, die Stadtgestaltung auf den Prüfstand zu stellen. Nun klinkt sich die SPD in die Debatte ein und hat gestern diverse Anträge auf den Weg gebracht.

Lesen Sie zudem auch: CSU-Kritik an Münchner Architektur! Mehr Mut, weniger Langeweile

Allzu oft, schreiben die Genossen, verstelle der Ärger über misslungene Einzelprojekte den Blick darauf, dass in der Landeshauptstadt mitunter auch vielfältige, häufig sehr gute und teils hervorragende Architektur entstanden sei. „Die Münchner Baukultur wird zu Unrecht schlechtgeredet“, sagt SPD-Chef Alexander Reissl. „Es wird oft so getan, als stünden überall nur noch betoniert-gläserne Schuhschachteln und als würde ein Satteldach auf einen Schlag alles besser machen.“ Sicher sei nicht jedes neue Gebäude architektonisch gelungen. „Das bedauern auch wir. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man aber eine große Vielfalt und häufig eine hohe Qualität der Architektur.“

Der SPD gefällt das Agfa-Gelände

Positive Beispiele sind nach Auffassung der SPD etwa die Gestaltung des Agfa-Geländes, das Quartier Südseite in Obersendling, das Quartier südlich des Bavariaparks an der Theresienhöhe oder in puncto Fassadengestaltung das Hotel Louis am Viktualienmarkt. Reissl: „Seit der Wiedervereinigung wächst München, es werden neue Flächen erschlossen und es gibt weitere Faktoren wie mehr Bürgerbeteiligung oder neue soziale Bauformen, die das Stadtbild verändern.“

Ist das schön?

Die SPD wolle zeigen, welche Vielfalt und Qualität die Münchner Baukultur der letzten 30 Jahre hervorgebracht hat, beim Siedlungsbau, aber auch beim öffentlichen Bauen wie bei Schulen oder Kindertagesstätten. „Und wir wollen Qualität sichern: Gerade Fassaden werden oft vernachlässigt, häufig halten sich Bauträger nicht an Gestaltungsentwürfe aus Wettbewerben, sondern fangen bei der Fassade das Sparen an. Dabei prägen diese unser Stadtbild. Wir wollen, dass die Stadt hier handelt und sicherstellt, dass gute Gestaltung auch umgesetzt wird.“

Vielleicht interessiert Sie auch das: Neues atemberaubendes Planetarium vor den Toren Münchens - 10 Fragen, 10 Antworten

Die Verwaltung soll nun laut SPD-Antrag die Münchner Baukultur der vergangenen 30 Jahre dokumentieren. Die nächste Jahresausstellung des Planungsreferats soll diesem Thema gewidmet werden. Zudem soll es eine Stadtratsanhörung dazu geben. Um die Qualität der Architektur zu sichern, soll die Verwaltung ferner zusammen mit den Akteuren des Wohnungsbaus in München Vorschläge erarbeiten, insbesondere im Hinblick auf Fassaden.

CSU-Chef Manuel Pretzl begrüßt den Vorstoß der SPD. Der stünde schließlich nicht im Widerspruch zu seinem Ansinnen, sagte er unserer Zeitung auf Anfrage. „Jede Idee ist gut, die die Debatte um die Architektur in München forciert. Ich bin gespannt, was dabei an tollen Projekten für unsere Stadt herauskommt.“

Ist das schön?

Gelungen oder nicht – das sagen die Bürger

Verschandelt die Stadt - Münchens Architektur ist wunderschön – die neue Gebäudekomplexe meiner Meinung nach aber nicht. Da ist nur selten etwas Schönes dabei. Ich bin, was Architektur anbetrifft, ein Traditionalist. Diese Wabenstruktur der Fassaden finde ich grausam. Sie verschandelt die Stadt, besonders entglang der Gleise an der Donnersberger- und Hackerbrücke. 

Peter Buchta (66), Selbstständiger aus München

Kontrast zu groß - So, wie es jetzt ist, ist es schön. Die Gebäude der Altstadt gefallen mir gut, besonders rund um die Frauenkirche. Hier halten sich Menschen gerne auf. Egal, ob Münchner oder Touristen. Der neue Stil der Architektur passt nicht zu München und gefällt mir nicht. Das Aussehen der neuen Hochhäuser steht im zu krassen Kontrast zu den ­historischen Gebäuden. 

Irmgard Homm (58), Angestellte aus Neufahrn Fotos: M. Götzfried, Umfrage: S. Kläsener

Etwas mehr Mut täte gut - Grundsätzlich finde ich die Architektur meiner Geburtsstadt sehr schön. Für mich liegt das unter anderem auch am gleichmäßigen Aufbau der Fassaden in der Altstadt. Die neuen Gebäude wirken neutral betrachtet schön, sind aber ein großer Kontrast zur Altstadt. Trotzdem finde ich, dass die Münchner Architektur auch mal etwas mutiger sein könnte. 

Steffi Spick (33), Verkäuferin aus München

Sascha Karowski

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ohne eine spezielle Maßnahme bricht das Münchner U-Bahn-System zusammen
Die Verkehrsprognose seitens Stadtrat für den öffentlichen Nahverkehr fällt ziemlich drastisch aus. Die Integration der neuen U-Bahn-Linie U9 ist unabdingbar, sonst …
Ohne eine spezielle Maßnahme bricht das Münchner U-Bahn-System zusammen
Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Die Oktober-Bauarbeiten an der Münchner Stammstrecke starten. An diesem Wochenende geht‘s weiter. Wer mit der S-Bahn in die Innenstadt möchte muss Geduld haben. 
Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
Das „Craftbeer Oktoberfest“ in der Münchner Reithalle dürfte unter den Liebhabern außergewöhnlicher Biersorten bis einschließlich Samstag ein besonderer Tipp sein.
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus
Obwohl sie Münchner sind, fühlen sie sich hier nicht immer wohl. Nun startet die Stadt München eine Postkarten-Kampagne. 
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus

Kommentare