Tagsüber turnen die Klassen durch die Schulsporthallen. Abends sind dann die Vereine dran. foto: Archiv/fkn

Streit um Vereinssport in Schulturnhallen

München - Seit Jahren steigt die Zahl der aktiven Sportler in der Stadt. Weil es in den Turnhallen immer enger wird, plant die Stadt, die Öffnungszeiten zu verlängern. Bei den Schulen fürchtet man Sicherheitsprobleme - und mehr Vandalismus.

„Unwürdig!“ „Ungeheuerlich!“ „Unverschämt!“ Hoch her ging es am Montagabend beim Münchner Lehrerinnen- und Lehrerverband. Der Grund: die geplante Reform der Nutzung von Sporthallen am Abend und am Wochenende. Die Streithähne: Schulleiter, Hausmeister und Eltern auf der einen, Stadträte, Verwaltung und Sportvereine auf der anderen Seite.

Eigentlich wollte das Referat für Bildung und Sport am heutigen Mittwoch einen Antrag in den Schulausschuss des Stadtrats einbringen, mit dem die Turnhallennutzung außerhalb der Unterrichtszeiten neu geregelt werden sollte. Nachdem das Unbehagen in den Schulen immer lauter wurde, hat das Referat die Vorlage nun aber zurückgezogen und wird sie wohl noch einmal in Details überarbeiten. Geplant ist nach wie vor, für 43 größere Hallen - die sogenannten Zwei- und Dreifachhallen - die Nutzungszeiten für die Vereine auszuweiten. Statt bis 21.30 Uhr sei vorgesehen, bis 23 Uhr zu öffnen, bestätigt das Schulreferat. Zusätzlich sollen die Öffnungszeiten am Wochenende erweitert werden. „Die Alternative wäre, den Sportvereinen zu sagen, dass wir ihnen nur noch 60 statt 90 Minuten in der Woche anbieten können“, verwies Beatrix Ableitner vom Schulreferat auf die steigenden Sportlerzahlen.

In München gibt es kaum eigene Vereinssporthallen. Gastsportler sind also Realität an Schulen - und doch sehen viele Schulleiter die geplante Verlängerung mit Sorge. Ein Grund: Bisher ist die Regel, dass die Hausmeister um 22 Uhr einen Kontrollgang machen, Wasserhähne zudrehen, Fenster schließen, nach dem Rechten sehen. Nach den Plänen wären dann die Sportler künftig aber noch in den Hallen. Die Stadt will den Vereinen Schlüssel überlassen. Die wären dann abends die Letzten - und würden das Licht ausmachen. „Wir haben jetzt schon immer wieder fremde Leute im Schulhaus“, sagt Grundschul-Rektor Michael Holderlein, „die hätten dann noch leichter Zugang“. Wenn „nicht ausreichend kontrolliert“ wird und Externe Schlüssel haben, so befürchten die Lehrer, könnte der Vandalismus zunehmen.

Josef Tress vom Schulreferat erhofft sich im Gegenteil eine Verbesserung. Während heute oft mehrere Vereine zeitgleich zugange sind, soll künftig immer nur noch ein Club pro Abend zugeteilt werden. „Die Aufsicht ist dann der Verein, die sollen eigenverantwortlich handeln“. Die Stadt betont auch, dass nur Hallen betroffen sein sollen , die von außen zugänglich sind. So könnten keine „Fremden“ in die Schulhäuser selbst hineinkommen .

Nach Angaben der Vorsitzenden des Lehrerverbands, Waltraud Lucic, will die Stadt 1,2 Millionen Euro jährlich erwirtschaften - durch die höheren Mieteinnahmen und durch den Abbau von Aushilfsstellen bei den Hausmeistern.

Diese Kürzungen bestreitet das Schulreferat. Dort hieß es gestern, eine Überlegung sei gewesen, die 22 Uhr-Kontrollgänge der Hausmeister auf zwei bis drei mal die Woche zu reduzieren, wenn an anderen Abenden Vereine in der Halle seien. So hätte man bei Aushilfen sparen können. Nachdem der Personalrat die Einsparung abgelehnt habe, sei sie aber definitiv vom Tisch. Bei der Stadt rechnet man also nur noch mit höheren Mieteinnahmen - von 300 000 Euro im Jahr.

Jetzt setzen alle Seiten auf weitere Gespräche. Dafür wird zunächst an der Atmosphäre zu arbeiten sein. Am Montag zumindest schenkten sich die Parteien nichts. Vereine und Stadt sahen den Münchner Sportler unter „Generalverdacht“ gestellt, ein Vandale zu sein. Der Lehrerverband hingegen kritisierte, dass man nicht rechtzeitig über die Pläne informiert worden sei. Und alle warfen der Gegenseite schlechten Stil vor.

Felix Müller

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