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Student verprasst 92 000 Euro seiner Eltern

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München - 23-Jähriger wegen Betrugs vor Gericht – Richter spricht von „Wohlstandsverwahrlosung“. In einer einzigen Nacht hat der Student Felix S. (23) in einer Nobel-Disco „den Gegenwert eines Kleinwagens“ umgesetzt, wie es Staatsanwalt Benjamin Lenhart vor dem Amtsgericht formuliert.

Es blieb nicht bei diesem kostspieligen Ausgang. In zwei Serien hat der Sohn aus gutem Hause in Etablissements wie „P1“ und „maxSuite“ gut 92 000 Euro buchstäblich flüssig gemacht, hat Bekannte und Unbekannte frei gehalten und ist schon mal mit sechs Schönheiten im Separee verschwunden. Im Betrugsprozess schiebt er alles auf die Trennung von der Freundin und die folgenden Wodka-Exzesse.

Felix ist in glückliche Verhältnisse hinein geboren: Elite-Internat und Wirtschafts-Studium in England, finanzielle Sorgen hat er nie kennen gelernt. Den Umgang mit Geld aber auch nicht. Selbst seine begüterten Eltern spendierten ihm kein Taschengeld, das ausreichte für Nächte mit jeweils vier- bis fünfstelligen Kosten. Der Angeklagte wusste Rat – er besorgte sich die Daten der Kreditkarten seiner Eltern, das genügte den Disco-Geschäftsführern. Auf die Vorlage der Karten selbst („Ich will sie nicht verlieren“) verzichteten sie. Das wurde teuer, die überraschten Eltern widerriefen die Abbuchungen. Für den Sohn war das kein Stopp-Zeichen. Er machte mit anderen Karten-Daten weiter.

Seine Freundin habe ihn im Frühling 2006 verlassen, erst da habe er „zum Trost“ verstärkt zum Hochprozentigen gegriffen, verteidigt sich der Angeklagte. „Sie sind schon 2004 wegen einer Rauschfahrt verurteilt worden“, korrigiert ihn der Staatsanwalt. „Ihre Taten kann man nur als Wohlstandsverwahrlosung bezeichnen“.

Lenhart verlangt eine Vollzugsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, wobei er mildernd berücksichtigt, dass die Discos es dem „Luftikus“ sehr leicht gemacht haben. Noch kritischer sieht Verteidiger Alexander Eckstein „das Verhalten der Betreiber, sie haben den Zustand des Angeklagten ausgenützt“. Der Anwalt plädiert auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Schöffengericht. Die Jugend des Angeklagten, der „dazu gehören und Freunde gewinnen wollte“, erlaube gerade noch eine Strafaussetzung.

Felix S. muss eine Alkoholtherapie sowohl während des Studiums in England wie auch in den Semesterferien in München nachweisen und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Sarah List

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