Studie: Bayerische Schüler wissen mehr über die DDR als ostdeutsche

München/Berlin - Bayerns Schüler wissen mehr über die DDR als Gleichaltrige aus den neuen Bundesländern. Eine Studie des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität (FU) Berlin kommt sogar zu dem Schluss, dass bayerische Hauptschüler besser informiert sind als Gymnasiasten in Brandenburg.

Dennoch bewege sich auch ihr Wissen auf niedrigem Niveau, bestätigte Studienleiter Klaus Schroeder in einen Medienbericht. "Die bayerischen Schüler wissen auch nicht sehr viel, aber sie wissen immer noch mehr als woanders."

Schroeder befragte mit seinem Team mehr als 5000 Schüler in Bayern sowie Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen zu ihrem Bild der DDR. Finanziert wurde die Untersuchung von der bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Insgesamt wurden in Bayern 1231 Schüler der neunten bis elften Klassen befragt. Davon verfügen der Studie zufolge rund 21 Prozent über ein hohes oder sehr hohes Wissen über die DDR. In Nordrhein-Westfalen waren es knapp 9, in Brandenburg rund 7 Prozent. Dennoch wussten auch im Freistaat knapp 40 Prozent der Befragten nicht, in welchem Jahr die Berliner Mauer gebaut wurde.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern sehen die Schüler im Freistaat die DDR am kritischsten. So haben mehr als zwei Drittel keinen Zweifel am Diktaturcharakter des SED-Staates. Dennoch sympathisierten gerade Hauptschüler mit der Sozialpolitik und dem hohen Staatseinfluss der DDR. Rund 40 Prozent bejahten dies ausdrücklich.

Wie aus der Studie hervorgeht, ist die Sicht auf den SED-Staat kritischer, je höher die Schulbildung der Befragten. "Mit steigendem Wissen steigt auch die Kritik an der DDR", stellt der Leiter der Untersuchung fest. Trotz des vergleichsweise hohen Wissens der bayerischen Schüler wünscht sich mehr als die Hälfte von ihnen mehr Unterricht über die DDR. Dies sei zwar wünschenswert, sagte ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums. Es stelle sich jedoch die Frage, ob die Schüler noch mehr Stoff überhaupt verarbeiten könnten. Die Ergebnisse der Studie würden jedoch geprüft und möglicherweise "punktuelle Verbesserungen" am Unterricht vorgenommen, kündigte der Ministeriumssprecher an.

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