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Studie zur Dritten Startbahn: Klimakiller Nummer eins?

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München - Im Kampf gegen die dritte Startbahn am Münchner Flughafen hat der Bund Naturschutz (BN) eine neue Runde eingeläutet. Der Verband präsentierte ein Gutachten, das belegen soll, dass das umstrittene Projekt überflüssig und klimapolitisch nicht vertretbar ist. Der Flughafen widersprach der Darstellung des BN.

Hubert Weiger, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, zeichnete ein Schreckensszenario. "Der Flugverkehr ist in Deutschland drauf und dran, zum Klimakiller Nummer eins zu werden", erklärte Weiger. Dies belege die "Luftverkehrsstudie 2007", die im Auftrag von BN und Grünen vom Wuppertal-Institut erarbeitet wurde. Dem Gutachten zufolge wurden die Auswirkungen der Fliegerei bislang massiv unterschätzt. So sei der Luftverkehr bereits jetzt für acht Prozent der Klimalasten in Deutschland verantwortlich - und nicht, wie bisher angenommen, für zwei bis Prozent. Schon in fünf Jahren werde der Flugverkehr größere Klimaschäden anrichten als alle Autos in Deutschland zusammen.

Als Konsequenz aus den Ergebnissen des Gutachtens fordert der Bund Naturschutz, auf jeden weiteren Ausbau von Flughäfen in Deutschland zu verzichten und den Flugverkehr zwischen Zielen innerhalb Deutschlands drastisch einzuschränken. "Es ist pervers, dass wir immer noch innerdeutsche Flüge haben", sagte Weiger.

Laut dem BN-Chef würde es nach der Studie schon reichen, schwach ausgelastete Flüge zu streichen und Kurzstreckenflüge durch Angebote der Bahn zu ersetzen, um die dritte Startbahn in München verzichtbar zu machen. Das Wuppertal-Institut empfiehlt beispielsweise, Flüge nach Stuttgart und Nürnberg auf die Schiene zu verlagern, wodurch knapp 8000 Flugbewegungen pro Jahr wegfallen würden. Insgesamt, so das Ergebnis des Gutachtens, könne auf 61 500 - und damit mehr als die Hälfte - der innerdeutschen Flüge von und nach München verzichtet werden. Auch ohne die umstrittene dritte Startbahn, für die derzeit das Planfeststellungsverfahren läuft, ist der Flughafen laut der "Luftverkehrsstudie 2007" die "mit Abstand größte einzelne Klimaschadquelle in Bayern", da ihm jährlich knapp 10 Millionen Tonnen an Klimagasen zuzurechnen seien. "Er ist die größte Dreckschleuder in Bayern", formulierte es Christian Magerl, Landtagsabgeordneter der Grünen und BN-Kreisvorsitzender in Freising.

Magerl kritisierte zudem, dass es keine belastbare Kostenkalkulierung für die dritte Startbahn gebe. "Es gibt nicht einmal so eine halbseidene Schätzung wie für den Transrapid."

Stattdessen würden lediglich Zahlen zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro in den Raum geworfen. Der Flughafen wies die Forderungen des BN als "realitätsfremd" zurück. Keinesfalls könnten Kurzstreckenflüge durch das bestehende Bahnangebot adäquat ersetzt werden, da ein erheblicher Teil der Passagiere aus Umsteigern bestehe. Diese seien auf schnelle An- und Abreisen angewiesen. Zudem wäre nach Ansicht der Flughafen München GmbH (FMG) auch eine Verringerung der Kurzstreckenflüge nach Nürnberg, Stuttgart und Frankfurt kein Grund, die Ausbaupläne zu stoppen, da diese lediglich fünf Prozent des Gesamtaufkommens am Flughafen ausmachten. Auch der Behauptung, der Luftverkehr sei der "Klimakiller Nummer eins", widersprach die FMG. Die Aussage sei "wissenschaftlich unhaltbar", der Anteil des Luftverkehrs am Ausstoß von Klimagasen liege nicht - wie in der Studie dargelegt - bei acht, sondern bei etwa drei Prozent.

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