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Wähler sind nicht immer treu: Die Analyse des Statistischen Amts der Stadt zeigt, dass die Münchner ihre Stimme nicht immer der gleichen Partei geben.

Wanderungen bei der Wahl

Studie zur Bundestagswahl zeigt: Partei-Treue nimmt in München weiter ab

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Der Wähler – das unbekannte Wesen. Eine neue Auswertung des Statistischen Amts der Stadt zur Bundestagswahl im letzten Herbst zeigt, dass die Treue zu einer Partei weiter abnimmt.

München - Gewinne und Verluste der Parteien sind nach einer Wahl schnell klar. Die Frage, wer auf wessen Kosten gewinnt, ist dagegen nicht immer ganz leicht zu beantworten. Die Stadt hat jetzt eine Analyse der Wählerströme vorgelegt, die etwas Licht ins Dunkel bringen soll. Dafür hat das Statistische Amt die Stadt in 238 Gebietseinheiten aufgeteilt und anhand dieser kleinteiligen Daten die Wählerwanderung von einer Partei zur anderen geschätzt.

CSU fehlen die Neuen

Die CSU musste sich mit ihrem zweitschlechtesten München-Ergebnis aller Zeiten zufriedengeben. 30 Prozent bedeuten ein Minus von 7,8 Prozentpunkten gegenüber 2013. Ausschlaggebend dafür sind in erster Linie die hohen Verluste an die FDP und AfD. Allein zu den Liberalen wanderten 18 900 ehemalige CSU-Wähler ab, zur AfD wechselten 13 600. Neue Wähler konnte die CSU dagegen kaum für sich begeistern. Nur 7,8 Prozent der Stimmen kamen von Wählern, die 2013 für eine andere Partei oder gar nicht abgestimmt hatten. Gleichzeitig sind aber nur 80,5 Prozent der CSU-Wähler von 2013 der Partei treu geblieben – ein vergleichsweise niedriger Wert.

Untreue SPD-Wähler

Noch härter sind die Wähler mit der SPD ins Gericht gegangen: Nur 66 Prozent der SPD-Wähler von 2013 stimmten auch 2017 wieder für die Sozialdemokraten. Bei der vorherigen Wahl war das noch ganz anders: Im Jahr 2013 lag die Treuequote noch bei stolzen 88,9 Prozent! Überraschend dabei ist: Die Enttäuschten sind in der Mehrzahl zu den Grünen (15 800) und zur Linken (15 300) abgewandert. Das würde bedeuten, dass es sich bei ihnen nicht unbedingt um klassische Protestwähler handelt, schließlich bleiben sie dem linken Lager treu. Diese enttäuschten SPD-Wähler scheinen sich vielmehr mit ihren Positionen von der sozialdemokratischen Partei Deutschlands nicht mehr ausreichend vertreten gefühlt zu haben.

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Grün ist die Treue

Die Grünen haben die treuesten Wähler. 89,3 Prozent derjenigen, die 2013 die Grünen gewählt haben, haben auch 2017 der Partei ihre Stimme gegeben. Gleichzeitig konnten die Grünen aber auch viele neue Anhänger gewinnen. 22,5 Prozent der Stimmen kamen von Wählern, die bei der vorherigen Wahl noch nicht grün gewählt hatten. Die meisten Wähler konnten die Grünen der SPD abspenstig machen. Dazu kamen noch 13 100 ehemalige Nichtwähler. Im Ergebnis führt die starke Bindung vorhandener Wähler und der Gewinn neuer Wähler zum grünen Rekordergebnis von 17,2 Prozent – damit landeten die Grünen noch vor der SPD auf Platz Zwei.

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Liberale Rückkehrer

Totgesagte leben länger – das hat im vergangenen Jahr die FDP mit ihrer fulminanten Rückkehr in den Bundestag bewiesen. Sie profitiert von zwei Effekten. Zum einen sind die wenigen Wähler, die sie 2013 noch hatte, ihr immerhin zu 84,9 Prozent treu geblieben – der zweitbeste Wert. Zum anderen konnte sie einen beträchtlichen Anteil von Wechselwählern (38,6 Prozent) und ehemaligen Nichtwählern (19,4 Prozent) überzeugen. So kamen lediglich 42 Prozent der FDP-Stimmen von Wählern, die bereits 2013 für die Liberalen zur Wahlurne gegangen sind.

AfD wechselt durch

Im Zeitraum zwischen den letzten zwei Bundestagswahlen ist die AfD zu einer komplett anderen Partei mutiert. 2013 galt sie unter Führung des Wirtschaftsprofessors Bernd Lucke als Anti-Euro-Partei. Die Finanzpolitik spielte 2017 kaum noch eine Rolle, stattdessen stand die Fundamentalopposition zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung im Zentrum des Wahlkampfs. Dementsprechend wild zusammengewürfelt ist die Wählerschaft: Nur 38,5 Prozent der AfD-Wähler von einst haben ihr Kreuzerl wieder bei der AfD gemacht – eigentlich ein katastrophaler Wert. Folglich haben nur 18,8 Prozent der heutigen AfD-Wähler bereits 2013 für die AfD gestimmt. 81,2 Prozent sind neu. Der Partei gelang es wie keiner anderen, Nichtwähler zu mobilisieren – 22 000 gaben ihr die Stimme.

Linke Wechselwähler

Auffällig ist: Die Linken konnten die meisten Wechselwähler auf ihre Seite ziehen. 47 Prozent der Linken-Wähler hatten im Jahr 2013 noch für eine andere Partei gestimmt – insgesamt 28,1 Prozent der Linken-Wähler hatten ihre Stimme zuvor der SPD gegeben. Nur 36,1 Prozent sind Stammwähler. Überhaupt sind Linke-Wähler nicht besonders treu: Nur 71,8 Prozent derjenigen, die im Jahr 2013 die Linken gewählt haben, sind im vergangenen Herbst bei ihrer Wahlentscheidung geblieben.

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