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Stürze sind vor allem durch Glatteis möglich.

Das sind häufigsten Verletzungen

Sturzgefahr: So schützen Sie sich vor Glätte

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Im Dezember war es noch zu warm, doch jetzt ab Januar kommt der Winter - wirklich. Und damit auch die glatten Straßen. Gestürzt ist man schnell, wir zeigen, wie Sie sich schützen können.

Ein falscher Schritt – und schon ist es passiert: Bei Eis und Schnee kommt es immer wieder zu verhängnisvollen Stürzen, besonders oft erwischt es Senioren. Gerade in den frühen Morgenstunden und spätnachmittags nach Einbruch der Dämmerung haben die Ärzte in den Notaufnahmen alle Hände voll tun. „Wenn sich beispielsweise überraschend Blitzeis bildet, behandeln wir an einem einzigen Tag schon mal an die 100 Patienten mehr als sonst“, berichtet Professor Dr. Peter Biber­thaler vom Klinikum rechts der Isar.

Dabei gilt eine Faustregel: Einfache Brüche werden oft mit einem Gips oder einer Stützschiene aus Kunststoff versorgt. Wenn allerdings Knochenteile verschoben sind, müssen die Patienten meist unters Messer. Viele profitieren von modernen OP-Techniken und weiterentwickelten Implantaten wie Nägeln, Schrauben und Platten. „Sie ermöglichen es uns, noch erfolgversprechender zu operieren“, sagt Biberthaler, der selbst etwa 800 OPs pro Jahr durchführt. Im großen tz-Gesundheitsreport erklärt der Chef der Unfallchirurgie die fünf häufigsten Sturzverletzungen und wie sie heute behandelt werden.

Die 5 Knackpunkte im Körper

Platz 1 Handgelenksbrüche

Sie entstehen meist aus einem natürlichen Schutzreflex heraus, weil viele Sturzopfer beim Hinfallen versuchen, sich abzufangen beziehungsweise abzustützen. Dabei können oft gleich mehrere Knochen brechen – und zwar besonders leicht, wenn der Betroffene an Knochenschwund (Fachbegriff Osteoporose) leidet. Bei dieser Stoffwechsel­erkrankung, die in der Regel im höheren Lebensalter auftritt, verlieren die Knochen immer mehr an Masse und an Stabilität.

Professor Biberthaler.

„Früher hat man Handgelenksbrüche gerade bei älteren Menschen oft eingegipst“, weiß Professor Biberthaler. „Aber inzwischen setzen wir zunehmend spezielle Platten ein, um die Knochen zu stabilisieren. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass die Hand schneller wieder beweglich und schmerzfrei wird.“ Die neuen Implantate haben eine extrem glatte Oberfläche aus Titan. „Dadurch nimmt sie der Körper nicht mehr als Fremdkörper wahr.“ So können die Platten bereits in 50 Prozent der Fälle nach der Ausheilung der Knochen in der Hand bleiben. Entfernt werden müssen sie unter anderem dann, wenn der Patient Beschwerden wie Beweglichkeitseinschränkungen, Wetterfühligkeit oder Implantat­schmerzen bekommt.

Die OP erfolgt entweder unter Vollnarkose oder unter Lokalanästhesie, bei der nur der Arm betäubt wird. Sie dauert etwa 45 Minuten. Nach dem Eingriff bleibt der Patient etwa zwei Tage im Krankenhaus und muss für circa zwei Wochen eine Plastikschiene, sozusagen einen Kunststoffgips, tragen.

Platz 2 Oberschenkelbrüche

Bei Stürzen bricht häufig der Schenkelhals – die Verbindung zwischen Hüftkopf und Oberschenkelschaft. „Wenn der Patient älter als 65 Jahre ist, wird heute in der Regel ein neues Hüftgelenk eingesetzt. Dann sind die Heilungschancen deutlich besser“, erklärt Professor Biberthaler. „Der Patient kann meist noch am OP-Tag aufstehen und sein Bein voll belasten. Das ist gerade bei älteren Menschen wichtig, um einen Verlust an Beweglichkeit zu vermeiden und damit ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Lebensqualität zu bewahren.“

Aber auch Patienten, die kein künstliches Hüftgelenk erhalten, kommen heute nach Oberschenkelbrüchen schneller wieder auf die Beine. So sorgen verbesserte ­Implantate – beispielsweise speziell geformte Nägel und eine Art Doppelschrauben-System – für eine hohe Stabilität des reparierten Knochens. Der Patient kann sofort wieder laufen.

Bei beiden Varianten dauert die OP etwa 45 bis 60 Minuten. Nach etwa drei Monate ist der Knochen verheilt.

Tipps gegen das Glatteis: So rutschen Sie nicht aus

Platz 3 Oberarmkopfbrüche

Bei diesen Verletzungen werden die Unfallchirurgen oft mit einer relativ schlechten Knochenqualität konfrontiert. „Uns stellt sich ja immer die grundsätzliche Frage, ob der Knochen stabil genug ist, um darin Nägel oder Schrauben zu verankern“, erklärt Biberthaler. Weil dies am Oberarmkopf oft nicht der Fall ist, wird oft das Schultergelenk ersetzt. Hierbei setzen die Spezialisten sogenannte inverse Prothesen ein – das sind spezielle Modelle künstlicher Gelenke, die nach neuesten wissenschaftlichen Studien wesentlich bessere Ergebnisse bringen. „So zeigt sich im Vergleich mit anderen Prothesentypen eine größere Beweglichkeit“, berichtet Professor Biberthaler.

Für die OP brauchen die Ärzte etwa eineinhalb Stunden, der Klinikaufenthalt beträgt etwa drei Tage. Nach sechs Wochen kann der Patient seine Schulter wieder leicht belasten, gleichzeitig beginnt er dann ein etwa drei- bis vierwöchiges physiotherapeutisches Aufbauprogramm. Insgesamt dauert es etwa drei Monate, bis die Verletzung ausgeheilt ist.

Platz 4 Sprunggelenksverletzungen

An den Füßen ziehen sich die Sturzopfer häufig Bänderrisse zu. Sie werden in der Regel nicht operiert. Bei Brüchen gilt es wie immer zu beurteilen, ob Knochenteile verschoben sind. „Bei komplizierteren Brüchen setzen wir Platten und Schrauben ein“, erklärt Professor Biberthaler. „Anders als an Knie, Hüfte und Schulter hat sich der Gelenkersatz am Fuß noch nicht durchgesetzt.“ Allerdings stehen den Operateuren auch hier neue Hightech-Implantate zur Verfügung. Diese speziellen Platten erlauben eine Vollbelastung des Fußes bereits nach etwa einer Woche. Wenn diese Implantate aus medizinischen Gründen nicht verwendet werden können, muss der Patient etwa sechs Wochen lang auf Krücken gehen.

Für den Eingriff benötigen die Unfallchirurgen etwa eine Stunde, der Patient bleibt drei bis vier Tage in der Klinik. Bis er wieder Sport treiben kann, dauert es circa drei Monate.

Platz 5 Schienbeinkopfbrüche

Sie entstehen nicht nur durch Stürze auf der Straße bzw. auf dem Gehweg, sondern oft auch beim Skifahren. Das hängt mit den neuen Skisystemen aus stabileren Schuhen und drehfreudigen Carving-Skiern zusammen, die den Druck auf den Schienbeinkopf erhöhen. Wenn bei einem Bruch Knochensplitter entstehen, werden diese während der Operation mit einer Spülung entfernt. „Sie würden sonst wie Sandpapier wirken und den Knorpel schädigen“, sagt Professor Biberthaler.

Der Eingriff kann heute schonender vorgenommen werden als noch vor einigen Jahren. So kommen die Ärzte mit kleineren Schnitten aus. „Zur Stabilisierung verwenden wir spezielle vorgeformte Platten, die der Form des Knochens nachempfunden sind“, berichtet Professor Biberthaler.

OP-Zeit: etwa eineinhalb Stunden. Im Anschluss verbringt der Patient vier Tage in der Klinik. Sechs Wochen lang darf er sein Bein nur teilbelasten, muss auf Krücken gehen. Dann kann er die Belastung innerhalb von weiteren sechs Wochen langsam steigern. Bis er wieder uneingeschränkt laufen kann, dauert es etwa drei Monate. Radeln oder Schwimmen ist dann bereits nach wenigen weiteren Wochen wieder drin, andere Sportarten mit stärkerer Belastung allerdings erst nach etwa einem halben Jahr.

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