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Blick über die Ludwigsbrücke: Das Sudetendeutsche Museum, vom Müllerschen Volksbad aus gesehen.

Wichtige Hürden genommen

Sudetendeutsches Museum nimmt Gestalt an

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München - Lange hinkten die Macher des Sudetendeutschen Museums ihren Zeitplänen hinterher. Jetzt soll alles anders werden: Man ist überzeugt, den markanten Neubau 2018 eröffnen zu können. Die Probleme sind weniger geworden für das Mammutprojekt – gelöst sind aber noch nicht alle.

Ein zentrales sudetendeutsches Museum in München – das halten sehr viele Menschen für ein ziemlich wichtiges Projekt. Und doch gab es immer wieder Ärger um den lang geplanten Neubau. Eigentlich sollte der schon 2015 eröffnen, in einem 34 Meter hohen Turm. Den verhinderte jedoch die Lokalbaukommission. Inzwischen soll ein 19 Meter hoher, markanter Bau entstehen, der direkt auf gleicher Höhe an das bestehende Sudetendeutsche Haus anschließt. Die Stiftung hat sensibel Politik gemacht, und so gibt es inzwischen keinerlei Kritik mehr an dem Projekt. Sogar der hochempfindliche rot-grün dominierte Haidhauser Bezirksausschuss stellt sich hinter die Pläne. „Wir sind raus aus der Schmuddelecke“, sagt Franz Pany, der Chef der Sudetendeutschen Stiftung.

Aus der Staatsregierung ist sein Anliegen ohnehin immer unterstützt worden. Der Freistaat tritt als Bauherr auf, bezahlt alleine 20 Millionen Euro für den Bau. Kürzlich hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beim Sudetendeutschen Tag zugesichert, auch den Unterhalt finanzieren zu wollen. „Wir schaffen einen Ort der Erinnerung und der Begegnung“, sagte Seehofer unserer Zeitung. „Das ist auch mir persönlich ein Herzensanliegen.“ Mit dem Museum werde „etwas Neues und Besonderes“ geschaffen: „ein markantes Symbol der Sudetendeutschen Volksgruppe mitten in unserer Landeshaupstadt München, mitten im Leben“.

Und so erlebt man zwei ziemlich zufriedene, hochmotivierte Menschen, wenn man in diesen Tagen Franz Pany und Elisabeth Fendl besucht, die Gründungsbeauftragte des Museums ist. Die hohen Hürden haben sie genommen, das wissen beide. Nebenan wird der Flachbau der „Wallenstein-Stubn“ ab Januar kommenden Jahres abgerissen, noch im Frühjahr 2016 soll mit dem Bau des Museums begonnen werden.

Der Entwurf der Münchner Architekten von „pmp“ sieht ein skulptural geformtes Gebäude an der Isarhangkante vor. Vom obersten Geschoss soll sich ein weiter Blick über die Isarauen in Richtung Stadtzentrum öffnen, im Hof ist ein Café geplant.

Irgendwann im Jahr 2018 soll es dann auf jeden Fall soweit sein. 1100 Quadratmeter Dauerausstellungsfläche sind geplant – und 350 Quadratmeter für Sonderausstellungen. Wobei die Dauerausstellung nicht als statisch verstanden werden soll, das ist Pany wichtig. So könnten etwa einzelne Exponate immer wieder ausgetauscht werden. Im Museum soll die Geschichte der Sudetendeutschen erzählt werden – natürlich auch, aber keineswegs nur die der Vertreibung, wie Fendl betont. „Es geht zum Beispiel auch um die Integration in Bayern.“

Zuversichtlich: Elisabeth Fendl und Franz Pany, die Gründer des Sudetendeutschen Museums.

Um diese Geschichten anschaulich darstellen zu können, sucht Fendl weiter nach Exponaten. Schon seit 13 Jahren sammelt sie Bestände aus aufgegebenen Heimatstuben. Aber auch Spenden von Privatleuten sind willkommen. „Das kann auch ein Kaffeelöffel sein“, sagt sie, „wenn es Geschichten dazu zu erzählen gibt.“ Eben erst hat sie die ersten Briefbeschwerer aus Böhmen in die Sammlung aufnehmen können. Manches aber fehlt noch. „Wir haben zum Beispiel sehr, sehr wenig aus dem evangelischen Sudetenland“, sagt Pany. Besonders stolz sind die beiden auf einen Ankauf, den der Freistaat finanziert hat: ein so genanntes „Böhmerland-Motorrad“ – das längste serienmäßg gefertigte Motorrad aller Zeiten, es misst beinahe drei Meter.

Über ein solches Stück hofft Fendl auch Technik-Fans ins Museum locken zu können – und letztlich für die Geschichte der Sudetendeutschen zu begeistern. Das könnte auch mithilfe von Sonderausstellungen gelingen, etwa über die Firma Thonet aus Mähren, deren Kaffeehaus-Stühle weltbekannt wurden. „So kommen auch Menschen zu uns, die sich für Design interessieren“, sagt Fendl.

Ideen haben sie viele – und doch warten noch große Herausforderungen auf die Museums-Macher. Da ist der Platz, viel knapper bemessen als ursprünglich erhofft. Die Architektur, praktisch ohne Fenster, fast ohne rechte Winkel. Und: das fehlende Personal. Pany und Fendl klagen, dass sie mit nicht einmal vier Mitarbeiter-Stellen große Mühe hätten, das Museum zu stemmen. Gerade in der Planungs-Phase brauche man dringend mehr Leute. Das Duo hofft, dass die Staatsregierung im Nachtragshaushalt noch zusätzliche Gelder zur Verfügung stellt.

Und es sieht gut aus. Staatsregierung und Fraktion sind gewillt, die gewünschten zwei weiteren Stellen zu finanzieren. „Wir werden eine Lösung finden“, sagt der CSU-Abgeordnete Josef Zellmeier auf Nachfrage. 2018 also könnte das Museum eröffnet werden – möglichst noch im ersten Halbjahr und durch Ministerpräsident Horst Seehofer. Entscheidend aber seien nicht scheidende Ministerpräsidenten, findet Pany. Wichtiger seien die vielen alten Vertriebenen. Seine Mutter zum Beispiel ist schon 83. „Wir wollen einfach, dass diese Leute das hier noch erleben dürfen."

Felix Müller

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