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Die Medienbrücke an der Rosenheimer Straße versperrt der benachbarten Volkssternwarte den Blick gen Himmel.

Supergau am Sternenhimmel

München - Die Medienbrücke an der Rosenheimer Straße wird als eines der spektakulärsten Bauwerke der Stadt gepriesen. In der direkten Nachbarschaft aber ist man nicht besonders glücklich:

Oberbürgermeister Christian Ude hatte beim Richtfest noch davon geschwärmt, dass die Medienbrücke viele Sichtbeziehungen in die Stadt schone, und die prachtvolle Aussicht von 45 Metern Höhe auf die City gelobt. Diese Höhe wird aber der Volkssternwarte zum Verhängnis. Denn das 90 Meter lange, quer liegende Gebäude wurde den Sternguckern direkt vor die Nase gesetzt.

„Uns fehlt jetzt ein Stück vom Himmel“, klagt Peter Stättmayer, Leiter der unweit des Kultfabrik-Geländes gelegenen Bayerischen Volkssternwarte in Berg am Laim. Zwar würden sich interessante Himmelsgeschehen meist im Süden abspielen und die Medienbrücke stehe im Norden der Sternwarte. Doch das Sternbild des „Großen Wagens“ beispielsweise kann man nun nicht mehr ganzjährig von dem Observatorium aus beobachten. „Damit ist jetzt zwei bis drei Monate Pause.“ Über den Neubau drüberzuschauen, das geht auch nicht. Die Beobachtungsplattform der Sternwarte befindet sich in nur 35 Metern Höhe.

Wer hier durchschaut, wird künftig den "Großen Wagen" nicht mehr ganzjährig sehen können.

„Ein bisschen Bammel“ hat Stättmayer schon vor der endgültigen Fertigstellung der Medienbrücke im Herbst. „Wir haben Bedenken wegen dem Licht aus dem Gebäude.“ In die Medienbrücke sollen Unternehmen aus der Medienbranche und benachbarten Sparten einziehen. Man müsse zwar erst noch abwarten, wie die Büros von innen ausgeleuchtet werden, wie lange nachts gearbeitet werde und ob es Abdunklungen oder Jalousien gebe. Doch brennt dort zu viel Licht, werden die Sterngucker laut Stättmayer sicher Probleme kriegen. Observatoriums-Freunde sprechen bereits von einem „Supergau“ für die Münchner Sternwarte.

Für Stättmayer ist es „eine traurige Geschichte“, gegen die man aber nichts machen konnte. Auf die Barrikaden werde er aber gehen, falls zusätzliche Scheinwerfer das Gebäude von außen beleuchten sollen.

Den Standort an der Rosenheimer Straße 145 zu verlassen, wäre für die Sternwarte eine radikale Lösung. Vor Jahren war schon einmal der Umzug der Bayerischen Volkssternwarte in die Messestadt Riem im Gespräch. Es scheiterte an der Finanzierung. Es gebe nun „ein Gedankenspiel“ des Vermieters, die Volkssternwarte auf ein geplantes Hochhaus in der Nachbarschaft umzusetzen. Doch, so Stättmayer, sei fraglich, ob man sich das werde leisten können.

Carmen Ick-Dietl

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