Herzogenrath-Amelung vertritt jetzt Wiese

München - Im Neonazi-Prozess vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht hat einer der in der rechten Szene bekanntesten Verteidiger das Mandat für den Hauptangeklagten Martin Wiese übernommen. Günther Herzogenrath-Amelung aus Regensburg wird Wiese gemeinsam mit Gerald Aßner vertreten.

Zeugen aus der rechten Szene haben am Mittwoch die Führungsrolle Wieses bestätigt. Zugleich erklärten sie, der Chef der neonazistischen "Kameradschaft Süd" habe Gewalt abgelehnt. In wichtigen Details aber setzte bei allen die Erinnerung aus.

Gegen den Willen der Generalbundesanwaltschaft hat der Vorsitzende Richter Bernd von Heintschel-Heinegg Szeneanwalt Herzogenrath-Amelung als zweiten Pflichtverteidiger bestellt. Den Anwalt aus Regensburg habe sich der Angeklagte Wiese ausdrücklich gewünscht, nachdem seine frühere Verteidigerin Anja Seul einen Schlaganfall erlitten hatte. Sie liegt seither im künstlichen Koma.

Günther Herzogenrath-Amelung soll Mitglied des Deutschen Rechtsbüros und Sympathisant der Nationalistischen Front sein. Das Deutsche Rechtsbüro bezeichnet sich als "Selbsthilfegruppe zur Wahrung der Rechte nationaler Deutscher".

Zudem vertritt seit der Erkrankung Seuls der Münchner Anwalt Gerald Aßner den Angeklagten Wiese. Einen zweiten Pflichtverteidiger auf Kosten der Steuerzahler hinzuziehen, begründete Richter Heintschel-Heinegg mit der "Sicherung des Verfahrens".

Wie berichtet, wirft die Generalbundesanwaltschaft Martin Wiese, seinem Stellvertreter Alexander Maetzing, Karl-Heinz Statzberger und David Schulz Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Der Führungszirkel um Wiese soll einen Sprengstoffanschlag auf die Grundsteinlegung des Jüdischen Gemeindezentrums am 9. November 2003 geplant haben.

Gewalt dieser Art habe Wiese abgelehnt, behaupteten am Mittwoch Zeugen aus der rechten Szene. Sie schilderten Wiese übereinstimmend als Mann des Wortes, einen "überzeugenden und selbstsicheren" Redner. Von einem geplanten Attentat auf das Jüdische Gemeindezentrum hätten die Zeugen angeblich nie gehört. Konkrete Angaben jedoch machten sie nicht. An den entscheidenden Stellen, etwa wenn es um Wieses Gesinnung ging, beriefen sie sich auf Erinnerungslücken. Während sie in Polizeiverhören noch davon gesprochen hatten, dass Wiese die bestehende Staatsform durch einen nationalsozialistisch geprägten Staat habe ersetzen wollen, mochten sie vor Gericht - im Angesicht Wieses - von solchen Details nichts mehr wissen.

Am heutigen Prozesstag soll ein Sprengstoffexperte des bayerischen Landeskriminalamts Angaben zu dem beschlagnahmten TNT machen.

Bettina Link

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