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Monika W. kümmert sich um Vögel in Not. Deswegen wurde sie attackiert und am Arm verletzt.

“Dafür werden Sie bezahlen!“

Tauben-Wahnsinn: Münchnerin will verletztem Tier helfen, da wird sie attackiert

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Man liebt oder man hasst sie - das Thema Tauben polarisiert die Stadt. Als eine Tierschützerin sich um eine verletzte Taube kümmern wollte, wurde sie von einem Mann attackiert. 

München - In diesem Fall hat ein kleines Tier für einen Riesen-Eklat gesorgt. Ausgangspunkt für den Streit im Münchner Osten war die Rettung einer verletzte Taube – besser gesagt: die versuchte Rettung. Am Ende wurde eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Tierschutzvereins massiv verletzt, die Polizei musste einschreiten.

„Dafür werden Sie bezahlen“

Die Münchner Steuerfachangestellte Monika W. (43) kümmert sich seit 20 Jahren ehrenamtlich auch im Auftrag des Tierschutzvereins um Vögel und Wildtiere in Not. Am 3. Mai entdeckte sie auf der Fahrt durchs östliche Stadtgebiet am Wegesrand eine verletzte Taube. Sie parkte und warf dem Tier eine Handvoll Körnchen zu: „Anders kann man Tauben nicht einfangen.“ Im Nu kamen andere Tauben hinzu. Und dann war auf einmal dieser Mann da: „Etwa Mitte 50, kräftig und unheimlich aggressiv.“ Er stürmte brüllend auf Monika W. zu: „Ich zeige Sie an! Sie verstoßen gegen das Fütterungsverbot! Dafür werden Sie bezahlen!“

Monika W. versuchte, ihm ihr Vorhaben zu erklären, „aber er hörte gar nicht zu und bezeichnete mich als Lügnerin.“ In der Zwischenzeit waren alle Tauben weggeflogen, auch das an beiden Beinen verletzte Tier. Monika W. trat den Rückzug an, ging zu ihrem Auto. Da griff der Mann an: „Er wollte meinen Namen wissen, packte mit beiden Händen meinen linken Arm.“ So fest, dass seine Finger blau unterlaufene Flecken und Striemen auf der Haut hinterließen. „Dann bog er mir die linke Handfläche auf den Unterarm. Das tat unheimlich weh. Ich habe laut um Hilfe geschrieen. Aber kein Passant half mir.“ Schließlich riss sich Monika W. los und sprang im Schock in ihr Auto: „Der riss sogar noch meine Tür auf. Ich hatte wirklich Angst und wollte nur noch weg.“ Doch nach ein paar hundert Metern Flucht setzte ihr Verstand wieder ein. „Ich musste herausfinden, wer er ist und dann die Polizei einschalten.“ Sie erinnerte sich, dass der Mann einen typischen Praxisgeruch an sich gehabt hatte. Und siehe da: Nahe des Tatorts war ein ärztliches Labor. „Ich ging hinein, und da saß er.“ Als er Monika W. sah, sprang er auf, packte noch in der Praxis wieder hochaggressiv zu. W. floh auf die Straße und rief die Polizei.

Monika W.s Arm: Die Spuren der Attacke sind noch deutlich zu sehen.

Auf Anfrage der tz bestätigte ein Polizeisprecher, dass in diesem Fall wegen wechselseitiger Körperverletzung ermittelt wird. Heißt: Der Labortechniker hat Monika W. ebenfalls wegen Körperverletzung angezeigt: „Erst am nächsten Tag behauptete er, ich sei handgreiflich geworden.“

Monika W. trägt seitdem das linke Handgelenk in einer Stütz-Manschette: „Es ist überdehnt, ich habe ständig starke Schmerzen. Seit dem Kernspin steht fest, dass ich zum Handchirurgen muss.“ Von dem Techniker wird sie vor Gericht Schmerzensgeld verlangen.

Fütter-Verbot: Strafe bis zu 1000 Euro

Im März erst hat der Stadtrat ein neues Taubenfütterungs­verbot beschlossen, das für die nächsten 20 Jahre gilt. Dass die Leute diese Regeln auch einhalten: Darum kümmern sich Ordnungshüter des Kommunalen Außendienstes. Es geht dabei nicht um das Semmelstückchen, das Kinder den Tauben zuwerfen. Verhindert werden sollen regelmäßige Fütterungen in größeren Mengen. Dafür gelten Bußgelder von 35 bis zu 1000 Euro für Unbelehrbare. „Tauben-Sheriffs“ verteilen Bußgelder. Als effektive Maßnahme zur sanften Dezimierung gelten in Fachkreisen Taubenhäuser, in denen die Eier gegen Gipseier ausgetauscht werden. Hunger dagegen zwinge die Tiere instinktiv zu verstärkter Arterhaltung – also zu noch mehr Vermehrung.

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Dorita Plange

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