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Tausende demonstrieren in Nürnberg gegen NPD - Aufgeheizte Stimmung

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Nürnberg - Weitgehend friedlich, aber in aufgeheizter Stimmung haben am Donnerstag knapp 10 000 Menschen in Nürnberg gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD demonstriert. Bei ihrem rund vierstündigen Zug wurden die Rechten von Gegendemonstranten mit Pfeifkonzerten und Buhrufen empfangen.

Bei einer Abschlusskundgebung der NPD am Rande der Innenstadt warfen Gegendemonstranten trotz Appellen der Polizei vereinzelt Eier, Flaschen und Milchtüten auf die rund 1500 Extremisten. Insgesamt gab es 18 Verletzte - darunter neun Polizisten.

Bewohner entlang der vier Kilometer langen NPD-Marschroute distanzierten sich mit Transparenten wie "Kein Platz für Nazis" von den Rechten, ignorierten aber ansonsten die NPD. Viele Bürger folgten der Aufforderung des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly (SPD und ließen demonstrativ die Rollläden herunter. Damit sollten sie den NPD-Aufmarsch zu einem "Geisterlauf" machen.

Zur Auseinandersetzung zwischen Polizei und Angehörigen autonomer Gruppen kam es, als militante NPD-Gegner versuchten, die Polizeikette zu durchbrechen. Mehrere Demonstranten seien bei Schlagstockeinsätzen der Polizei leicht verletzt worden, berichtete eine Mitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Polizei sprach von vier verletzten Beamten. Linke Demonstranten hätten mit Steinen auf Polizeibeamte geworfen. Mehrere Feuerwerkskörper seien gezündet worden. Die Polizei antwortete mit Pfefferspray und Schlagstockeinsatz.

Als Sprecher der "Organisierten Autonomie" Demonstranten über Lautsprecher immer wieder aufforderten, Ketten zu bilden und sich nicht einschüchtern zu lassen, stürmten Polizeibeamte einen Lautsprecherwagen der Autonomen und schnitten die Kabel der Anlage durch. Mehrere Demonstranten hätten Kopfplatzwunden erlitten. Nachdem die Polizei ihre Absperrungen mit Mannschaftswagen verstärkte, habe sich die Lage wieder beruhigt.

Später versuchten Vertreter der autonomen Szene, über einen Stadtpark und U-Bahnhöfe zu dem NPD-Aufzug zu gelangen, was die Polizei mit weiteren Absperrungen vereitelte. Die meisten der neun verletzten Polizisten wurden von Steinewerfern getroffen, ebenso zwei Demonstranten. Erleichterung machte sich bei den Sicherheitskräften breit, als die Veranstalter des NPD-Aufmarschs am Nachmittag darum baten, mit der U-Bahn an den Stadtrand gebracht zu werden, statt wie geplant zum Startpunkt zurückzumarschieren. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dankte der Polizei anschließend für ihren Einsatz.

Bei der zentralen Gegenkundgebung unter dem Motto "Gemeinsam gegen Rechtsradikale" bekräftigte Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) die Entschlossenheit der Staatsregierung bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus. "Wir wollen die Nazibande hier nicht haben", rief Beckstein vor 5000 bis 6000 Zuhörern. Bayern werde alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um rechtsextremistische Umtriebe zu verhindern. Nach Becksteins Ansicht ist im Kampf gegen den Rechtsextremismus jeder Bürger gefordert.

Zu der Gegendemonstration hatten neben der Stadt Nürnberg und der Israelitischen Kultusgemeinde auch mehrere Gewerkschaften sowie Ausländer- und Jugendorganisationen aufgerufen.

Im Vorfeld hatte die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, der Stadt vorgeworfen, der NPD-Aufmarsch sei als eine Folge der diffus-rechtsextremistischen Stimmung eines ganzen Milieus zu sehen, das sich in Nürnberg offenbar breitgemacht habe. Dem widersprach Arno Hamburger, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg. Die Stadt habe alles getan, um von der "Stadt der Reichsparteitage" zur Stadt der Menschenrechte zu werden. "Es gibt keine andere deutsche Stadt, die ihre nationalsozialistische Vergangenheit mit der Intensität aufgearbeitet hat wie Nürnberg."

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