+
Merkur-Autor Lorenz von Stackelberg

München nach der Silvesternacht

Kommentar: Der Hauch des Terrors

München - Die NSA als liebstes Feindbild der deutschen Politik? Nach der Terrorwarnung von München ist dies eine unverantwortliche Haltung, meint unser Autor Lorenz von Stackelberg.

Wenn eindringliche Warnungen vor „Menschenansammlungen“, wie man sie als Urlaubsreisender kennt, plötzlich der vertrauten heimischen Umgebung gelten, weil man in diesem Moment Teil einer fröhlichen öffentlichen Feier ist, dann beschleicht einen schon ein unheimliches Gefühl. Der kalte Hauch des Terrors hat in München in der Silvesternacht zehntausende Partygänger und ihre Angehörigen gestreift. Viele mögen ihre Pläne im Lauf des Abends geändert haben, viele sagten sich vielleicht: „Jetzt erst recht“. In den sozialen Netzwerken, die ein Seismograph für Stimmungen sind, blieb Panik jedenfalls aus, aufmerksame Gelassenheit dominierte. Ein Reifezeugnis.

Sicherheit nur punktuell

Münchens Bahnhöfe sind weltbekannt als „Häfen“ für Flüchtlinge und müssen deshalb als potenzielle Terrorziele gelten. Wurde durch die Räumung ein Blutbad verhindert? Oder war es falscher Alarm? Die Polizei hat jedenfalls ebenso schnell wie angemessen reagiert – und erstklassige Kommunikationsarbeit geleistet. Dennoch machte die Nacht zum 1. Januar 2016 nicht nur erneut klar, dass Sicherheit, wenn überhaupt, nur punktuell garantiert werden kann, sondern auch, dass jeder für sich entscheiden muss, welches Risiko er einzugehen bereit ist. Diese Unsicherheit ist symptomatisch für jene vage „Bedrohungslage“, eine Umschreibung der beängstigenden Tatsache, dass irgendwo irgendwelche islamistischen Fanatiker darüber nachsinnen, wie sie unsere offene Gesellschaft ins Mark treffen können. Wie man damit umgehen kann, haben die Menschen in München beispielhaft gezeigt.

Wiederholte Drohungen werden mürbe machen

Allerdings braucht man kein Prophet zu sein um vorauszusagen, dass wiederholte Terrordrohungen auf Dauer auch diese Gesellschaft mürbe machen und verändern werden, vom Ernstfall ganz abgesehen. Offenbar kamen die Hinweise auf die Anschlagspläne von ausländischen Geheimdiensten, die vielen deutschen Politikern seit dem NSA-Skandal als liebstes Feindbild gelten. Diese Haltung kann man jetzt nur noch als unverantwortlich bezeichnen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayern gegen Leukämie: Kommen Sie ins Pressehaus zur Typisierung
"Bayern gegen Leukämie" - so heißt die Aktionswoche in ganz Bayern vom 22. bis 28. Mai 2017. Helfen Sie mit und lassen Sie sich am 24. Mai bis 16 Uhr im Pressehaus …
Bayern gegen Leukämie: Kommen Sie ins Pressehaus zur Typisierung
Verbindungsproblem: Es hakt bei den MVG-Radeln
Flexibel und schnell soll man mit dem Mietrad-System der Stadtwerke München (SWM) sein. Doch in letzter Zeit hakt es: An manchen Standorten fällt das Internet aus und …
Verbindungsproblem: Es hakt bei den MVG-Radeln
Münchens schönste Stufen zum Ausruhen und Umherschauen
München - München-Touristen googeln Adressen der schönsten Parks und Plätze. Dabei lässt sich unsere Stadt herrlich stufenweise erkunden. Das sind die am besten …
Münchens schönste Stufen zum Ausruhen und Umherschauen
Münchner Plätze: Jetzt kommen die Sommerblumen
Der Einzug der Sommerblumen in die Stadt ist, auch wenn es das Wetter lange nicht vermuten ließ, nicht mehr aufzuhalten. Die Gartenbauer des Baureferats sind bestens …
Münchner Plätze: Jetzt kommen die Sommerblumen

Kommentare