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Entschlossen: Münchens OB Dieter Reiter.

So reagiert die Landeshauptstadt nach der Silvesternacht

Terrorgefahr in München: "Wir ändern unser Leben nicht"

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München - Nach der Terrorwarnung gibt es viel Lob für das besonnene Verhalten von Münchnern und Sicherheitskräften. Die Polizei will ihre Präsenz aber aufrecht erhalten.

Wir gegen die. München gegen Terrorismus. Polizei und Bürger – gemeinsam. Natürlich gibt es an diesem seltsamen Neujahrestag in der Stadt noch eine gewisse Verunsicherung. Aber auf den Straßen wie in den sozialen Netzwerken dominiert doch der Dank gegenüber der Polizei, die in der Silvesternacht möglicherweise islamistische Anschläge in München verhindert hat – und die Polizei lobt wiederum die Bürger für deren besonnenes Verhalten. Da passt es gut ins Bild, das auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) betont: „Gemeinsam sind wir stärker als die Terroristen.“

Reiter sagt, er sei froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. „Es war meines Erachtens richtig, die Sicherheit der Bevölkerung so wie geschehen in den Vordergrund zu stellen.“ Reiter erklärt: „Wir werden unser Leben nicht wegen solcher Bedrohungen ändern.“ Es sei „richtig und gut, dass München trotzdem gefeiert hat“.

OB Reiter verließ eine Party

Reiter selbst verließ eine Party bei Freunden schon um 22 Uhr, um die ganze Nacht im engen Kontakt mit den Sicherheitskräften zu stehen und im Ernstfall schnell vor Ort sein zu können. Viele andere Münchner hingegen taten, was sie ohnehin vorgehabt hatten – und verbrachten Silvester im Restaurant, in einer Diskothek – oder in der Kirche.

Schwer bewaffnet: Polizisten an Neujahr vor dem Bahnhof. In der Nacht zuvor war er geschlossen worden.

„Wir hatten in der Silvesternacht brechend volles Haus“, erzählt Pfarrer Rainer Schießler von St. Maximilian. Sorgen habe er sich nicht gemacht. „Ich kann mir keine Sorgen um so etwas Irrationales wie Selbstmordattentate machen“, sagt er. Gleichzeitig dürfe man nicht die Augen davor verschließen, dass möglicherweise eine Gefährdung bestehe. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, mit wachen Augen durchs Leben zu gehen.“ Wachsam sein, betont Schießler, bedeute aber nicht automatisch, zu misstrauen. Ganz praktisch, für größere Gottesdienste, rechnet er „in absehbarer Zeit“ aber auch mit Sicherheitsmaßnahmen. „Wir beschäftigen uns schon mit dem Thema. Nicht aus Angst um unser bisserl Leben, sondern aus unserer Fürsorgepflicht für die Besucher heraus.“ Beim Adventskalender in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt habe man nach Absprache mit dem Ordinariat bereits einen Sicherheitsdienst eingesetzt.

Nachdenklich: Pfarrer Rainer Schießler glaubt, dass Gottesdienste mehr Sicherheit brauchen.

Auch andere Einrichtungen haben ihre Vorkehrungen bereits nach den Anschlägen von Paris verstärkt. Etwa der Circus Krone. Trotzdem seien es genau die richtigen Zeiten, um in den Zirkus zu gehen, sagt Krone-Chefin Christel Sembach-Krone zur tz: „Der Circus war in schwierigen Zeiten schon immer ein Zufluchtsort für Menschen, die Kummer und Sorgen vergessen wollten. Das gilt auch heute.“

Unterschiedliches ist zum Thema Sicherheit aus dem Münchner Nachtleben zu hören. Man vertraue den Sicherheitsbehörden, sagt Jakob Faltenbacher, Betreiber der „Milchbar“ an der Sonnenstraße, der tz. „Aber wir haben dennoch unsere Türsteher zu schärferen Kontrollen angewiesen.“ Veranstalter Till Hofmann hingegen hält wenig von mehr Sicherheitspersonal. Er selbst war in der Silvesternacht in seinem „Milla“-Club im Glockenbachviertel. „Die Leute haben sehr besonnen reagiert und weiter gefeiert“, sagt er. Weder von Gästen noch von Künstlern habe er nach den Anschlägen von Paris den Ruf nach mehr Sicherheitspersonal gehört. „Und verhindern könnte man einen Anschlag doch eh nicht.“

Viele aber glauben, dass gerade das an Silvester durch die Wachsamkeit der Polizei gelungen ist. Auch Münchner Muslime. Imam Benjamin Idriz vom Münchner Forum für Islam (MFI) sagt am Neujahrestag, er sei „sehr froh und erleichtert, das nichts passiert ist.“ Die Hinweise der Polizei seien „ernst zu nehmen“.

Auch die Sicherheitsbehörden selbst betonen erneut, es habe eine konkrete Gefahr bestanden. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä erklären aber, jetzt bestehe nur noch eine abstrakte Terrorgefahr. Es gebe „keinen unmittelbaren Hinweis auf eine Anschlag heute oder morgen an einem bestimmten Ort“, sagt Herrmann. Die Sicherheitslage in der Stadt sei wieder vergleichbar mit der vor der Terrorwarnung. Das merkt man bereits am Freitagmittag am Hauptbahnhof: Hier wuselt es, als hätte es den Schreck der Silvester-Nacht nie gegeben – die Polizei hält sich relativ im Hintergrund.

Trotzdem wird sie in den kommenden Tagen noch zu sehen sein: In der Innenstadt und den Bahnhöfen sind weiter verstärkt Polizeistreifen unterwegs. Es gehe jetzt auch darum, den Bürgern ein Sicherheitsgefühl zu geben, heißt es.

Alle Infos nach der Terrorwarnung im Live-Ticker.

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