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MVG testet mehr Sicherheit in der U-Bahn

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München - Nach einigen tragischen Unfällen in der U-Bahn will die MVG nun doch mehr für die Sicherheit an den Bahnsteigen tun. Gleich mehrere Systeme werden getestet – auch die Videoüberwachung des Gleisbetts. Die Forderung gab es schon lange.

Der Pathologe sagte, Alexandra R. habe vor ihrem Tod nur eine Schrecksekunde erlebt. Sie habe nicht leiden müssen, tröstete der Mediziner die Mutter der Studentin. Die wollte Gewissheit haben, ob ihre Tochter Schmerzen erleiden musste, als die U2 deren Körper in der Nacht zum 11. Juni 2009 am U-Bahnhof Silberhornstraße zermalmte. Alexandra R. war zum Verhängnis geworden, dass sie blind ist. Sie hatte den Kupplungsbereich zwischen zwei U-Bahn-Zügen mit ihrem Blindenstock fälscherlicherweise als Waggontüre ertastet.

Der tragische Unfall hatte in München eine Diskussion über mehr Sicherheit an den Bahnsteigen in Gang gebracht. Bahnsteigtüren, mechanische Sperren zwischen den Waggons oder die Gleisraumüberwachung – das waren die Vorschläge, die Fahrgastverbände und der CSU-Stadtrat Georg Kronawitter immer wieder ins Feld führten. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) aber wiegelte ab, mit dem Argument, dass vieles zu teuer sei und man ja auch Eigenverantwortung fordern müsse.

Doch plötzlich kommt Bewegung in die Debatte. Denn die MVG will nun doch etwas für die Sicherheit tun. Es befänden sich mehrere Sicherungssysteme in der Prüfung, bestätigten die Verkehrsbetriebe gestern, nachdem Stadtrat Kronawitter die frohe Botschaft öffentlich gemacht hatte. Ein Ergebnis liege aber noch nicht vor, betonte die MVG.

Getestet werden soll, ob eine Überwachung des Gleisbetts mit Kameras und automatischer Bildananalyse möglich ist und welche Kosten entstehen. Rund 100 000 Euro werden laut MVG derzeit pro Bahnsteigkante veranschlagt. Bei 214 dieser Kanten in den 100 Bahnhöfen würde sich die Nachrüstung auf etwas mehr als 21 Millionen Euro belaufen. Bisher hatte die MVG immer einen dreistelligen Millionenbetrag genannt, der nötig wäre – allerdings war man dabei noch von der teureren Radar-Technik ausgegangen, wie sie bei der fahrerlosen U-Bahn in Nürnberg eingesetzt wird. Die Bildüberwachung soll an voraussichtlich zwei Bahnhöfen getestet werden.

Womöglich ließen sich mit dieser Technik Unfälle verhindern, wie sie sich im Herbst 2011 ereignet hatten. Gleich zweimal waren Betrunkene ins Gleisbett gefallen und überrollt worden. Einer lag fast vier Minuten da, bis die U2 kam.

Auch am sogenannten Kurzkuppelbereich bei Zügen älteren Datums will sich die MVG testweise zu schaffen machen. Angedacht ist, den Spalt zwischen den beiden fest gekuppelten Wagen zum Beispiel mit elastischen Bändern zu sichern, die Blinde mit dem Stock ertasten könnten. Auch hier soll es einen Pilotversuch geben. Denn auch hier gab es bereits einen Unfall. Ende Dezember war ein Blinder ausgerechnet durch diesen schmalen Spalt des Doppeltriebwagens gefallen. Er kam mit leichten Blessuren davon.

Schwieriger dürfte sich laut MVG jedoch die Sicherung des Kupplungsbereichs zwischen zwei Zügen gestalten. Eine mechanische Lösung scheide hier aus. Gestestet werden solle stattdessen, ob eine Infrarot-Überwachung möglich ist. Die hätte Alexandra R. womöglich das Leben gerettet.

CSU-Stadtrat Kronawitter und Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste zeigten sich erfreut über den Plan der MVG. Die Verweigerungshaltung sei einer Kooperationsbereitschaft gewichen, sagte Kronawitter. Nagel sprach von einem „riesigen Fortschritt“. Die MVG konterten, die Maßnahmen als „CSU-Erfolg“ zu verkaufen, sei „Unsinn“. Die Aktivitäten gingen ausschließlich auf „eigene Initiativen der MVG“ zurück.

Matthias Kristlbauer

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