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So teuer wurde München seit Olympia ‘72

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Die Preisentwicklung in 40 Jahren: Nicht in jedem Fall sind Daten verfügbar, die exakt für 1972 und 2011/12 gelten.(1 Der Golf ist erstmals 1974 vom Band gelaufen.(2 Die Wohnungsfertigstellung hat durch den Olympia-Boom ein einzigartiges Maximum erreicht. © Grafik: Ertl

München - Die Olympischen Spiele 1972 machten die Isar-Metropole weltbekannt. Das Ereignis brachte für die Münchner aber auch Negatives mit sich: Das Preisniveau ist in der Stadt seither weit stärker gestiegen als anderswo. Ein Überblick:

Vor 40 Jahren ist der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) gegründet worden, und mit den Jahren kletterten die Preise. Kostete 1972 eine Einzelfahrkarte 51 Cent, sind es heute 2,50 Euro. Beim Blick auf die Preissteigerungen wird deutlich, was beim MVV über all die Jahre Geschäftspolitik war: Wer mit Einzel- oder Streifenkarten reiste, wurde im Verlauf der Zeit merklich intensiver geschröpft als die Nutzer von Zeitkarten.

In Relation dazu finden sich in der Statistik zahlreiche andere Preissteigerungen im Verlauf der letzten vier Jahrzehnte (siehe Grafik). Die Schulden-Entwicklung der Stadt hat dabei mit einem Plus von 1238 Prozent den Vogel abgeschossen.

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Im Olympiajahr 1972 lag der Schuldenstand der Stadt München noch bei 125 Millionen Euro (alle DM-Preise sind auf Euro umgerechnet), in der Zeit der Rettungsschirme ein fast niedliches Sümmchen. Inzwischen hat der Stadtrat mächtig Kredite draufgepackt und einen Schuldenberg von 1673 Millionen Euro angehäuft. Gerade im letzten Jahrzehnt haben sich die Stadtoberen aber bemüht, bei guter Kassenlage nicht alles zu verfrühstücken, sondern Schulden abzubauen. „Wir haben die Schulden nur für Investitionen aufgenommen“, verlautet dazu aus der Kämmerei. Um dies beispielsweise auch in den Krisenjahren 2002 bis 2004 durchzuhalten und ein hohes Investitionsniveau halten zu können, wurde der Schuldenstand um stattliche 50 Prozent ausgeweitet.

Für Olympia 1972: Vor 40 Jahren war hier die größte Baustelle

Die Gewerbesteuer-Einnahmen, die wichtigste Geldquelle der Stadt, sind seit 1972 um 494 Prozent gestiegen. Es hat sich ausgezahlt, dass man im Rathaus stets solche Firmen und Einrichtungen besonders gepflegt hat, die als Faktoren mit Zukunft galten. Es handelt sich um eine kleine Minderheit von Unternehmen, die überhaupt in die Gewerbekasse einzahlen, in der Spitze um die Abgaben einzelner Firmen, die dreistellige Millionenbeträge ausmachen.

Unterdessen entwickelten sich die Einkommen von Otto-Normalmünchner weit weniger stürmisch. Hier ist die Statistik mit Vorsicht zu genießen, weil die Vergleichbarkeit bei Lohn- und Gehaltsgruppen nur bedingt möglich ist. Aber der Autoabsatz und die wachsende Reiselust des Volkes belegen, dass der Wohlstand auch beim „kleinen Mann“ Einzug gehalten hat.

Ganz allgemein kann man festhalten: Der Anstieg bei vielen Produkten hängte die Entwicklung der statistischen Verbraucherpreise ab, die seit 1972 lediglich um 188 Prozent stiegen. In dem amtlich ermittelten Verbraucherpreisindex sind viele Waren und Dienstleistungen enthalten – vom Frühstücksei bis zur Miete.

Das Erfolgsauto Golf ist mit seinem Urahn von 1974 technisch kaum noch vergleichbar. So auch der Preis. Doch die Relation zwischen den Einkommen einst und jetzt zeigt: Ein Golfkäufer muss heute oft noch etwas eiserner sparen. Vergleichsweise zahm nehmen sich die Preiserhöhungen bei Lebensmitteln aus. Die Wiesn-Wirte dagegen werden ihrem Image gerecht: 490 Prozent Zuschlag für die Mass Bier sind Ausfluss einer marktbeherrschenden Stellung.

Die Wohnungsproduktion erreichte 1972 ihr Maximum von 22 083. Der Boom führte damals sogar zu Leerständen – sonst ein Fremdwort für München. Doch 10 000 bis 16 000 Wohnungen wurden in jener Zeit durchaus fertiggestellt, zum Beispiel entstand Neuperlach. Heute erreicht die Stadt nicht einmal das selbstgesteckte Ziel von 7000 neuen Wohnungen jährlich.

Wie sich die Verknappung des Wohnraums auswirkt, zeigt der stramme Preisaufschwung bei den Mieten, der unvermindert anhält. Ein Ende der Aufwärts-Tendenz ist nicht in Sicht. Bei Steigerungen von 300 und mehr Prozent wird der finanzielle Spielraum der Münchner immer enger.

Von Eberhard Geiger

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