Kampf um den Arbeitsplatz: 800 Mitarbeiter von SIS, der IT-Sparte von Siemens, demonstrierten gegen den angekündigten Stellenabbau. Deutschlandweit sollen 2000 Stellen wegfallen, viele davon am Werk in Perlach. foto: klaus haag

„Tiefpunkt der Unternehmenskultur von Siemens“

München - 2000 Stellen will Siemens in seiner IT-Abteilung streichen - den größten Teil wohl in München. Die Mitarbeiter lassen sich das nicht gefallen. In München gehen sie jetzt auf die Straße.

Seit 20 Jahren arbeitet Peter Bier für Siemens. Vergangene Woche wollte er sich eigentlich gemütlich entspannen. Doch mit der Urlaubs-Erholung wurde es nichts. Am Donnerstag gab Siemens bekannt, dass bei der IT-Sparte „SIS“ deutschlandweit 2000 Stellen gestrichen werden sollen (wir berichteten). Damit ist auch der Arbeitsplatz von Bier in Gefahr.

Für Bier passt der geplante Stellenabbau in das Gesamtbild seines Arbeitgebers. „Es ist nur eine Gemeinheit mehr.“ Deshalb steht der grauhaarige Siemensianer am Montagvormittag mit roter Warnstreikweste und Kappe vor dem Werkstor in Neuperlach und demonstriert zusammen mit etwa 800 der insgesamt 3200 SIS-Angestellten gegen die Pläne von Siemens. „Wir müssen was dagegen tun. Ich denke der Protest ist nicht wirkungslos“, sagt Bier.

Mit Trillerpfeifen ziehen die Demonstranten über die Carl-Wery-Straße bis vor das Werk am Otto-Hahn-Ring. In vielen Gesichtern spiegeln sich Frust und Enttäuschung wider. „Ich bin ziemlich sauer. Dauernd wird umorganisiert, aber die, die eigentlich umorganisiert gehören, sind immer noch die Gleichen“, regt sich Thomas Hartl auf. Seinen Kollegen Andreas Passvogel ärgert insbesondere, dass es „immer mehr offene Punkte und immer weniger Klarheit“ gibt.

Viele der Betroffenen haben die Hoffnung aber noch nicht völlig verloren. „Einige Punkte stehen noch zur Debatte“, sagt Peter Bier mit Blick auf die bevorstehenden Verhandlungen. Es sei wichtig, ein Zeichen zu setzen, sind sich die Demonstranten einig.

Mit der Erklärung der Siemens-Führung von letzter Woche stehen die Zeichen also auf Konfrontation. Sollten tatsächlich 2000 Stellen fallen, dürfte München als größter SIS-Standort davon besonders betroffen sein. Außerdem soll SIS aus der Siemens AG ausgegliedert werden. Dabei wurde die Sparte erst 2007 in den Konzern eingegliedert. „Da gibt es überhaupt kein Konzept“, schimpft SIS-Mitarbeiter André Rose.

Auch die interne Kommunikation von Siemens stört die Demonstranten. „Das Erschreckende ist, dass wir den Stellenabbau erst aus der Zeitung erfahren haben“, beschwert sich ein langjähriger Mitarbeiter.

Der Protest ist für die Angestellten nichts Neues. Bereits zum dritten Mal sind die Siemensianer für ihre Arbeitsplätze auf die Straße gegangen. Die Beteiligung steigt stetig. „Resignation ist das falsche Signal“, erklärt Gewerkschaftssekretär Martin Kimmich, der sich über die große Beteiligung freut.

Auch Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag, zeigt sich mit den Demonstrierenden solidarisch. „Das ist der Tiefpunkt der Unternehmenskultur von Siemens. Wir wollen den Stellenabbau mit allen Mitteln verhindern.“

Für die Gewerkschaft hat der Arbeitskampf erst begonnen. „Der nächste Schritt ist eine Demonstration am Wittelsbacherplatz“, kündigt Kimmich an – dort sitzt die Zentrale von Siemens.

Sascha Wittich

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