Tiefste Höhle Deutschlands - 1056 Meter tief ins Riesending

Fünf Tage ohne Tageslicht, mehr als tausend Meter tief: Höhlenforscher sind am Untersberg bei Berchtesgaden so tief ins Erdreich vorgedrungen wie noch niemand zuvor in Deutschland. Am Ziel sind sie aber noch nicht.

Schon seit 1981 erkundet die Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstadt die unzähligen Karsthöhlen des Untersbergs, und als sie 1995 in einem neu entdeckten Schacht nach 15 Metern durch Eis und Schnee gestoppt wurden, ahnten die Forscher: Das ist ein Riesending. "Bei diesem Arbeitstitel ist es geblieben", sagt Thomas Matthalm (32) von der Arge Bad Cannstadt. Die Schachthöhle machte ihrem Namen auch alle Ehre, wie sich in rund 40 Expeditionen seit 2002 herausstellen sollte. Immer weiter ging es in den Berg, über 180 Meter tiefe Schächte, wasserdurchtoste Canyons und riesige Hallen. Jetzt schaffte es ein Team auf 1056 Meter Tiefe - das erste Mal, dass die Kilometer-Marke in Deutschland geknackt worden ist. Als "Sensation für die deutsche Höhlenforschung" wertete das Bärbel Vogel, Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher.

Um eine Rekordjagd geht es den Forschern aber nicht, betont Matthalm, sondern um wissenschaftliche Erkenntnisse unter anderem zur Geologie. "Wir wollen auch keine Leute anlocken, die das als Gaudi machen. Wer meint, das ist wie bei einer Kletterwand, bekommt Probleme. Uns liegt die Sicherheit sehr am Herzen." Dementsprechend war das fünfköpfige Arge-Team, das bereits unzählige Expeditionen auch im Ausland absolviert hat, ausgerüstet. 20 Kilo Gepäck hatte jeder dabei, vor allem Klettermaterial - drei Kilometer Seil mussten die Forscher mitschleppen. Dazu kommen Vermessungsgeräte sowie Verpflegung aus gefriergetrockneter Fertignahrung.

Denn der Weg in die Tiefe ist alles andere als leicht. In völliger Dunkelheit, nur erhellt durch Stirnlampen, kämpfen sich die Forscher in die Tiefe. Zum Teil mussten extrem enge Passagen auf dem Bauch durchrobbt werden. Die Luftfeuchtigkeit im Riesending beträgt fast 100 Prozent, die Temperatur 3,5 Grad. Matthalm, der gesundheitliche Probleme hatte, musste bereits am ersten Tag umkehren. Ulrich Meyer (34), der konditionsstärkste des Trupps, schleppte sogar ein Schlauchboot mit. Denn bei der bislang letzten Expedition ins Erdinnere hatten die Forscher einen 30 Meter langen See entdeckt. Allein zwei Tage brauchte das Team, um bis dorthin vorzustoßen.

Da blieb nicht mehr viel Zeit, um neue Gänge zu vermessen. 800 Meter schaffte das Team schließlich, 9000 sind es insgesamt. Jeder neue Meter muss schwer erkämpft werden. "Viel mehr ist kaum zu schaffen", sagt Meyer. Denn tagelange Anstrengung, Dunkelheit und Kälte belasten auch die Psyche extrem: "Irgendwann ist man nicht mehr so aufmerksam, da darf man nicht nachlassen."

Fünf Tage waren sie jetzt unterwegs, sechs Tage seien wohl auch noch drin. Doch eine Woche wird schwer. Da trifft es sich gut, dass das Ende vermutlich nicht mehr weit ist. Matthalm schätzt, dass die Riesending-Höhle noch 100 bis 150 Meter weiter in die Tiefe geht. "Dann kommen wir ans Grundwasser." Und die Experten glauben auch schon zu wissen, wo sie irgendwann rauskommen können: an der Fürstenbrunner Quellhöhle im Norden des Untersbergs.

Doch bis dahin sind es vier Kilometer, da sind noch einige Expeditionen fällig. Die nächste ist bereits in Vorbereitung. Dann geht's wieder an den unterirdischen See. "Da haben wir den stärksten Luftzug gespürt", sagt Meyer.

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