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Mit Fußfesseln fixiert: Darmstädter Veterinäre zeigten Krone wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz an.

Tierquälerei im Circus Krone?

München - Der Circus Krone ist ins Visier mehrerer Behörden geraten. Der Vorwurf: Tierquälerei. Auch die Tierschutzorganisation „Peta" hat bei Recherchen alarmierende Zustände aufgedeckt. Das Münchner Traditionshaus erklärt, es habe sich nichts vorzuwerfen.

Der Circus Krone muss sich kommenden Februar vor dem Amtsgericht Darmstadt verantworten. Ihm wird vorgeworfen, 2006 gegen das deutsche Tierschutzgesetz verstoßen zu haben. Das berichtete gestern das ARD-Magazin „Report Mainz“. Auch während der diesjährigen Tournee habe es an zahlreichen Gastspielorten Verstöße gegeben.

Flusspferddame „Poppäa“ etwa sei bei einer Lufttemperatur von 6,5 Grad gehalten worden. Die Mindestanforderung an die Haltung von Säugetieren sieht eine Temperatur von 18 Grad vor. Zudem hatten Pferde nicht den erforderlichen Auslauf und Affen wurden in einem Transportwagen ohne Außengehege gehalten. Ein Elefant sei während der Vorstellung sogar zum Handstand gezwungen worden – eine „nicht tiergerechte Dressurleistung“, zitiert Albrecht Simon, Vizepräsident des Amtsgerichts Darmstadt, das tierärztliche Gutachten.

Alarmierende Bilder gibt es von den Elefanten. Die Tiere sind darauf mit Fußfesseln fixiert. Eitrige Abszesse und deformierte Füße sind laut dem TV-Bericht die Folge. Ebenso Verhaltensauffälligkeiten wie das sogenannte Weben – ein eintöniges Hin-und Herschaukeln des Oberkörpers.

Das Darmstädter Veterinäramt hatte die Missstände bei Routinekontrollen entdeckt und Zirkusdirektorin Christel Sembach-Krone ein Bußgeld von 2500 Euro auferlegt. Krone legte Widerspruch ein, weshalb die Ordnungswidrigkeit nun vor Gericht landet.

Auch heuer geriet Krone im Landkreis Bad Kreuznach ins Visier der Behörden: „Da werden Mindestwerte unterschritten, das ist Tierquälerei“, erklärte Amtstierärztin Barbara Rustige. Sie sei überrascht, dass ausgerechnet das Vorzeigeunternehmen Krone die Zirkusrichtlinien nicht einhalte.

Viel Gitter, wenig Platz: Eine Löwin im Circus Krone. Ins Außengehege kommen die Tiere laut „Peta“ nur selten.

Auch die Tierschutzorganisation „Peta“ hat im Circus Krone seit rund einem Jahr verdeckte Recherchen betrieben, wie der Agrarwissenschaftler Edmund Haferbeck bestätigte. Es stehe fest, dass dort „noch nicht einmal ,normale‘ Tiere wie etwa Pferde richtig gehalten“ würden. Ziel der Tierschützer ist in erster Linie, dass das bereits 2003 vom Bundesrat beschlossene Verbot der Haltung von Wildtieren im Zirkus umgesetzt wird. Haferbeck: „Horst Seehofer hat das in seiner Zeit als Agrarminister systematisch missachtet.“ Deshalb habe Peta beschlossen, sich „das Paradeunternehmen, das immer als bester und tollster Zirkus dargestellt wurde, genauer anzuschauen“.

Der Circus Krone, der sich gerade auf die Winter-Premiere in seinem Festbau an der Marsstraße vorbereitet, wollte sich gestern nicht zu den Vorwürfen äußern: „Ich könnte Stellung beziehen, weil wir uns nichts vorzuwerfen haben, aber das Kreisverwaltungsreferat hat uns empfohlen, uns nicht zu äußern“, sagte Sprecherin Susanne Matzenau.

Beim Münchner Veterinäramt wiederum fällt das Urteil weniger kritisch aus. Das seit einem Jahr dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) angegliederte Amt ist nur für München zuständig. Der Zirkus werde alle sechs bis acht Wochen kontrolliert, erklärte Horst Reif, Stadtdirektor im KVR. Dennoch räumt Reif ein, dass es auch hier immer wieder Beanstandungen gab. Den Auflagen käme der Zirkus immer sofort nach. Zuletzt bemängelten städtische Tierärzte, dass einige Pferde zu kleine Boxen hätten und andere zu wenig bewegt würden. Beanstandungen auch bei den Elefanten, den Krone-Wappentieren: Sie waren lange angeleint und wurden zu selten gewaschen.

Laut Reif gab es nach Bekanntwerden der Vorwürfe aus anderen Städten vergangene Woche in München eine Krisensitzung mit Vertretern anderer Veterinärämter. Einige Tierärzte hätten dabei ihre „Extremstandpunkte relativiert“.

Ob sich relativieren lässt, was „Peta“ dem Zirkus weiter vorhält, ist unwahrscheinlich: Der Zirkus werbe mit einer Ehrennadel, die ihm der Tierschutzverein München „für vorbildliche Pflege und Unterbringung der Krone-Tiere“ verliehen habe. Vereins-Vorsitzender Kurt Perlinger weiß davon nichts: „Wir vergeben keine Ehrennadel für die Tierhaltung.“

Von B. Stuhlweissenburg, S. Rieber und C. Wörmann

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