Walter Sedlmayr Nockherberg
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Walter Sedlmayr, ein bayerisches Original (hier am Nockherberg) mit privaten Vorlieben, die für viele Fans Abgründe waren. Sein qualvoller Tod jährt sich am heutigen 14. Juli zum 25. Mal.

Zum 25. Todestag

Walter Sedlmayr: Der Mord, der München schockte

  • Carina Zimniok
    vonCarina Zimniok
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  • Stefan Sessler
    Stefan Sessler
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München - Er war einer der großen Volksschauspieler: Kaum einer hat den bayerischen Grantler besser verkörpert als Walter Sedlmayr. Als er vor 25 Jahren ermordet wurde, war das ein Schock für seine Fans – auch, weil sein zweites Gesicht bekannt wurde.

Als die Münchner vom Tod, vom brutalen Mord an Walter Sedlmayr erfahren, gehen sie dahin, wo sie dem Volksschauspieler, dem Fastenprediger vom Nockherberg, dem Paradebayer, am nächsten sein können. Sie gehen dahin, wo sie den neuesten Ratsch hören, nämlich gleich am Viktualienmarkt. Dort hat Sedlmayr sein Wirtshaus „Zum Sedlmayr“. Hunderte Münchner stehen einen Tag, nachdem die blutüberströmte Leiche in der Elisabethstraße 5 gefunden worden ist, davor. Aber sie kommen nicht rein, ein Schild hängt draußen: „Heute geschlossen.“ Dafür machen Gerüchte die Runde. Unfassbare Geschichten.

Der 64-jährige Sedlmayr, Sohn eines Münchner Tabakhändlers, soll ein Doppelleben geführt haben. Er soll sich regelmäßig männliche Prostituierte in seine Wohnung nach Schwabing bestellt haben. Damals und wahrscheinlich heute noch ein Tabu-Thema. Von Sadomasochismus ist auf einmal die Rede, von Sex und Fesselspielen. Ein Polizeisprecher erklärt schon wenige Stunden nach dem Fund der Leiche durch Sedlmayrs 27-jährigen Privatsekretär, dass der Täter wohl aus homosexuellen Kreisen stamme. Neben dem toten, blutüberströmten Fernsehstar haben die Ermittler eine Lederpeitsche und Kondome gefunden. In der Wohnung fehlen 7500 Mark, Familienschmuck, Münzen. Der Raubmord eines Strichers? Eine falsche Spur, doch das ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand (siehe Interview).

Eine Legende: Sedlmayr mit Elmar Wepper und Uschi Glas in der TV-Serie „Polizeiinspektion 1“.

Die Münchner trauern um ein Original, 3000 nehmen Abschied auf dem Waldfriedhof. Und zugleich hadern sie mit einem, den sie geliebt haben. Die Paulaner Brauerei lässt sofort die Plakate überkleben, die in der ganzen Stadt hängen. Darauf schenkt sich ein gut gelaunter Sedlmayr ein Weißbier ein. So kennt man ihn: ein liebevoll-grantiger Bayer mit Schnauzbart und gemütlichem Bauch. Ein bodenständiger Schauspieler und Wirt, der durch seine Rollen in Serien wie „Polizeiinspektion 1“ und „Der Millionenbauer“ berühmt wurde. „Man kann ja nicht einen lachenden Menschen zeigen, der inzwischen ermordet wurde“, sagt der damalige Paulaner-Vorstand Friedrich Schneider.

Der Sarg des ermordeten Volksschauspielers Walter Sedlmayr wird am 16.7.1990 um 2 Uhr 30 aus der Wohnung gebracht.

Der Mord schockt die Stadt, aber sie kann sich von dem Grauen auch nicht abwenden. Die Boulevardzeitungen machen wochenlang Schlagzeilen mit immer neuen Details. Allein die tz druckt 30 Sedlmayr-Titel in Folge – bis heute Rekord. 550 000 Mark Belohnung werden ausgesetzt, 2000 Hinweise gehen ein. Trotzdem dauert es fast ein Jahr, bis bei Sedlmayrs Mördern die Handschellen klicken.

Die Polizei durchkämmt die Stricherszene. Auch Privatsekretär D., der die Leiche entdeckt hat, steht unter Verdacht. Tatsächlich hat er Dreck am Stecken, er wird später verurteilt, weil er Sedlmayrs Testament gefälscht hat. Sein Mörder ist er nicht. Sehr schnell gerät aber Werner W. ins Visier. Ihm hat Sedlmayr einst vertraut wie seinem eigenen Kind. W. ist der Ziehsohn des Schauspielers. Mit ihm betreibt er den „Sedlmayr“, er soll sieben Millionen erben – doch dann kriegt der Schauspieler spitz, dass der Geschäftspartner ihn betrügt. Er droht, ihn zu enterben. Sein Todesurteil.

Werner W., heute 59 Jahre, und sein zwei Jahre älterer Halbbruder Manfred L. betreten die Wohnung, quälen Walter Sedlmayr und bringen ihn um. Die Ermittler überführen die Mörder, vor allem indem sie – nicht ganz unumstritten – V-Männer einsetzen. Eine Freundin erzählt einem Spitzel, die Tatwaffe, der Hammer, stamme aus ihrem Haushalt.

Am 21. Mai 1993 werden die beiden zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Gestanden haben sie nie. Inzwischen sind beide wieder auf freiem Fuß. 

Lesen Sie auch: Interview mit den damaligen Ermittlern im Mordfall Sedlmayr

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