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Tödliche Stürze in U-Bahn: Diskussion um Radar im Gleisbett

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München - Der Streit über die Sicherheit der Münchner U-Bahn ist erneut im Rathaus hochgekocht. CSU-Stadtrat Georg Kronawitter drängt seit langem darauf, den Einsatz von Systemen zur Überwachung des Gleisbetts zu prüfen.

Auch für Blinde, die in den schmalen Kupplungsspalt der älteren Züge stürzen könnten, müsse etwas getan werden. Nun griff Kronawitter die Verkehrsgesellschaft (MVG) erneut scharf an.

„Es ist ein Versagen der Geschäftsführung, dass wir in den letzten Jahren beim Thema Sicherheit keinen Meter weitergekommen sind“, schimpfte er. Nach einer tragischen Serie von tödlichen Unfällen durch Gleisstürze sei er „fassungslos“ über die „Zeitverschwendung“. Inzwischen ist aber – zur Freude des CSU-Stadtrats – durchaus Bewegung in die Sache gekommen.

Noch im Dezember 2011 hieß es seitens der MVG, die geforderten Sicherheitssysteme würden mehr als 200 Millionen Euro kosten und seien praktisch unbezahlbar. Laut U-Bahn-Chef Günther Pedall gebe es mittlerweile aber „funktionsfähige“ und „betriebssichere“ Lösungen, die auch finanzierbar seien. Die wolle man jetzt prüfen.

Zwei Varianten der Gleisraumüberwachung werden aktuell unter die Lupe genommen: Die eine mit Hilfe von Kameras und automatischer Bildanalyse, die zweite mit Radar (Mikrowellen). Beide Systeme sollen zunächst im Rahmen von Pilotprojekten getestet werden, ob sie unter den Bedingungen der Münchner U-Bahn einsetzbar und vor allem auch ausreichend wirksam wären. Zu klären seien außerdem die Kosten. Pedall schätzt diese auf über 100 000 Euro pro Bahnsteigkante – bei 100 Bahnhöfen käme somit ein zweistelliger Millionenbetrag zusammen.

Geplant ist eine Testanwendung an zwei U-Bahnstationen, eine davon könnte jene am Rotkreuzplatz sein. Dort sollen jeweils beide Systeme – Video und Radar – am gleichen Bahnsteig zum Einsatz kommen, um unter identischen Bedingungen die jeweiligen Stärken und Schwächen der beiden Systeme prüfen zu können.

Während die MVG nun erste Maßnahmen ergreift, mühte sich SPD-Fraktionschef Alexander Reissl, die Wogen im Streit mit der CSU zu glätten. „So bitter jeder einzelne Unfall ist, so muss man doch die Kirche im Dorf lassen“, sagte er in Richtung Kronawitter. „An jedem Bahnsteig, selbst an gesicherten Hochgleisen, kommt es zu Unfällen. Eine hundertprozentige Sicherheit wird man nie bekommen.“ Auch Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher meinte: „Der Nahverkehr in München muss sich in puncto Sicherheit nicht verstecken.“ Ein System zur Gleisbettüberwachung an 100 Bahnhöfen einzuführen, bedeute erhebliche Kosten. „Das muss gut überlegt sein.“

Thomas Schmidt

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