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Vor Gericht: Ralf H. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

Prozess am Landgericht

Tödlicher Streit: Architekt wegen Schubser vor Gericht

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Ein Architekt schubste in Obergiesing einen Rentner um, der durch den Sturz tödliche Verletzungen erlitt. Nun begann der Prozess gegen Ralf H.

München - Immer wieder fährt er sich durch die Haare, rückt seine Brille zurecht, zupft an seinem Sakko. Lange hat Ralf H. (51) auf den gestrigen Tag gewartet, nun kann er sich endlich erklären. „Es tut mir so leid, ich habe das nicht gewollt“, sagt der Architekt.

Seit Montag wird ihm am Landgericht der Prozess gemacht. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Es ist ein Tatbestand, bei dem man schnell an Gewaltverbrechen denkt. Doch dieser Fall ist anders. Ralf H. hat sich mit einem Rentner auf der Straße gestritten und ihn geschubst. „Es war nur eine leichte Bewegung“, sagt Ralf H. Doch sie hat ausgereicht, um Eduard K. (78) zu Fall zu bringen. Der Rentner stürzte, zog sich eine Hirnblutung zu, und starb später an den Folgen.

Für die Tat muss sich Ralf H. nun verantworten. Laut Anklage hatte er den Rentner mit einem Teppich gestreift, den der Architekt auf dem Gepäckträger seines Fahrrads transportiert hatte. Für seine Nachbarin wollte er den Teppich eigentlich nur zur Reparatur bringen und suchte am Ostfriedhof nach einem Geschäft. In der St.-Bonifatius-Straße (Obergiesing) kam ihm Eduard K. entgegen. „Er schrie mich an, weil ich auf dem Bürgersteig fuhr, und packte mich um den Hals“, sagt Ralf H. „Zwangsweise musste ich vom Rad absteigen. Ich wollte mir das nicht gefallen lassen.“

Ralf H. bereut die Tat zutiefst

Als Eduard K. schon zwei Schritte entfernt war, lief er ihm hinterher. „Ich habe ihn leicht am Oberarm geschubst. Er ist dann direkt hingefallen.“ Und zwar mit dem Gesicht auf den Boden. Mit blutender Platzwunde an der Stirn lag der Rentner auf der Straße. „Ich war geschockt – auch, dass er überhaupt das Gleichgewicht verloren hatte. Dann habe ich gleich Hilfe geholt“, sagt Ralf H. Gemeinsam mit anderen Passanten versuchte er Eduard K. noch zu helfen. Doch K. ging es immer schlechter. Als die Rettungskräfte eintrafen, war er zwar noch ansprechbar. Beim Sturz hatte er aber eine lebensgefährliche Hirnblutung erlitten. Nach wochenlanger Behandlung starb er schließlich am 10. Juni 2016 im Krankenhaus.

„Wenn er jetzt hier wäre, würde ich ihm gerne sagen, wie leid es mir tut“, sagt Ralf H. Ihm geht der Vorfall sichtlich nahe. Der Familie hat er über seinen Anwalt ein Schmerzensgeld angeboten.

Vor Gericht geht es nun um die Frage, ob der Schubser geplant war – oder „im Affekt“ passierte, wie H. behauptet. Es ist ein Fachbegriff, wie ihn eigentlich eher Anwälte als Angeklagte verwenden. Entsprechend die Nachfrage des beisitzenden Richters Matthias Gröschel: „Welches Gefühl hat Sie davor bewegt?“ Ralf H. muss lange überlegen. Er findet keine Antwort. „Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie sauer waren?“ Das findet Ralf H. logisch und nickt: „Ja.“ Dann sagt er: „Ich habe nicht nachgedacht.“ Er hält kurz inne. „Sonst hätte ich es nicht gemacht.“

Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. Am 14. Juli will der Vorsitzende Richter Michael Höhne das Urteil fällen. Im schlimmsten Fall muss Ralf H. mit einer Haftstrafe rechnen.

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