"Toleranz ist die Seele Europas"

Tutzing - Mit einem Festakt feierte die Evangelische Akademie Tutzing gestern ihr 60-jähriges Bestehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt die Festrede.

Angesichts globaler Herausforderungen durch Terrorismus und Klimawandel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die 27 EU-Staaten zu mehr Geschlossenheit aufgerufen. Nur wenn die Europäer gemeinsam ihr Gewicht in die Waagschale werfen würden, könnten sie Bedrohungen etwa durch den Iran begegnen, sagte Merkel in der Akademie am Starnberger See.

"Wie sollen wir das schaffen, wenn in Europa keine Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit vorhanden ist?" Zugleich forderte die Kanzlerin von Bürgern, Staat und Kirche mehr Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft ein. Maßgeblich sei dabei die Toleranz gegenüber anderen. "Toleranz ist für mich die Seele Europas", sagte Merkel.

Der Ende Juni unter deutscher Ratspräsidentschaft auf dem EU-Gipfel beschlossene neue Grundlagenvertrag könne in seiner Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden, sagte Merkel. Die Einigung habe gezeigt, dass Europa im Stande sei, "trotz unterschiedlicher Interessen, die zum Teil auch extensiv ausgelebt werden, am Ende zusammenzukommen".

Die Kirchen forderte Merkel auf, im gesellschaftlichen Diskurs ihr "öffentliches Wächteramt" wahrzunehmen und sich in Zukunftsfragen einzumischen. Die Kanzlerin sprach sich für einen regelmäßigen Dialog mit den Kirchen aus, wie er auch im EU-Grundlagenvertrag vereinbart worden sei. Nötig sei dabei ein "ehrliches Gespräch".

Die Kanzlerin würdigte die Evangelische Akademie als "Raum des Nachdenkens und der Einkehr". Sie sei "Diskussionsforum und Denkwerkstatt zugleich. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) nannte die Akademie einen "Ort der Bildung und des Dialogs für jedermann". Das Institut "prägt den Zeitgeist, ohne ihm hinterherzulaufen", sagte er. An der 1947 gegründeten Evangelischen Akademie waren in den vergangenen sechs Jahrzehnten fast alle Bundespräsidenten und Kanzler zu Gast ­ angefangen mit dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer. Bayern sei stolz darauf, so Stoiber, Heimat dieser herausragenden Bildungseinrichtung zu sein, die das gesellschaftliche Wertefundament entscheidend mitgestalte. Der christliche Blickwinkel sei für die menschenwürdige Gestaltung der Globalisierung unverzichtbar. Die Veranstaltungen im Tutzinger Schloss ziehen jährlich fast 20 000 Teilnehmer an.

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