Glück gehabt: Sandra Giltner ist froh, wenn geschmuggelte Welpen überleben. Kurzendörfer

Geschmuggelte Hunde und Katzen

Tollwutgefahr: Tierheim München schlägt Alarm

München - 173 Jahre ist der Tierschutzverein im Münchner Osten jetzt alt. Und hört man dem Vorstandsvorsitzenden Kurt Perlinger zu, dann wird einem Bange. „Wir sind am Limit“, sagt er.

Seine Beisitzerin, die Tierheimleiterin Sandra Giltner, drückt es nicht weniger drastisch aus: „Wenn es so weitergeht wie bisher, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Hund Tollwut hat.“

Der Grund für diese Angst ist der dramatisch steigende, illegale Handel mit Hundewelpen aus dem Ausland, meist Rassetieren, insbesondere aus „nicht gelisteten Drittländern“, sagt Giltner. Hier seien die Papiere regelmäßig gefälscht. „Oft steht im Impfpass, dass der Welpe zum Beispiel am 10. August gegen Tollwut geimpft wurde. Aber das offizielle Geburtsdatum ist der 12. August.“

Vor allem die Quarantäne-Station im Münchner Osten ist deshalb komplett ausgelastet. Sie müsste zudem dringend modernisiert und ausgebaut werden. Denn jeder Hund, dessen Tollwut-Impfung nicht nachgewiesen werden kann, muss erst einmal in diese Quarantäne, manchmal über Wochen, um sicher zu gehen. So sieht es das Gesetz vor. „Das Seuchengesetz steht über allem in Deutschland. Wir hören dann die Welpen tagelang weinen“, sagt Giltner. Fatal sei es zudem, dass die Tiere in einer öden Umgebung sozialisiert würden, nicht im Freien herumtollen dürften und die Natur in der wichtigen Prägungsphase der ersten Lebenswochen nicht kennenlernten. Viel dramatischer ist jedoch, dass die Welpen viel zu früh von ihren Müttern getrennt wurden, damit sie Schmuggler gewinnbringend verkaufen können. Denn: „Wenn ein Welpe nicht lange genug Muttermilch bekommt, so genannte Biestmilch, dann entwickelt es keine Abwehrkräfte. Viele der geschmuggelten Welpen landen über kurz oder lang bei uns und sterben elendig“, so Perlinger.

Die Tiere, häufig teure Hunde- oder Katzenrassen aus Rumänien, Ukraine, Serbien oder Ungarn, werden im Kofferraum, in Schuhschachteln oder in der eigenen Tasche geschmuggelt. Sie kommen geschwächt in Deutschland an und werden oft an Rastastätten oder dunklen Parkplätzen verkauft, für 350 bis 400 Euro. Die geschwächten Tiere landen in einer Münchner Familie. Nach einigen Tagen erkranken sie. Die Besitzer wissen nicht mehr weiter. Häufig kaufen sie die Tiere mit bestem Wissen und Gewissen, erkennen die gefälschten Unterlagen nicht. Dann bringen sie die Tiere ins Heim. Hier stellt man fest, dass der Hund keine ordentlichen Papiere hat, man kann also die Impfgeschichte nicht nachverfolgen. Sie kommen in Quarantäne, vereinsamen und sterben.

„Unsere Quarantäne ist über 40 Jahre alt und müsste dringend modernisiert werden. Wir planen schon eine Erweiterung, die spätestens 2018 stehen soll“, sagt Giltner. „Diese moderne Quarantäne wird uns weit über eine Million Euro kosten, das können wir alleine nicht schultern“, sagt Perlinger.

Gegen die Tierschmuggler sind dem Tierschutzverein rechtlich die Hände gebunden. „Wir bräuchten in Bayern dringend das Verbandsklagerecht. Das würde den Schmuggel eindämmen“, sagt Perlinger. Aber die Politik wehre sich dagegen. Für dieses Recht demonstriert der Münchner Tierschutzverein am Donnerstag auf dem Odeonsplatz. Münchner Prominente haben sich ebenfalls angekündigt. Beginn ist um 16 Uhr. 

 Hüseyin Ince

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