Kultur-Urlaub in aller Ruhe: neue Werbung für München. fkn

Tourismus-Werbung: München will mehr sein als die Wiesn

München - Die Landeshauptstadt hat ein neues Tourismus-Konzept mit Fokus auf die Kultur an gekündigt. Ziel ist ein "moderat wachsender Markt“.

Josef Schmid kennt die Macht der Bilder. Der CSU-Bürgermeister wurde viel gelobt für seinen Wahlkampf. Auch jetzt, im neuen Amt, dürfte er der bestberatene Münchner Kommunalpolitiker sein. Gestern aber klaffte eine ungewohnt große Lücke zwischen Auftritt und Inhalt. Schmid erschien in Lederhose, Trachtenhemd, Gilet vor der Presse. Und erklärte ausführlich, dass München weg will vom Wiesn-Image. Genauer: Weiter fürs Oktoberfest bekannt sein, aber zunehmend auch für seine kulturellen Schätze. Denn das, so hat die Stadt in einer umfangreichen Studie herausgefunden, ist bisher nur sehr wenig der Fall.

Tausende Personen wurden in der Marktanalyse seit 2013 befragt. Tourismus-Experten, Gäste der Stadt - und vor allem Menschen in aller Welt, die noch nicht in München waren, aber bald als Touristen in die Stadt kommen könnten.

Allgemein wird München als „freundlich“ wahrgenommen - und als eine Stadt, in der man als Besucher nicht nur besichtigen, sondern mitmachen kann - etwa im Biergarten oder auf der Wiesn. Auf diesem Gefühl wollen die Tourismus-Strategen aufbauen. Andererseits sehen sie viel Potenzial. Weltoffen oder als Kulturstadt sehen diejenigen, die noch nie in München waren, die Stadt nämlich eher nicht - trotz des Museumsquartiers und der „Weltklasse-Orchester“, auf die Bürgermeister Schmid gestern wieder stolz verwies. „Als Kreativstandort sind wir in der Außenwahrnehmung nicht vorhanden“, bilanzierte Tourismus-Chefin Geraldine Knudson. Im Kultur-Bereich habe man „Schätze, die werden nur wahrgenommen von denen, die hier sind oder schon mal da waren.“ Potenzielle München-Touristen sehen auf den ersten Blick eben das Oktoberfest, so die Studie. Sind sie kulturinteressiert, wenden sie sich möglicherweise also eher anderen Städten zu.

Noch in diesem Jahr soll das neue Tourismus-Konzept, das gemeinsam mit der Tourismus Initiative München (TIM) erarbeitet wird, konkreter werden. Schon jetzt aber gibt es erste Motive. Eines zeigt ein junges Paar, das auf dem Königsplatz sitzt. „Zeit für München. Zeit für Kultur.“ steht darauf.

Die Stadt wünscht sich einen langsam wachsenden Tourismus-Markt. Sie hat vor allem die Monate im Blick, in denen besonders wenige Gäste da sind - etwa den November. Bestimmte Touristen würde man aber wohl auch mit aufwändigeren Aktionen nicht erreichen. Als „ungezwungen“ etwa bezeichnen sehr viel mehr potenzielle Gäste die Städte Amsterdam, Barcelona und Berlin. „Barcelona bietet 24 Stunden Spaß“, sagte Knudson dazu. „Das können wir nicht bieten.“ Bürgermeister Schmid betonte, München sei die „Stadt der Gmiatlichkeit, der Lebensfreude und des Genusses“. Dazu passte dann auch wieder seine Tracht - egal ob Wiesn ist oder nicht.

Felix Müller

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