Streitfall Garten-Tram: Ein Teilstück von etwa einem Kilometer würde durch den Englischen Garten führen.

Trasse durch den Englischen Garten

Garten-Tram entzweit die Rathaus-Koalition

München - Die Stadtrats-SPD möchte einen neuen Vorstoß für den Bau der Tram-Nordtangente durch den Englischen Garten wagen. Mit dem Freistaat sperrt sich gegen die Trasse, der Rathaus-Koalition droht neuer Ärger. 

Die Pläne liegen seit 1991 in der Schublade. Bereits damals beschloss der Stadtrat die „Garten-Tram“, wie sie kurz und knackig betitelt wird. Doch kurz und knackig geht in dieser Angelegenheit nichts voran. Im Gegenteil: Den Planfeststellungsantrag der Stadtwerke München (SWM) von 1998 hat die Regierung von Oberbayern im Jahr 2001 abgelehnt. Eine Klage der SWM lehnte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof 2006 ab. Begründung: Der Schutz des Englischen Gartens als Denkmal von außergewöhnlicher Bedeutung sei höher zu bewerten als das Interesse an der Errichtung einer Straßenbahn-Neubaustrecke. Vor allem die Oberleitung war der Regierung ein Dorn im Auge, was das Gericht ebenso sah.

Dieses Argument fällt nach Meinung der SPD nun aber weg. Auf dem Teilabschnitt durch den Englischen Garten könne die Tram dank neuer Technik im Akku-Betrieb laufen, so die SPD. Sprich: Das Landschaftsbild würde nicht durch Strommasten und Leitungen verunstaltet. Zudem würden die Gleise auf der bereits heute vorhandenen Straße, auf der der Bus verkehrt, verlegt werden. Der Stadtrat befasst sich am Mittwoch mit dem Antrag.

MVG: Würden gerne "mit dem Projekt in die Vollen gehen" 

Der Vorstoß der SPD ist die Konsequenz aus einer Machbarkeitsstudie der SWM. Die Trambahnzüge mit Strom aus einem Energiespeicher wurden erfolgreich getestet. Die Tram-Nordtangente würde über etwa neun Kilometer von Neuhausen über Schwabing durch den Englischen Garten bis nach Bogenhausen führen. Nötig dafür wäre eine Neubaustrecke von zwei Kilometern – vom Elisabethplatz über die künftigen Haltestellen Habsburger Platz, Giselastraße, Thiemestraße, Chinesischer Turm und Tivolistraße.

Dass der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Herbert König, ein großer Befürworter der Garten-Tram ist, weiß man. MVG-Sprecher Matthias Korte bekräftigte am Montag: „Gerne würden wir mit dem Projekt wieder in die Vollen gehen, die Planung aktualisieren und ein neues Planfeststellungsverfahren anstoßen.“ Man warte nur auf eine politische Initiative. Mit dem Verzicht auf die Fahrleitung samt Masten wäre der wichtigste damalige Einwand des Freistaats ausgeräumt, so Korte. Die Tram würde sich harmonisch in den Englischen Garten einfügen, die Strecke exakt auf der vorhandenen Straße verlaufen, die seit Jahrzehnten der Bus durch den Englischen Garten nutzt. Es könnte sogar – falls vom Freistaat gewünscht – der Asphalt entfernt, ein Rasengleis verlegt und damit der Grünflächenanteil im Englischen Garten erhöht werden. Nach Auffassung der MVG sind all dies überzeugende Argumente, mit denen der OB auf den Freistaat als Eigentümer des Gartens zugehen könnte. OB Dieter Reiter (SPD) hatte schon im Vorjahr angekündigt, einen neuen Anlauf für die Trasse starten zu wollen.

Korte sieht weitere Argumente: Die Nordtangente wäre laut MVG ein wirtschaftlich sinnvoller Lückenschluss im ÖPNV-Netz der Stadt. Alle bisherigen Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Tangentialverbindung von Neuhausen bis nach Bogenhausen stark genutzt würde und daher auch wirksam zur Entlastung der Innenstadtstrecken beitragen könnte.

"Es ist eine Koalition des Stillstands"

Auf ein Signal der Politik wartet die MVG auch beim Thema Tram-Westtangente. Die neun Kilometer lange Trasse soll fünf Stadtbezirke erschließen und über 16 Haltestellen vom Romanplatz bis zum U-Bahnhof Aidenbachstraße führen. Doch auch hier sind sich SPD und CSU bislang uneins. Die Sozialdemokraten wünschen sich den Lückenschluss – und zwar zügig. Die CSU hingegen blockt und fürchtet negativen Einfluss auf den Autoverkehr.

CSU-Fraktionschef Hans Podiuk sagte am Montag zur Garten-Tram, es gebe aus seiner Sicht keine neuen Erkenntnisse. Der SPD-Antrag sei Show, solange sich die juristischen Voraussetzungen nicht geändert hätten. „Der Stadtrat alleine kann ohne den Freistaat nichts beschließen.“ Die CSU hatte die Strecke stets abgelehnt, weil der Eingriff in den Englischen Garten zu massiv sei. An dieser Haltung hat sich laut Podiuk nichts geändert: „Es gibt kein neues Argument für die Nordtangente.“

Womöglich kommt es nun zu einem Schulterschluss der SPD mit den Grünen, die sowohl Tram-Nordtangente als auch Westtangente fordern. Für den Koalitionsfrieden könnte dies zu einer Belastungsprobe werden. Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger erklärte, es sei seltsam, dass sich die SPD und CSU bei einem so wichtigen Verkehrsthema nicht einig seien. „Das spricht Bände.“ Nallinger bezeichnete den SPD-Antrag als voll unterstützenswert. Gleichwohl beinhalte er nichts Neues, weswegen die vormalige Grünen-OB-Kandidatin es für sinnvoller gehalten hätte, die CSU von dem „sinnvollen Projekt“ zu überzeugen. Nallingers Kritik: „Es ist eine Koalition des Stillstands.“

Klaus Vick

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