+
Alles klar geregelt: Lutz Libbertz zeigt sein Testament. 

Tod mit 77 Jahren

Trauer um Münchner Promi-Anwalt Libbertz

  • schließen

München trauert um eine Anwaltslegende: Lutz Libbertz ist im Alter von 77 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Sein letzter Wille passte auf ein Blatt Papier.

München - Bis zuletzt hat er sich für die Rechte seiner Mandanten eingesetzt. Vor Gericht kämpfte er für Prominente wie Rudolph Moshammer, Dieter Bohlen oder Roy Black genau so aufopferungsvoll wie für den Rentner, der seinen Führerschein verloren hatte. Lutz Libbertz machte keinen Unterschied, sah immer den Menschen. Am vergangenen Donnerstag ist die Anwaltslegende im Alter von 77 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in einer Münchner Klinik verstorben.

„Ich stand bis zuletzt in Kontakt mit ihm“, sagt seine langjährige Büroleiterin Petra Köpfl im Gespräch mit unserer Zeitung. Über 40 Jahre boxte Libbertz seine Mandanten durch Prozesse. Mörder, Kleinkriminelle, Suff-Fahrer, scheidungswillige Frauen und Männer – Lutz Libbertz hat sie alle vertreten.

Angestellte lernte ihn als „großartigen Menschen“ kennen

Gut 15 Jahre unterstützte Kröpfl ihren Chef im Büro an der Maximilianstraße. „Wir sind jetzt alle geschockt“, sagt sie. Der Sohn hat die Belegschaft der Kanzlei über den Tod seines Vaters informiert. „Er war nicht nur mein Chef“, sagt Kröpfl. „In all den Jahren durfte ich ihn auch als großartigen Menschen kennenlernen.“

Kröpfl erinnert sich vor allem an einen Satz, den Libbertz seinen Mitarbeitern immer wieder einbläute: „Wir müssen alles versuchen, um diesen Menschen zu helfen.“ Rückblickend stellt seine Büroleiterin fest: „Und das haben wir in 90 Prozent der Fälle auch geschafft.“

Ans Aufhören dachte ihr Chef auch mit 77 Jahren noch nicht. Denn Lutz Libbertz war auch immer der akribische Arbeiter im Hintergrund. Um seine eigene Person machte er kein großes Aufsehen. So verwundert es auch nicht, dass er schon vor seinem Tod seinen eigenen Abschied organisiert hat. Im Internet teilte der Sohn gestern mit, dass es keine Trauerfeier geben werde – ganz im Sinne des Vaters.

Der Größenwahn spiegelt sich in Testamenten - nicht so bei Libbertz

Und auch seinen materiellen Nachlass hat Libbertz zu Lebzeiten bestens geregelt. Denn wenn es um die Formulierung eines Testaments geht, hat Lutz Libbertz als Experte für Erbrecht in den vergangenen Jahren kuriose Erfahrungen gemacht. „Die Leute werden immer komplizierter. Jeder will was Besonderes sein“, sagte er noch im Sommer bei einem Gespräch in seiner Kanzlei.

Der Größenwahn des Einzelnen spiegle sich neuerdings auch immer öfter in Testamenten wider. „Das sind Manifeste, kompliziert und viel zu lang. Daraus entwickeln sich unnötige Streitereien ums Erbe“, sagte Libbertz und kramte ein weißes Blatt Papier unter seinem Schreibtisch hervor – sein Testament. Sieben Zeilen, mehr brauche man nicht, meint Libbertz und sagt: „Die besten Testamente passen auf einen Bierdeckel. Für meines habe ich keine fünf Minuten gebraucht.“ Libbertz’ Sohn ist sein Erbe, die Büroleiterin erhält 30 000 Euro und zehn Prozent des Verkaufspreises der Kanzlei. 

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen. Hier entlang zur Liste.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Die Oktober-Bauarbeiten an der Münchner Stammstrecke starten. An diesem Wochenende geht‘s weiter. Wer mit der S-Bahn in die Innenstadt möchte muss Geduld haben. 
Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
Das „Craftbeer Oktoberfest“ in der Münchner Reithalle dürfte unter den Liebhabern außergewöhnlicher Biersorten bis einschließlich Samstag ein besonderer Tipp sein.
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus
Obwohl sie Münchner sind, fühlen sie sich hier nicht immer wohl. Nun startet die Stadt München eine Postkarten-Kampagne. 
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus
Münchner Taxler wollte Terrorist werden: 32-Jähriger war fast in Syrien - dann kehrte er zurück 
Ein 32-jähriger Taxifahrer aus München radikalisierte sich und wollte für den Islamischen Staat sterben. An der Grenze zum Kriegsgebiet machte er einen Rückzieher. Nun …
Münchner Taxler wollte Terrorist werden: 32-Jähriger war fast in Syrien - dann kehrte er zurück 

Kommentare