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Walter L. kann es nicht glauben, dass er auf Trickdiebe hereingefallen ist. Er sitzt vor der Schublade, aus der ihm das Geld gestohlen wurde.
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Die Täter klingelten an der Tür, erklärten dort, dass das Wasser überprüft werden müsse ...
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... und lenkten den Rentner ab, indem sie ihn anwiesen, das Wasser abwechselnd kalt und warm laufen zu lassen.
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Falsche Handwerker klauen Tausende Euro

Trickdiebe bei Walter L. (85) – Das sind die häufigsten Maschen

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Rentner Walter L. ist Opfer eines miesen Trickdiebstahls geworden: Falsche Wasserwerker haben ihm tausende Euro seines Ersparten in den eigenen vier Wänden gestohlen!

München - Im Nachhinein ergibt alles ein klares Bild. Warum der Mann beispielsweise im Türrahmen stehen geblieben ist. „Da hat er mir die Sicht versperrt, so dass sein Komplize in die Wohnung gehen konnte“, sagt Walter L. (85). Der alleinlebende Rentner aus Untergiesing ist Opfer eines miesen Trickdiebstahls geworden: Falsche Wasserwerker (siehe unten) haben ihm mehrere Tausend Euro seines Ersparten in den eigenen vier Wänden gestohlen!

Es ist der 3. Januar, als es an der Drei-Zimmer-Wohnung des Rentners im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses klingelt. „Da stand ein stämmiger Mann in Straßenkleidung vor der Tür und meinte, das Wasser sei verschmutzt, weil die Rohre verdreckt seien. Ich sollte jetzt mit ihm ins Bad gehen und dort das Wasser des Duschkopfes in der Badewanne testen.“ Ohne nachzudenken folgt Walter L. den Anweisungen. „Ich habe mir immer vorgenommen, keinen reinzulassen. Aber die überrumpeln einen einfach, da steht man auf der Leitung …“

Und so nimmt alles seinen Lauf: Erst stellt sich der Ganove in den Türrahmen. „Ich sollte das Wasser abwechselnd kalt und warm laufen lassen.“ Walter L. vermutet, dass in dieser Zeit ein Komplize in die Wohnung gelangt ist und schnurstracks auf die einzig offene Zimmertür zugegangen ist. Im Arbeitszimmer werden die Diebe dann leider auch schnell fündig: „Ich habe in der obersten Schreibtischschublade in drei Zigarillokisten mein Erpartes aufbewahrt.“ Das ist unter anderem der Betrag, den Walter L. beiseite legt, seit er sich die Kosten für einen Garagenstellplatz spart. Er gehört zur Generation, die ihr Geld lieber daheim weiß als auf der Bank.

Da der Beutezug rasch erledigt ist, geht der Täter, der bei Walter L. geklingelt hat, schon nach ein paar Minuten zur Eingangstüre und tut so, als würde er mit einem Kollegen auf der Straße reden. „Dann ist er grußlos gegangen und meinte nur, ich solle das Wasser noch fünf Minuten weiter laufen lassen – natürlich, um unbeobachtet abhauen zu können“, erinnert sich das Opfer.

Es sollte aber einen ganzen Monat dauern, bis der Rentner den Verlust des Geldes überhaupt bemerkt. „Die Männer haben alles wie zuvor hinterlassen, so dass ich keinen Verdacht geschöpft habe.“ Erst in dieser Woche, als Walter L. Geld abhebt und in einer der Zigarillokisten deponieren will, bemerkt er, dass alle drei leer sind. Der Untergiesinger geht sofort zur Polizei und erstattet Anzeige.

Danach ruft er bei seiner Stammzeitung, der tz, an. „Ich will andere Menschen warnen, vorsichtig zu sein. Ich dachte auch immer, mir passiert so etwas nicht, aber die sind so geschickt …“ Weil Walter L. kein Mensch ist, der lange hadert, sieht er dennoch das Postive: „Das Geld ist futsch. Aber die Typen hätten auch wertvolle Erinnerungen mitnehmen können – oder mich verletzen oder töten können. Hauptsache, mir ist nichts passiert.“

„Die Trickbetrüger sind sehr erfinderisch“

Die falschen Wasserwerker, die Walter L. (85) bestohlen haben, sind kein Einzelfall: Erst am Dienstag haben Täter auf diese Weise einem Ehepaar (80 und 89 Jahre) in Berg am Laim mehrere Hundert Euro gestohlen. „Mit dieser Masche haben wir die meisten Geschädigten“, sagt Konrad Raab, Leiter des Kommissariats für Trick- und Taschendiebstahl. Hunderte dieser Fälle habe die Polizei in den vergangenen zwei Jahren registriert. „Die Masche ist erfolgreich: Mit der Brause in der Hand können die Opfer nicht aus dem Bad weggehen, außerdem macht die Brause viel Lärm, sodass der zweite Täter die Wohnung durchsuchen kann.“

  • Der Wasserwerker-Trick gehört zur Kategorie der falschen Handwerker, bei denen sich der oder die Trickdiebe Zugang zur Wohnung verschaffen. Konrad Raab: „Dabei sind die Betrüger erfinderisch, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“ Typische Vorwände: Man wolle die Heizung ablesen, falsche Telekom-Mitarbeiter müssten die TV- oder Strom-Leitung überprüfen, oder ein Mann bietet einen Teppich zum Verkauf an. Oder der Täter appelliert an die Hilfsbereitschaft, bittet um ein Glas Wasser oder um Stift und Papier. Hauptsache, das Opfer ist abgelenkt und der oder die Täter können Wertgegenstände entwenden.
  • Etwas anders gelagert sind die Fälle, bei denen die Opfer dazu gebracht werden, Geld abzuheben und den Tätern auszuhändigen. Da gibt es beispielsweise den klassischen Enkeltrick, bei denen der Täter sich telefonisch als ein Verwandter ausgibt, der in einer Notlage dringend Geld benötige. In jüngster Zeit beliebt ist vor allem der falsche Polizist, der den Opfern Angst macht. Der Täter ruft oft aus einem Callcenter im Ausland unter der Tel. 089/110 an. Er sagt, das Geld der Opfer sei in Gefahr und man müsse Bares abheben, um die Scheine zu überprüfen. Die allerneueste Masche ist noch fieser: Da arbeiten falsche Polizisten mit Psychoterror. Sie zwingen die Opfer, die ganze Nacht am Telefon zu bleiben und überwachen sie permanent am Telefon, bis diese schließlich völlig fertig mit den Nerven zur Bank gehen und das Befohlene erledigen.

Insgesamt gehen die Schäden durch Trickdiebe und -betrüger jedes Jahr in die Hunderttausende. Deshalb rät Kommissariatsleiter Konrad Raab: „Seien Sie misstrauisch! Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung! Signalisieren Sie dem Täter, dass Sie seine Angaben überprüfen, beispielsweise beim Vermieter oder der Bank – dann suchen die Täter oft das Weite. Außerdem: Lagern Sie nicht zu viel Bargeld daheim!“

Nina Bautz

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