Mit einem Tuch deckten Katharina Schulze und Sepp Dürr gestern das Denkmal am Marstallplatz ab. Foto: Kurzendörfer

Trümmerfrauen-Denkmal verhüllt

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München - Eine Aktion der Landtags-Grünen stößt auf scharfe Kritik von Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU). Er nennt sie "beschämend".

Die Münchner Grünen-Chefin Katharina Schulze hat gestern das Trümmerfrauen-Denkmal am Marstallplatz symbolisch kurzfristig verhüllt. Die Grünen fordern den Freistaat auf, dem Verein, der das Gedenken für die Aufbaugeneration initiiert hatte, zu kündigen. Scharfe Kritik an der Verhüllungs-Aktion kam von Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU).

Jahrelang hatte der Verein „Dank und Gedenken der Aufbaugeneration, insbesondere der Trümmerfrauen“ für ein Denkmal gekämpft. Politisch aber war im rot-grün regierten München kein Durchkommen, CSU-Stadtrat Reinhold Babor stand mit seinen Anträgen oft alleine auf weiter Flur. Doch im Mai konnte mit Unterstützung von Staatsminister Ludwig Spaenle (CSU) ein schlichter, schulterhoher Fels am Marstallplatz eingeweiht werden - gegen das Stadtarchiv und gegen die Mehrheitsmeinung im Stadtrat, auf einer Fläche, die der Freistaat zur Verfügung gestellt hatte.

Die scharfe Kritik an dem Denkmal hatte sich vor allem an der Frage entzündet, ob man in München überhaupt von Trümmerfrauen sprechen könne. Die Gegner der Denkmal-Initiative führten Historiker, unter anderem aus dem Stadtarchiv, ins Feld, die diese Frage klar verneinen. Die Rede ist von 1500 Menschen, die in München unmittelbar nach Kriegsende im Einsatz gewesen seien, um Schutt und Trümmer wegzuräumen. Darunter seien 1300 Männer gewesen. Mehr als 90 Prozent der Männer und Frauen seien zum Trümmerräumen zwangsverpflichtet worden, weil sie zu Kriegszeiten in NS-Organisationen aktiv gewesen seien.

„In München gab es keine Trümmerfrauen!“, rief gestern der Grünen-Landtagsabgeordnete Sepp Dürr, als er gemeinsam mit Katharina Schule ein braunes Tuch über das Denkmal zog. „Den Richtigen ein Denkmal - nicht den Altnazis!“, stand darauf. „Gegen Spaenles Geschichtsklitterung!“

Minister Spaenle, der auch Münchner CSU-Chef ist, zeigte sich entsetzt von der Aktion. „Geschmacklos und plump“, nannte er sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass auf dem Denkmal nicht nur „Den Trümmerfrauen und der Aufbaugeneration Dank und Anerkennung“ steht, sondern auch „Im Wissen um die Verantwortung“, sei „ausdrücklich“ sein Wunsch gewesen, sagte Spaenle. „Ich habe bei der Einweihung des Denkmals außerdem ausdrücklich die deutsche Schuld an der Shoah benannt“, betonte er.

Das klingt nicht so, als würde die Staatsregierung der Forderung der Grünen nachkommen wollen. „Wir fordern den Freistaat auf, den Vertrag zu kündigen und, dass der Verein es auf eigene Kosten abbaut!“, rief Katharina Schulze. Dürr warf Spaenle vor, er habe aus Wahlkampfgründen am rechten Rand fischen wollen. „Wir sollten lieber an die erinnern, die die Demokratie nach Bayern gebracht haben“, sagte Sepp Dürr. „An Kurt Eisner zum Beispiel.“

Felix Müller

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