Straßen-Wahlkampf in München

Türkischer Aktivist befürchtet: „Es kann jederzeit knallen“

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Der Wahlkampf im Vorfeld der Volksabstimmung in der Türkei schwappt jetzt auch nach München – und da steckt viel Zündstoff drin! Ein türkischer Aktivist befürchtet: Es könnte mächtig Ärger geben.

Update vom 27. März 2017: In München steht nur eines von vielen Wahllokalen. Wir haben eine Übersicht erstellt, in welchen Städten die in Deutschland lebenden Türken über die neue Verfassung abstimmen können.

München - Es ist nicht die Regierungspartei AKP, die die Trommel für das Referendum in der Türkei rührt. Vielmehr wirbt die Opposition heftig für ein Nein. Am Montag startet am Stachus das kurdische Newroz-Fest. Und in der Goethestraße sind drei „Nein“-Infostände geplant. Laut Vural Ünlü, Sprecher der Türkischen Gemeinde Bayern (TGB), könnte das für mächtig Ärger sorgen.

Schon in den vergangenen Wochen gab es von der deutschen Öffentlichkeit unbemerkt mehrere Wahlkampfauftritte des „Hayir“-Lagers – also der Gruppierungen, die für ein „Nein“ werben. Am 4. März etwa sprach der türkische Abgeordnete der Kurdenpartei HDP Ertugrul Kürkçü im voll besetzten Ludwig-Koch-Saal des DGB-Hauses, heute feiern kurdische Organisationen am Stachus ab 17 Uhr das kurdische Neujahrsfest Newroz. „Das ist auch als eine ,Nein‘-Kundgebung zu sehen“, erklärt der kurdischstämmige Linke-Stadtrat Cetin Oraner der tz. In Frankfurt feierten am Samstag 30.000 Menschen Newroz, die Veranstaltung blieb friedlich. Für national denkende Türken sind die kurdischen Newroz-Feiern eine Provokation.

Am Freitag gehen die kurdischen Aktivisten dann mitten in Münchens türkisches Viertel: In der Goethestraße planen kurdische Aktivisten am Tag der Freitagsgebete nachmittags einen Infostand gegen die Volksabstimmung, am Samstag kommen sie nochmal. Und der türkische Volksverein, in dem Anhänger der bestehenden türkischen Republik vertreten sind, die ebenfalls die von Staatschef Recep Erdogan angestrebte Verfassungsänderung anstreben, will am Samstag von 11 bis 17 Uhr „Hayir“-Flugblätter in der Goethestraße verteilen. In der Gegend wimmelt es nur so von türkischen Geschäften.

„Es wird zu heftigen Diskussionen auf der Straße kommen“

Vural Ünlü, Sprecher der Türkischen Gemeinde Bayern.

Man muss wissen, dass die in Bayern lebenden Türken mehrheitlich dem Erdogan-Lager zuzurechnen sind, zumal der Staatschef in den vergangenen Jahren das Land wirtschaftlich nach vorne gebracht hatte. Bei der letzten Wahl stimmten sie fast zu 60 Prozent für die Regierungspartei AKP. Und die Fans des Präsidenten sind leidenschaftliche Anhänger. „Es liegt eine explosives Gemisch in der Luft. Ein Funke genügt“, berichtet Vural Ünlü, erster Sprecher der Türkischen Gemeinde Bayerns (TGB), die sich als unabhängige Vertretung der Deutschtürken im Freistaat sieht. „Ich kann mir schon vorstellen, dass es auf jeden Fall zu heftigen Diskussionen auf der Straße zwischen den Vertretern der Lagern kommen wird. Da kann es jederzeit knallen.“ Die Polizei wird jedenfalls bei allen Veranstaltungen der türkischen Opposition vor Ort ein.

Und was sagt die Regierungsseite? Dr. Emrullah Durucan ist der Vorstand der AKP-nahen Union Europäisch-Türkischer Demokraten UETD in Bayern. Er meint: „Ich denke nicht, dass es zu Ausschreitungen kommt.“ Für das Erdogan-Lager sei es in Bayern schwierig, Veranstaltungsorte für Wahlkampfauftritte oder Infostände zu bekommen. „Wenn die deutsche Mehrheit keinen türkischen Wahlkampf will, dann lassen wir das eben sein.“

Video: snacktv

Rubriklistenbild: © Schalf

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