Der Weg zum Tunnel hatte viele Kurven

München - Er öffnet Autofahrern den schnellen, geraden Weg unter Einstein- und Prinzregentenstraße hindurch bis zum Effnerplatz. Doch die Geschichte des Richard-Strauss-Tunnels ist verschlungen. Politische Grundsatzdebatten, überraschende Wendungen und technische Schwierigkeiten bestimmten den Werdegang des Projekts.

Von Peter T. Schmidt

Die Geburtsstunde des Richard-Strauss-Tunnels schlug am 23. Juni 1996. Damals entschied eine denkbar knappe Mehrheit Münchens erstes Bürgerbegehren zugunsten der Initiative „Drei Tunnels braucht der Mittlere Ring“. Lange hatte sich die CSU gegen das Instrument des Bürgerentscheids gewehrt. Ihre Mandatsträger warnten vor „kommunaler Anarchie“ und prophezeiten den Bankrott der Kommunen, sollte das neue Bürger-Recht nicht wenigstens an eine Mindestbeteiligung und einen Finanzierungsvorschlag gebunden sein. Als ein Volksentscheid schließlich die Einführung des Bürgerentscheids auf kommunaler Ebene erzwang, war es ausgerechnet die CSU, die sich umgehend des lange geschmähten Instruments bediente. Im Schulterschluss mit FDP, IHK, Handwerkskammer und ADAC initiierten CSU-Politiker das „Drei Tunnel“-Begehren: Eines der ersten in Bayern, das erste in München und bis heute das teuerste.

Es folgte ein politischer Rollentausch: Nun waren SPD und Grüne, die an der Seite der Initiative „Mehr Demokratie in Bayern“ für den Bürgerentscheid gekämpft hatten, entschieden dagegen. Die SPD warnte vor leeren Stadtkassen und drohte mit höherer Gewerbesteuer, den Grünen war der Autoverkehr an sich ein Dorn im Auge. Doch das konkurrierende „Bessere Bürgerbegehren“ unterlag in der Stichfrage (siehe Kasten). Der Weg für drei neue Tunnel im Norden, Osten und Südwesten des Mittleren Rings war frei. Die erste Rechnung bekamen die Bürger umgehend im Jahr 1997 vorgelegt: Wie bereits im Vorfeld angekündigt, erhöhte die rot-grüne Rathaus-Mehrheit den Gewerbesteuer-Hebesatz von 480 auf 490 Prozent.

Inzwischen sind die kritischen Stimmen leiser geworden. 2002 ging der Petueltunnel in Betrieb und verblüffte viele Zweifler: Die Entlastung, die der Tunnel für den Verkehr in München bedeutet, ließ sich nicht wegdiskutieren. Sogar OB Christian Ude ist zum Tunnel-Befürworter geworden (siehe Interview rechts).

Einen Anlauf zum Bau der drei Ringtunnels im Norden, Osten und Südwesten hatte es bereits in den 80er-Jahren unter OB Erich Kiesl (CSU) gegeben, berichtet Johann Wittmann, Tunnel-Chef im Baureferat. Doch im Frühjahr 1990, inzwischen war der „rote Schorsch“ Kronawitter (SPD) ins OB-Amt zurückgekehrt, wurden die Planungen gestoppt. Für den Petueltunnel war zu diesem Zeitpunkt das Genehmigungsverfahren schon abgeschlossen. „Die Ausschreibung lief bereits“, erinnert sich Wittmann. „Zur Vergabe kam es nicht mehr.“ Dafür ging es nach dem Bürgerentscheid ganz schnell: Neue Ausschreibung, 1997 Baubeginn.

Die Planung für den Richard-Strauss-Tunnel jedoch begann 1997 grundlegend neu. Die größte Herausforderung dabei: Der Verkehr auf dem Ring sollte so gut wie möglich weiter rollen. Für die Ingenieure hieß das, die Mammut- Baustelle in kleine Teilstücke zu zerlegen, neben denen Behelfs-Fahrbahnen Platz hatten. Vier grundlegende Wechsel in der Verkehrsführung waren zu bewältigen, 150-mal wurden Fahrbahnen verschwenkt. Allein die provisorische Verkehrsführung samt Signalanlagen und allem, was dazugehört, habe 16 Millionen Euro gekostet, berichtet Wittmann. Knapp drei Jahre lang galt zudem auf Einstein- und Prinzregentenstraße eine Einbahn-Regelung. Für viele Anwohner war die Bauzeit eine Leidenszeit. Jetzt haben sie Grund zum Feiern.

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