Tunnel-Vision für den Englischen Garten

München - Heute verläuft mitten durch den Englischen Garten der Mittlere Ring. Ein Architekten-Ehepaar hat nun einen faszinierenden Plan entworfen: Die Blechlawine soll in einem Tunnel verschwinden.

Friedrich Ludwig von Sckell hätte die Idee sicher gefallen. Der Planer des Englischen Gartens sorgte sich schon vor über 200 Jahren darum, dass sein Werk zugebaut werden könnte. "Mögen doch einmal die Grenzen dieser schönen Anlagen (...) mit ihren Bächen ruhig gelassen und nicht immer benaget, verunstaltet und herabgewürdiget werden", wetterte er. Heute hätte er wohl noch mehr zu schimpfen: Denn mitten durch den Park walzt die Blechlawine. Der vierspurige Isarring zerschneidet das Grün in zwei Teile.

Zwei Münchner Architekten wollen das nicht länger hinnehmen. Hermann Grub und Petra Lejeune sind entschlossen, den tiefen Schnitt im Englischen Garten zu heilen und seine beiden Hälften wieder zusammenzuführen. Und sie sind dabei auf eine verblüffend einfache, aber leider teure Idee gekommen: Der Ring soll in einem Tunnel unter dem Park verschwinden.

Eine "brutale Zäsur" sei der Bau des Isarrings in den 60er-Jahren gewesen, sagt Grub. "Ohne den Ring könnte man den Park wieder in seiner historischen Qualität und Größe erleben." Wo jetzt Asphalt ist, könne wieder Grün wachsen. Und Wege und Bachläufe, die durch den Ring gekappt wurden, könnten neu hergestellt werden - und zwar exakt nach den Plänen Sckells.

Die Idee ist auch deshalb interessant, weil die Stadt gerade ohnehin überlegt, was sie mit dem Isarring machen soll. Die Ampel an der Kreuzung von Ring und Ifflandstraße hatte sich nach der Fertigstellung des Richard-Strauss-Tunnels zur Staufalle entwickelt (wir berichteten). Das Planungsreferat gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, um das Problem in den Griff zu bekommen. Eine Option: Die Ampel würde durch eine zusätzliche Einfädelspur ersetzt - mitten durch den Englischen Garten.

Für Grub und Lejeune wäre das eine Katastrophe - der Park würde noch stärker zerschnitten. Doch sie sehen auch eine Chance: "Wenn hier für viel Geld gebaut werden muss, kann man auch gleich über einen Tunnel nachdenken." Gemeinsam mit Verkehrsplanern, die laut Grub anonym bleiben wollen, entwarfen die Architekten ein Konzept. Demnach soll der Ring zwischen Iffland - und Dietlindenstraße unterirdisch verlaufen - auf einer Strecke von rund 300 Metern. Auch die geplante Einfädelspur soll abtauchen - und für reibungslosen Verkehr im Untergrund sorgen.

Der große Haken: die Finanzierung. Rund 50 Millionen Euro würde der Park-Tunnel kosten, schätzt Grub. Woher das Geld kommen soll, ist noch völlig unklar. Grub und Lejeune wollen sich mit ihrer Idee an Stadt, Freistaat und Bund wenden. Möglich sei auch, dass man eine Spendenaktion starte oder Konzerne als Sponsoren gewinne. Auf der Website www.einenglischergarten.de können sich Bürger informieren und ihre Meinung zur Idee loswerden. Die Stadt jedenfalls blockt nicht sofort ab. "In unserer Machbarkeitsstudie wird auch eine Tunnellösung geprüft", sagt ein Sprecher des Planungsreferats. Ergebnisse sollen noch vor den Sommerferien vorliegen.

Einen prominenten Unterstützer haben Grub und Lejeune schon gefunden: Thomas Köster, Parkchef des Englischen Gartens. "Ich finde die Idee klasse. Da würde ein langgehegter Wunsch von mir in Erfüllung gehen." Die Autoschneise durch den Park sei grauenhaft und aus denkmalpflegerischer Sicht unzumutbar. Köster rollte den beiden Architekten sogar den grünen Teppich aus: Er lieh ihnen ein Stückchen grünen Rasen, den die Architekten auf dem schmalen Fußgängersteg über dem Isarring verlegten: Ein erstes zartes grünes Band, das den Süden des Parks symbolträchtig mit dem Norden verbindet.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bachelor-Kandidatin rast mit 195 km/h durch München - jetzt ist klar, wer hinterm Steuer saß
Raser-Wahnsinn: Eine Bachelor-Kandidatin (RTL) sorgt mit einem Instagram-Video für Aufsehen. Jetzt ist klar, wer der Fahrer ist.
Bachelor-Kandidatin rast mit 195 km/h durch München - jetzt ist klar, wer hinterm Steuer saß
Kelly Family in ausverkaufter Olympiahalle - An alle Kelly-Spötter: Es war ein toller Abend
Die Kelly Family spielte am Sonntag vor einer ausverkauften Olympiahalle - und das technisch perfekt und mit viel Liebe für ihre Fans. Unsere Kritik:
Kelly Family in ausverkaufter Olympiahalle - An alle Kelly-Spötter: Es war ein toller Abend
Feuerwehreinsatz auf Stammstrecke: Einschnitt im S-Bahn-Berufsverkehr
Ein Feuerwehreinsatz an der Stammstrecke hat Auswirkungen auf sämtliche S-Bahnen im Berufsverkehr am Montagmorgen.
Feuerwehreinsatz auf Stammstrecke: Einschnitt im S-Bahn-Berufsverkehr
Mega-Umbau der U-Bahn-Haltestelle am Hauptbahnhof München - das ist der Zeitplan
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) will den Bahnsteig der U4/U5 am Hauptbahnhof umbauen. Die Rolltreppen vom Sperrengeschoss am Bahnhofplatz entfallen, stattdessen …
Mega-Umbau der U-Bahn-Haltestelle am Hauptbahnhof München - das ist der Zeitplan

Kommentare