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Rosemarie Nobakht und Bürgeranwalt Dietmar Gaiser auf dem Neuen Südfriedhof.

tz-Bürgeranwalt

Darum verwildern auf dem Friedhof die Gräber

München - Auf einem Teil des neuen Südfriedhofes in München sind die Gräber verwildert und wirken ungepflegt. Der tz-Bürgeranwalt erklärt, warum.

Wenn ich zum Grab meines verstorbenen Mannes im muslimischen Sektor des Neuen Südfriedhofes in München gehe, ärgere ich mich jedes Mal. Die Gräber ringsum sind völlig ungepflegt und verwahrlost. Auf einem wachsen Erdbeeren, auf anderen Brennnesseln. Die anderen Teile des Friedhofes sind in einem überaus gepflegten Zustand. Ich habe mich auch schon an die Friedhofsverwaltung gewandt, dort hat man mich mit den Worten abgefertigt: „Und wenn dort jemand Tomaten auf einem Grab anpflanzen würde, könnten wir auch nichts machen.“ Gibt es keine Vorschriften für Friedhöfe? Rosemarie Nobakht (73), Unternehmerin aus München

Als wir die tz-Leserin auf dem Friedhof trafen, lernten wir eine starke Unternehmerpersönlichkeit kennen, die gewohnt ist, für Ordnung zu sorgen. Sie zeigte uns das Grab ihres Mannes, das sehr gepflegt ist, während viele andere Gräber völlig der Natur überlassen bleiben.

Wir wandten uns also an Dr. Alois Maderspacher vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München, das für die städtischen Friedhöfe zuständig ist. Dr. Maderspacher erklärte uns: „Natürlich gibt es genaue Regeln, wie die Gräber auf den Münchner Friedhöfen aussehen müssen.“ Dazu gehört zum Beispiel, dass Pflanzen nicht über den Grabesrand hinauswachsen dürfen und Sträucher nicht höher sind als das Grabmal.

„Im muslimischen Glauben sind Gräber ein Symbol der Vergänglichkeit“, klärte uns Dr. Maderspacher auf. Dort ist ein anderer Umgang mit den Toten vorgeschrieben als in der christlichen Religion. Muslims überlassen ihre Gräber der Natur. Letzte Ruhestätten werden in der Regel nicht bepflanzt. Um Muslimen in München die Möglichkeit zu geben, diesen Gedanken der Vergänglichkeit auf ihren Gräberfeldern zu zelebrieren, hat die Stadt auf dem Westfriedhof, dem Waldfriedhof und dem Neuen Südlichen Friedhof eigene Sektionen ausgewiesen.

Muslime aus den verschiedensten Teilen der Welt leben in Deutschland. Ihre Rituale sind nicht einheitlich und manche haben sich auch die westliche Art des Grabschmuckes zu eigen gemacht. Deswegen gibt es in den muslimischen Friedhofsteilen die verschiedensten Arten von Gräbern. Die Stadtverwaltung lässt sie ausdrücklich nebeneinander existieren und mischt sich nicht ein.

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